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Ausstellung

Jesus als Spiegel für Hoffnung und Not

„Jesus Reloaded“ in Regensburg zeigt an Werken von 40 Künstlern, wie sich das Christusbild in der Moderne gewandelt hat.
Von Gabriele Mayer, MZ

  • Das Blatt von Max Beckmann „Christus und Pilates“ ist eines der Werke, die in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel zu sehen ist. 2015Foto: Stiftung Christliche Kunst Wittenberg / VG Bild-Kunst Bonn
  • Ausschnitt aus „Das Schweißtuch der hl. Veronika“ von Bernhard Buffet: zu sehen in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel 2015Foto: Stiftung Christliche Kunst Wittenberg / VG Bild-Kunst Bonn
Kreuzigung von Werner Tübke: zu sehen in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel  2015
Kreuzigung von Werner Tübke: zu sehen in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel 2015Foto: Stiftung Christliche Kunst Wittenberg / VG Bild-Kunst Bonn

Regensburg.„Jesus Reloaded. Das Christusbild im 20. Jahrhundert von Chagall bis Rauschenberg“ heißt die Ausstellung in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel. Sie ist eine Übernahme aus der Sammlung der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg und wurde von deren Mitarbeitern Tom Beege und Andrea Fromm kuratiert.

Nicht alle der 40 Künstler, die hier mit Radierungen, Lithographien, Holzschnitten und einigen überzeichneten Fotos vertreten sind, haben christlich gefühlt oder gar dogmatisch gedacht. Nach Säkularisation und einem Diktum wie „Religion ist Opium für das Volk“ ist die christliche Kunst im engeren Sinn ins Abseits geraten. Dennoch haben viele namhafte Künstler gerade nach den verheerenden beiden Weltkriegen das Christusbild beschworen oder ganze Zyklen zu biblischen Themen entwickelt. Mitunter stand dahinter auch eine Infragestellung der Kirchen und ihrer Autoritäten.

Ein dicker Pfaffe und Kriegstote

„Jesus Reloaded“

  • Ausstellung

    „Jesus Reloaded– Das Christusbild im 20. und 21. Jahrhundert von Chagall bis Rauschenberg“ ist bis zum 28. Februar in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel (Bertoldstr. 9) zu sehen: Dienstag bis Sonntag (auch an Feiertagen) von 10 bis 16 Uhr. Am 24. Dezember, 25. Dezember und 31. Dezember sowie am 11. Januar ist die Ausstellung geschlossen. Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt zur Ausstellung frei.

  • Katalog

    Sämtliche Werke in der Ausstellung wurden von der Stiftung Christliche Kunst Lutherstadt Wittenberg zur Verfügung gestellt. Zur Ausstellung ist ein 179-seitiger Katalog mit vielen Abbildungen und Texten, die die ausgestellten Werke kommentieren, erhältlich. Die Ausstellung wird im Auftrag der „Städtischen Galerie von Dr. Andrea Fromm und Tom Beege, M.A., kuratiert.

  • Christusbild

    Das Christus-Bild hat sich immer wieder verändert, im gleichen Maß, in dem sich die christliche Gesellschaft und die Bildsprache der Kunst entwickelten. Jesus erscheint als fürsorglicher Hirte, als majestätischer Herrscher, als leidender Gekreuzigter und als Sinnbild für die Schönheit der Schöpfung. Die Ausstellung zeigt auf, welche Wandlungen das Christusbild vor allem auf dem Gebiet der säkularen Kunst vollzogen hat.

  • Künstler

    Die Ausstellung zeigt Werke unter anderem von Paul Gauguin, Odilon Redon, Oskar Kokoschka, Otto Dix, Max Beckmann, Marc Chagall, Willi Baumeister, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Werner Tübke, Bernhard Heisig, Robert Rauschenberg und Keith Haring. Etwa 130 Arbeiten sind in der Ausstellung zu sehen, bei den meisten handelt es sich um Druckgrafiken.

Kreuzigung von Erich Heckel: zu sehen in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel  2015
Kreuzigung von Erich Heckel: zu sehen in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel 2015Foto: Stiftung Christliche Kunst Wittenberg / VG Bild-Kunst Bonn

Eine Radierung von George Grosz etwa zeigt einen dicken, feixenden Pfaffen, der mit ausgebreiteten Armen vor dem Kreuz steht und es zur Gänze verdeckt, während unter ihm die Weltkriegstoten liegen. Bei Palle Nielsen stehen christliche Szenen für die Verfolgung von Menschen in totalitären Regimen. Der DDR-Künstler Bernd Heisig wiederum, der auch in der Schau im Leeren Beutel vertreten ist, wandte sich gegen den Missbrauch des Christusbildes für politische Zwecke.

Die Ausstellung zeigt aber zum Beispiel auch eine Reihe sehr anmutiger Radierungen von Marc Chagall zu einzelnen Bibelstellen. Eine Serie von Ott Dix demonstriert, wie der Künstler den leidenden Christus als Identifikationsfigur für sich sah.

Beuys neben dem Gekreuzigten

„Christus, von Dämonen gequält“, von James Ensor: zu sehen in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel  2015
„Christus, von Dämonen gequält“, von James Ensor: zu sehen in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel 2015Foto: Stiftung Christliche Kunst Wittenberg / VG Bild-Kunst Bonn

Christus in der Kunst des 20. Jahrhundert, das ist ein von allen verstandenes Symbol: ein universeller Ausdruck für die Leiden, die tiefen Ängste und Qualen des irdischen Menschen, der sich als einen Haltlosen, Verfolgten, Verstoßenen und Ungerechtfertigten sieht. Das Christusbild ist zugleich eine Projektionsfläche für neue Hoffnungen auf einen spirituellen Menschen, und ein Symbol, das Widerstand und den ganz irdischen Glauben an eine bessere Gesellschaft beschwören soll.

Joseph Beuys sagte, man könne den Menschen nicht ohne Christus denken. Eine Fotografie zeigt den Aktionskünstler neben einem Mann, der an ein Kreuz gebunden ist. Die Künstler der Moderne haben moderne Ausdrucksweisen und Darstellungsarten. Und das Christusbild passt sich auch in seiner Auslegung den veränderten Zeiten an, so die These der Ausstellungsmacher. Dennoch wird der Rückgriff auf die Bildsprache der christlichen Tradition immer wieder deutlich: Etwa bei Odilon Redon, dessen Bild an Renis berühmten Christuskopf erinnert, nur dass der himmelnde Blick von einem in die Welt hinausblickenden abgelöst wird. Und sogar noch in der popartigen Version eines Piktogramms von Keith Haring ist der Bezug, wenn auch nur noch sehr diffus, zu erkennen.

Die Ausstellung zeigt Werke so unterschiedlicher Künstler wie etwa Max Beckmann, Lovis Corinth, James Ensor, Paul Gauguin, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz, Édouard Manet, Arnulf Rainer, Max Slevogt, Karl Schmidt-Rottluff und Robert Rauschenberg.

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