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Musik

Jazzclub: Programm mit starken Frauen

Mit einem vielseitigen, stilistisch farbigen, teils regional geprägten Programm geht der Jazzclub Regensburg in den Herbst.
Von Michael Scheiner

Malia: Die Sängerin aus Malawi wird mal als Verkörperung des Neo-Souljazz, dann als Erneuerin der Sangestradition großer Jazz-Diven gesehen. Foto: Michael Scheiner
Malia: Die Sängerin aus Malawi wird mal als Verkörperung des Neo-Souljazz, dann als Erneuerin der Sangestradition großer Jazz-Diven gesehen. Foto: Michael Scheiner

Regensburg.Weiblich, europäisch, jung. Es sind Merkmale, die wie ein gesellschaftliches oder politisches Statement erscheinen. Tatsächlich vermitteln sie einen kurzen ersten Eindruck vom Herbstprogramm des Jazzclub Regensburg. Von den bislang rund 15 Konzerten, die bis Dezember den Leeren Beutel mit cool swingenden und soulig heißen Klängen füllen, wird fast die Hälfte von Musikerinnen geleitet oder mit bestimmt. Mit den großartigen Stimmen von TokTokTok, der Sängerin Tokunbo und Malia sind darunter gleich zwei Künstlerinnen, die es geschafft haben, ein eigenes künstlerisches Profil zu entwickeln und damit ein breites Publikum ansprechen. Mit Bassistin Eva Kruse und den beiden Saxofonistinnen Nicole Johänntgen und Stephanie Lottermoser gehören dazu auch ausgezeichnete Instrumentalistinnen.

Deutsch-amerikanisches Quartett mit Eisenhauer

Denn, um niemanden etwas vorzumachen, noch immer sind es vorwiegend Stimmen, Sängerinnen wie Steffi Denk und die Britin Zoe Francis, die das weibliche Bild im Jazz prägen. Der starke europäische Akzent wird durch Themen wie das Tribute-Konzert für Stevie Wonder und amerikanische Musiker in mehreren Bands ein wenig relativiert, ist aber dennoch sichtbar. Den Einstieg ins Herbstprogramm hat der Jazzclub bereits geschafft, kommende Woche setzt er es mit dem funkigen Projekt „A Tribute To Stevie Wonder“ (27. September) fort.

Mit dem Auftritt des amerikanisch-deutschen Quartetts Nussbaum, Soskin, Anderson & Eisenhauer (28. September) im Degginger steuert der Club auf den ersten Höhepunkt zu. Drummer Adam Nussbaum, Keyboarder Marc Soskin und der Kalifornier Jay Anderson gehören seit Jahrzehnten zum Who’s Who des modernen Jazz. Sie haben von Zappa über Tom Waits bis Billy Cobham und Sonny Rollins mit Stars aus fast allen Bereichen gespielt. Ihre energetische Synthese verschiedenster Musikstile erzeugt eine beinahe hypnotische Wirkung. Den europäischen Part übernimmt der Regensburger Gitarrist Rüdiger Eisenhauer. Er ist noch einmal mit seiner eigenen Band, dem Sleigh Ride Orchestra (9. Dezember) zu hören.

Satte Sounds mit Brazzooka

Satte Bläsersounds und starke Grooves prägen die Session (1. Oktober) mit Brazzooka. Unter dem Motto „The Beat Goes On“ stellt das Münchner Jazzrock-Powertrio Schmid.Messina.Langer (4. Oktober) wenige Tage später eigene Instrumentalversionen klassischer Songs von Deep Purple, den Beatles aber auch Sonny Rollins vor. Wolfgang Schmid, einer der erfolgreichsten Bassisten Europas, der argentinische Drummer Daniel Messina und Thomas Langer (guitar) haben persönliche Lieblingssongs neu arrangiert.

Als Teil des fantastischen Trios [em] mit Michael Wollny und Eric Schaefer, der jetzt in ihrem Quintett spielt, hat Eva Kruse (11. Oktober) bereits bei früheren Auftritten im Club für Furore gesorgt. In ihrer eigenen Musik fließen verschiedene Traditionen wie selbstverständlich zusammen. Auf dem aktuellen Album tangiert sie Pop, Rock und Volksweisen. Kruse vermag mit ihrem Quintett Jazzgroove und den Einfluss J. S. Bachs originell auszubalancieren. Die Virtuosen Jim Mullen und Helmut Nieberle präsentieren Gitarren-Jazz (17. Oktober) voller Energie und Raffinesse. Sängerin Zoe Francis steuert Songs aus dem Album „Remembering Blossom Dearie“ bei, eine selbstbewusste Verbeugung vor der großen amerikanischen Vokalistin.

Tokunbo als herbstliches Vokal-Highlight

Frischen, bläserbetonten New-Orleans-Sound stellt die Schweizer Saxofonistin Nicole Johänntgen (23. Oktober) mit ihren Mitmusikern aus der brodelnden Stadt am Mississippi vor. „Henry II“, so der Titel der zweiten CD des Quartetts, ist verspielt und ehrlich, groovt und rumpelt wie in den Straßen des French Quartier.

Dazwischen kommen mit der Isle Of Swing Bigband (21. Oktober) Fans kraftvoller Klänge auf ihre Kosten. Bestehend aus jungen und junggebliebenen Musikern Ostbayerns hat sich die Formation einen guten Ruf erspielt. Ihre Reise führt in die swingenden Gefilde von Count Basie, Sammy Nestico, Duke Ellington und Neal Hefti bis hin zu Michael Bublé und James Brown.

Als erstes herbstliches Vokal-Highlight betört Tokunbo (31. Oktober), ehemals Frontfrau von TokTokTok und eine der beliebtesten Jazzstimmen Deutschlands, einmal mehr mit ihrem zweiten Solo-Album „The Swan“. Begleitet wird sie von einer illustren Besetzung, der Matthias Meusel am Schlagzeug und die Fotografin Anne de Wolff angehört, die Geige, Akkordeon und Posaune spielt.

Neue Reihe „The Pianoplayers“

Im November präsentiert Helmut Nieberle zum Auftakt der neuen Reihe „The Pianoplayers“ drei hochkarätige Jazzpianisten. In der Tradition des legendären Oscar Peterson stehen sie alle, Thilo Wagner, Bernhard Pichl und Hans Huber, doch jeder auf seine eigene Art und Weise. Auf dem Programm stehen Lieblingsstücke des Altmeisters Peterson. Trompeter Martin Auer (15. November) spielt seit mehr als 20 Jahren mit vier Freunden zusammen. Eine Zeit, in der sie Trends und Strömungen getrotzt und konsequent ihre eigene Musik gemacht haben.

Das ist noch los im Jazzclub

  • Veranstaltungen:

    Der Club ist an weiteren Veranstaltungen beteiligt: Dazu zählen der Dokumentarfilm „It Must Schwing! – The Blue Note Story“, der ab 3. Oktober in der Filmgalerie in Regensburg läuft und die Sternschnuppe(r)nacht, die am 27. Oktober in Regensburg stattfindet.

  • Gala:

    Die 16. Internationale Aidstanzgala am 10. November im Velodrom (19.30 Uhr) ist eine Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Theater Regensburg und der Psychosozialen Aids-Beratungsstelle Oberpfalz. Weitere Infos unter www.jazzclub-regensburg.de

Malia (22. November) und ihre Band aus Klavier und Streichern und die Münchnerin Stephanie Lottermoser (29. November) beschließen den vielstimmigen November. Die Sängerin aus Malawi wird mal als pure Verkörperung des coolen Neo-Souljazz, dann als Erneuerin der Sangestradition großer Jazz-Diven wie Billie Holiday oder Nina Simone gesehen; aber auch als Musikerin, die traditionelle afrikanische Klänge neu belebt. „This Time“ nennt Saxofonistin, Sängerin und Songwriterin Stephanie Lottermoser ihr viertes Album. Die Mischung aus Jazz, Soul und Pop verspricht einen anregenden Konzertabend. Neben den swingend-fröhlichen Christmas-Konzerten mit Denk (2. Dezember), Eisenhauer (9. Dezember) und dem Rostmondorchester (23. Dezember) verspricht der Auftritt von Lorenz Kellhubers New Trio im Theater am Bismarckplatz ein weiteres Glanzlicht im vielschichtigen Jazzherbst zu werden.

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