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„Ist das vielleicht ein Zauberer?“

Der Verlagsleiter und Autor Dr. Konrad Maria Färber wird heute 65 Jahre

Dr. Konrad M. Färber, im „Regensburger Almanach“ blätternd Foto: altrofoto.de

Von Thomas Dietz, MZ

REGENSBURG. Nur wenige von uns schaffen es, dass ihnen ein solch beständiges Füllhorn an Anekdoten vorauseilt wie dem Regensburger Verlagsleiter Dr. Konrad Maria Färber. Bei ihm kam es nie darauf an, ob die Geschichten auch stimmen. Man traut sie ihm zu, und sie sind zudem alle viel zu schön, um unwahr zu sein.

Wen immer man auf diesen Dr. Färber anspricht, dem erhellt sich die Miene, es kommt eine gewisse bewundernde Heiterkeit ins Spiel und die Suche nach dem richtigen Superlativ. „Er ist einer der letzten barocken Menschen“, formuliert es sein Freund Gerhard („Gerardo“) Wingerter, „er ist ein Original und Bonvivant“, sein Bruder Cornelius („Neli“). Heute feiert Konrad Maria Färber mit 34 Gästen seinen 65. Geburtstag, natürlich im Orphee, das ihm eine Mitternachts-Revue über sein Leben bieten wird (mehr darf, bei schärfster Strafandrohung, nicht verraten werden). Gefeiert wird aber erst, nachdem die Arbeit getan ist, denn zuvor wird Dr. Färber im Historischen Museum den „Regensburger Almanach 2006“ präsentieren, den er seit 1992 herausgibt.

Konrad Maria Färber gilt als exquisiter Koch, der einmal sogar drei Wochen lang im Orphee unter dem Pseudonym Monsieur Vidocq selbst französische Gourmetgäste mit kühnen Creationen verblüffte. Seine Frau Carla soll ihm darin in nichts nachstehen. KMF war schon jenseits der 50, als er mit ihr seine erste Ehe schloss – auf einem der sieben Hügel Roms, seiner Lieblingsstadt, in der Kirche Santa Maria in Domnica. „Sie fuhren auf einer cremefarbenen Vespa davon“, erinnert sich Gerardo, „ihr Brautkleid flatterte im Wind, und er war nervös wie ein Junger.“

Der „Putzfrauen-Erlass“

Zwei Jahre zuvor, 1992, hatte Färber die Leitung des Buchverlages der Mittelbayerischen und des frisch gegründeten Universitätsverlages mit der Zeitschrift „Blick in die Wissenschaft“ übernommen. Seitdem hat er exakt 356 Buchproduktionen betreut, was er auch weiterhin tun wird, nun allerdings als selbstständiger Verlagsberater mit Büro am Watmarkt, aber überwiegend für dieselben Verlage.

Färber ist stadtbekannt und -beliebt, sein Leben so bunt und abwechslungsreich wie sein Auftreten, für das er zuweilen einen weißen Zopf, Ohrring und knallrote Turnschuhe wählt. „Er weiß unendlich viel und bringt die Dinge vollkommen auf den Punkt“, sagt Gerardo Wingerter. „Sein Geheimnis ist: Er nimmt nichts auf der Welt wirklich ernst, auch nicht sich selbst.“

Neigung zur Inszenierung

Der Vater, Dr. Sigfrid Färber, war Oberspielleiter und Opernregisseur in Innsbruck, bis er 1945 mit Familie in seine Heimatstadt Regensburg zurückkehrte und Anfang der 50-er Jahre Fremdenverkehrsdirektor wurde. Sein Longseller „Regensburg – das mittelalterliche Wunder Deutschlands“ ist seit 1955 in der 19. Auflage im Handel. Konrad Maria volontierte bei der Mittelbayerischen Zeitung, wurde nach der Bundeswehrzeit Feuilletonredakteur bei der alten Regensburger Woche und ging danach zu „Bild“ und zur „Bild am Sonntag“. Eine seiner berühmtesten Enthüllungsstorys war die über den „Putzfrauen-Erlass“, der es Putzfrauen bei der Bundeswehr untersagte, mit Offizieren ab Major aufwärts im selben Fahrstuhl zu fahren.

Nach der „Bild“-Zeitung folgte ein Studium in München, das er mit dem Dr. phil. abschloss. Färbers überaus interessante und lesbare Dissertation über „Carl von Dalberg und Napoleon am Ende des Alten Reiches“ erschien 1988 als Buch. Dazu gesellt sich eine Fülle wissenschaftlicher Aufsätze, Katalog- und Buchbeiträge. Und natürlich sammelt KMF Bücher. Bücher, Bücher, Bücher!

Von den ursprünglich fünf Geschwistern lebt außer dem Regensburger Bruder nur noch Anna-Magdalena bei Chicago. „Die Lebensfreude und die Neigung zur großen Inszenierung haben wir zweifellos vom Vater“, sagt Neli Färber, „die Energie, alles auch umzusetzen, von der Mutter.“

Einmal hat Konrad Maria Färber im Sudhaus ,Theke gemacht‘ und trug dabei Fliege und eine dunkelrote Samtjacke. Als sie seiner gewahr wurden, fragten die Kinder der Gäste: „Ist das vielleicht ein Zauberer?“

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