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Regensburg.

Jeder Stein wurde auf die Ewigkeit ausgerichtet

Ein Gemälde aus dem Historischen Museum Regensburg hilft, Klenzes Walhalla zu verstehen.

Leo von Klenze: Salvatorkirche zu Donaustauf mit Walhalla (1839; öl auf Lw., 60 x 39) Foto: Historisches Museum

Von Marcus Spangenberg

Als am 29. Februar vor 225 Jahren mitten in der reizvollen Hügellandschaft des Vorharzes Leo von Klenze (1784-1864) zur Welt kam, ahnte niemand, dass seine Kunst zu bauen einer süddeutschen Großstadt ihr Erscheinungsbild prägen würde: Gerade das München mit den Bauten des ehemaligen Hofarchitekten unter König Ludwig I. von Bayern ist es, das bis heute zahlreiche Gäste anzieht.

Inzwischen sind jedoch unser Wissen über die kulturellen Hintergründe der Architektur und die Bezüge zur Natur und Gesellschaft weitgehend verloren gegangen. Das trifft in verstärktem Maße für die Walhalla bei Donaustauf zu, die einer Mehrheit der hier Lebenden in erster Linie als Platz abendlicher Zusammenkünfte bekannt ist und dafür geschätzt wird.

Die noch unregulierte Donau

Im Historischen Museum der Stadt Regensburg hängt ein Gemälde mit dem Titel „Salvatorkirche und Walhalla“, das uns Aufschluss über die Beweggründe gibt, einen der griechischen Tempelarchitektur entlehnten Bau an die Ausläufer des Bayerischen Waldes zu setzen. Es ist eine Art Schlüsselwerk: Inmitten einer mediterran anmutenden Landschaft erscheint im ersten Licht der aufgehenden Sonne die Walhalla. Die noch unregulierte Donau führt den Blick des Betrachters in eine weite Ferne.

Doch links im Vordergrund dominiert die Kapelle St. Salvator auf hohem Unterbau. Den realen Größenverhältnissen entspricht dies nicht. Was mag Klenze bewogen haben, der Walhalla eine mittelalterliche Kirche so stark entgegenzusetzen, und das inmitten einer so unbayerischen Landschaft? Die realen natürlichen Gegebenheiten am Bräuberg wurden nach der Architekturvorstellung Klenzes ausgesucht, d. h. sie mussten eine zum griechischen Baustil passende Wirkung erzielen können. Geringfügige Eingriffe bildeten den idealen, den mediterranen Rahmen für den „deutschen Pantheon“. Zu diesem Zweck wurden die Weinberge am Südhang durch Baumgruppen und Buschwerk ersetzt und auf der Anhöhe um die Walhalla ein Eichenhain vermischt mit Fichten und Kiefern angelegt. Die Eiche gilt nicht nur als „deutscher“, sondern auch als „griechischer“ Baum!

Das ist die einzig richtige Umgebung für diesen Tempel im antiken dorischen Stil und zugleich Ausfluss der Vorstellung des Königs, die hellenischen und germanischen Völker würden vom selben Urvolk abstammen, das vom Hindukusch über die griechische Halbinsel an der Donau entlang in den Norden vorgedrungen sein. Somit hätten die Baustile in Griechenland und an der Donau den selben Ursprung. Um diesen Gedanken zu verdeutlichen, malte Klenze optisch in die Mitte zwischen St. Salvator und der Walhalla ein bayerisches Bauernhaus, das durch seine flache Dachkonstruktion und den plastischen Dekor im Giebel auf den griechischen Tempel verweist.

Die Antike: Mutter des Mittelalters

In diese starke antik-griechische Ausrichtung schiebt Leo von Klenze im Gemälde in die gleiche perspektivische Fluchtlinie wie die Walhalla die Kapelle St. Salvator. Die Lösung lautet: Auch die mittelalterliche (gotische) Architektur wird mittels einer symbolischen Perspektive und Größenveränderung als ein Baustil gesehen, der auf die Antike zurückzuführen ist. Aus diesem Grunde betrieb Ludwig I. die Vollendung des Regensburger Doms – damit dessen Türme von der Walhalla aus zu sehen sind! Ein weiteres Klenze-Gemälde in St. Petersburg, das Gegenstück zum Regensburger „Museumsschatz“, zeigt genau diesen Blick. Es ist eine kulturell relevante Verbindungslinie, durch die ein historisches Monument des Christentums als Überlieferung antiker Baukunst herausgestellt wird. Mit dem an antiker Architektur angelehnten Bau der Walhalla wird die Wiederkehr klassischer Ewigkeit an der Donau, dem alten Wanderungsweg der Urvölker, bestätigt. Ein schöner Gedanke – nicht nur beim nächsten Besuch der Walhalla.

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