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Programm

Jazzweekend wartet mit 89 Konzerten auf

Das Jazzfest beginnt am 18. Juli. Hauptacts sind Fainschmitz, das Mega Mereneu Project und The Sazerac Swingers.
Katharina Kellner

  • Das Bayerische Jazz-Weekend bietet alle Stilrichtungen des Jazz. Es lockt nicht nur bayerische Besucher an, sondern Gäste aus aller Welt. Foto: altrofoto.de
  • The Sazerac Swingers aus Gütersloh haben sich nach einem typisch amerikanischen Cocktail benannt. Foto: Christoph Weigel
  • Fainschmitz aus Wien tun sich gerne auch mal mit Megaphon kund. Foto: Arno Dejaco
  • Klemens Unger, Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Christiana Schmidbauer, Bernhard Büllmann und Sylke Merbold (von links) stellten gestern das Programm zum 38. Bayerischen Jazzweekend vor. Foto: Kellner

Regensburg.„Nach dem Fest ist vor dem Fest“, sagte Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, als sie gestern Mittag die Pressekonferenz zum Bayerischen Jazzweekend eröffnete. Sie freute sich, dass die Regensburger an diesem Wochenende ein entspanntes Bürgerfest gefeiert haben. Und als die die Verantwortlichen der Stadt Regensburg wie jedes Jahr ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, es möge nicht regnen beim Jazzweekend, fügte Maltz-Schwarzfischer hinzu, auch ein bisschen weniger Sonnenschein als beim schweißtreibenden Bürgerfest wäre nicht schlecht.

Dass es – Wetter hin oder her – ein Wochenende werden wird, bei dem Jazzfans kostenlose, hochwertige Livemusik genießen können, daran ließen die Bürgermeisterin, Kulturreferent Klemens Unger und Kulturamtsleiterin Christiana Schmidbauer keinen Zweifel. 97 Veranstaltungen – 89 Konzerte, zwei musikalische Lesungen und fünf Sessions – gibt es von Donnerstag, 18. Juli bis Sonntag, 21. Juli.

Eine „Win-win-win-Situation“

Schmidbauer sagte, die Mischung aus bekannten und neuen Bands mache die Besonderheit des Jazzweekends aus, ebenso, dass es die gesamte Bandbreite der Jazzstile biete. Die Regensburger Hotels seien regelmäßig voll beim Jazzweekend, das nicht nur bayerische Jazzliebhaber anlocke, sondern auch eine „starke internationale Besucherschaft“. Allein für den Auftritt des Landesjugendjazzorchesters müssten rund 50 Musiker untergebracht werden. Die Stadt stellt außerdem für die elf Bühnen in der Altstadt fünf Flügel, zwei Klaviere und jede Menge Drumsets zur Verfügung.

Auch Bernhard Büllmann aus dem Vorstand von Rewag, einem der Hauptsponsoren, war bei der Pressekonferenz vertreten. Er lobte das Jazzweekend als wichtigen Standortfaktor: „Für uns als Unternehmen ist es wichtig, die Attraktivität der Stadt zu steigern.“ Er bezeichnete die Veranstaltung als „Win-win-win-Situation“, von der Stadt, Bürger und Unternehmen gleichermaßen profitierten.

Wie sehr Jazz verbindet, unterstrich Sylke Merbold, die Leiterin des Bayerischen Jazzinstituts, das die Intendanz beim Jazzweekend innehat, mit einer Anekdote: Als die drei diesjährigen Hauptacts feststanden, habe sich herausgestellt, dass zwei Bands sich untereinander kannten und auch schon miteinander musiziert hatten – obwohl The Sazerac Swingers aus Gütersloh kommen und Fainschmitz aus Wien. Die Hauptacts treten wie jedes Jahr am Donnerstag, 18. Juli, im Gewerbepark auf und ein zweites Mal am Wochenende im Thon-Dittmer-Palais.

Auch zur dritten Formation, dem Mega Mereneu Project aus Graz, erzählte Merbold eine kleine Geschichte: Schon zweimal sei der brasilianische Komponist und Multi-Instrumentalist Emiliano Sampaio beim Jazzweekend vertreten gewesen. In diesem Jahr schlug sein Name ein drittes Mal bei der Jury auf: Diesmal hatte er sich mit einem Bigband-Projekt beworben. Doch aufgrund der hohen Qualität, die die Bigband hören lasse, habe die Jury gar nicht anders gekonnt, als das Mega Mereneu Project prominent zu platzieren. Qualität ist für die Intendantin das wesentliche Kriterium. Dass das österreichische Bundesland Vorarlberg, woher die Musiker stammen, für die Bigband die Reisekosten übernimmt, sieht Merbold als Beweis für die Qualität der Formation einerseits und des Jazzweekends andererseits.

Auch ein anderer Aspekt ist ihr wichtig: Wo Jazz draufsteht, muss Jazz drin sein. Die Zahl der Bewerbungen steige jedes Jahr, auch Rock- oder Pop-Musiker klopften an. Merbold sagte, es werde streng darauf geschaut, dass das Jazzweekend nicht zum „Gemischtwarenladen“ würde: „Klar, wir bespielen Grenzbereiche und halten Augen und Ohren offen. Doch die Musik muss jazzhaltig sein.“

Neue Bands, frisches Material

466 Bewerbungen waren es, die die Jury in diesem Jahr prüfte – das Fest, das ausdrücklich kein kommerzialisiertes Festival sein will, erfreut sich andauernder Beliebtheit bei Musikern. Mehr als ein Drittel der 86 Bands treten erstmals beim Bayerischen Jazzweekend auf, sagte Merbold. Daneben hätten viele der bekannten Formationen frisches Material im Gepäck.

Die musikalische Lesung im Degginger, erstmals 2017 erprobt, hat sich zum festen Bestandteil des Jazzweekends entwickelt. In diesem Jahr gibt es eine Hommage an die Internationale Jazzwoche Burghausen, die ihr 50-jähriges Jubiläum feiert. Ulrich Habersetzer und Roland Spiegel, zwei Musikjournalisten des Bayerischen Rundfunks, haben ein Buch mit dem Titel „It Has Lines In Its Face“ zu diesem Festival veröffentlicht. Darin tragen sie Geschichten und Anekdoten aus fünf Jahrzehnten zusammen. Sie begleiten ihr Werk auch musikalisch.

Kulturreferent Unger freute sich, dass auch beim Jazzweekend die 50-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläen mit Brixen und Clermont-Ferrand gefeiert werden. Als musikalische Vertreter kommen der französische Pianist Yannick Chambre und Damian Dalla Torre und Ruth Goller aus Brixen. Die beiden letzteren geben bei „Wild Brush“ den Ton an.

Dass das Jazzweekend in diesem Jahr unter dem Motto „Respekt“ steht, erklärte Merbold mit dem fairen Umgang, den es den Musikern entgegenbringe. Auch wenn die Gage nur bei einhundert Euro pro Nase liege, biete das Fest „ein Umfeld, das Musiker zu Botschaftern werden lasse“. Der gute Ruf der Veranstaltung in Regensburg habe sich schon bis New York herumgesprochen. Dass manche Musiker sogar auf bezahlte Gigs verzichtet hätten, um am Jazzweekend teilzunehmen, beweise dessen Anziehungskraft.

Zwei Hauptacts beim Jazzweekend

  • The Sazerac Swingers: Benannt hat sich die Formation nach einem amerikanischen Cocktail, der in New Orleans erfunden wurde. Max Oestersötebier gründete die Band 2013 (Foto: Christoph Weigel). Sie hat mit ihrem Mix aus Rhythm’n’Blues, New Orleans Jazz, Swing und Calypso ihren eigenen Stil kreiert. Das neue Album „Put The Jazz Back In The Jazz“ enthält nur Eigenkompositionen.

  • Fainschmitz:

    Seit 2016 touren die vier studierten Jazz-Musiker (Foto: Arno Dejaco) mit ihrer Mischung aus Gypsy Swing, Chanson, Jazz, Pop und Punk durch Europa. Angetrieben von einer Rhythmusgitarre und einem wuchtigen Bass feiern Saxophon, Trompete und Klarinette eingängige Melodien mit ausgelassenen Soli, aus dem Megaphon erklingt krächzend der mehrsprachige Gesang.

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