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Schauspiel

Jetzt muss endlich wieder Sex her

Das Beziehungsstück „Sex oder Ex“ feiert am Samstag Premiere am Haidplatz.

Katharina Solzbacher und Giudo Wachter  Foto: Christina Iberl
Katharina Solzbacher und Giudo Wachter Foto: Christina Iberl

Regensburg.Was macht funktionierende Beziehungen aus? Ist es Verbundenheit? Oder Sex? Und was, wenn eine der Komponenten wegbricht? Im Theaterstück „Sex oder Ex“, das am Samstag um 19.30 Uhr im Theater am Haidplatz seine Premiere feiern wird, trifft das Publikum auf Jimmy und Jess, die seit neun Jahren ein Paar sind, seit 14 Monaten und vier Tagen allerdings keinen Sex mehr haben.

Die beiden wollen die Beziehung retten und treffen sich deshalb auf der Bühne, um entweder hier und jetzt miteinander zu schlafen oder Schluss zu machen. In dieser bizarren Situation entfaltet sich ein witziges, aber dennoch überraschend tiefgründiges Stück.

Autor Anthony Neilson gehört zu den meist gespielten Dramatikern in Großbritannien. Er ist einer der Begründer des sogenannten „in-yer-face-theatre“, einer Strömung, die in den 1990er-Jahren in Großbritannien entstanden ist und zeitgenössische Werke umfasst, die schockierende und teils vulgäre Stoffe auf die Bühne bringen. Dabei werden die Zuschauer direkt von der Bühne aus angesprochen, bekommen die Angelegenheiten „ins Gesicht“ geschleudert, ohne sich dem Thema entziehen zu können.

Neilson selbst wehrt sich gegen den Begriff, weil er sein Publikum nicht abschrecken, sondern durch intelligente Unterhaltung einbinden möchte. Diese Verbindung aus gutem Entertainment, subtil eingewebten gesellschaftlichen Tendenzen und überraschend nachdenklichen Ebenen war es, die den Regensburger Schauspieldirektor Klaus Kusenberg dazu bewogen hat, sich um die deutschsprachige Erstaufführung zu bemühen.

Vor wenigen Wochen erst feierte er mit „Oslo“ einen umjubelten Spielzeitauftakt. Im Velodrom verkörperten 14 Schauspieler 21 Rollen – im Haidplatz sind es zwar nur zwei Schauspieler, seine Aufregung vor der öffentlichen Probe am vergangenen Samstag war aber nicht minder groß – konnte er doch überhaupt nicht einschätzen, wie das Publikum auf die direkte Ansprache reagieren würde. Große Erleichterung brach sich Bahn, weil das Interesse immens war, viel gelacht wurde und eine Welle der Empathie auf die Bühne schwappte.

Bühnen- und Kostümbildner Michael Lindner hat auf der Studiobühne einen herzförmigen Pool eingebaut. Dahinter liegt ein verspiegeltes Halbrund, alles garniert mit den typischen Wellness-Utensilien.

Was wir aus dem Stück lernen? Dramaturgin Saskia Zinsser-Krys: „Das Stück wirft die Frage auf, was uns mit anderen Menschen verbindet und zeigt, welche Verunsicherung die ‚me too‘-Debatte in den Beziehungsalltag brachte. Außerdem lernen wir, dass Kommunikation zwar wichtig ist, man manchmal aber auch einfach zur Tat schreiten muss.“

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