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Jüdisches Museum Berlin plant neue Dauerschau

Millionen Menschen haben in den vergangenen 15 Jahren das Jüdische Museum Berlin besucht. Die Ausstellung war allerdings in die Jahre gekommen. Jetzt werden Einzelheiten der neuen Dauerschau bekannt.
Von Esteban Engel, dpa

Berlins Jüdisches Museum stellt sich neu auf. Foto: Bernd von Jutrczenka
Berlins Jüdisches Museum stellt sich neu auf. Foto: Bernd von Jutrczenka

Berlin.Geborstener Davidstern, Stadtgrundriss, Labyrinth - Berlins Jüdisches Museum gibt Rätsel auf. Der Zickzack-Bau von Daniel Libeskind ist eines der beliebtesten Ausstellungshäuser in Deutschland - nicht nur als Architektur-Sehenswürdigkeit.

Die Schau zu 2000 Jahre deutsch-jüdische Geschichte haben mehr als elf Millionen Menschen gesehen. Jetzt zeichnen sich die Umrisse der neuen Dauerschau ab, die Ende 2019 die bisherige Ausstellung ersetzen wird.

Mehr Religion, mehr Multimedia, eine elegante Besucherführung - so ließe sich das Aufgabenprofil von Museumsdirektor Peter Schäfer umreißen. Der Judaistik-Professor, seit vier Jahren im Amt, arbeitet mit einem Team von Fachleuten und Designern zusammen. „Ganz schwindelig“ könne einem dabei werden, sagt Schäfer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Für das Projekt kommen 22 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt.

Schäfer, der vor vier Jahren von der US-Universität Princeton nach Berlin wechselte, wird das Museum bis weit in das 21. Jahrhundert prägen. Die erste Dauerausstellung war nach 15 Jahren Ende 2017 geschlossen worden. „Rein rechnerisch waren wir fällig.“ In der Museumswelt hat sich tatsächlich viel getan. „Damals waren wir bei den Präsentationsmöglichkeiten Spitze.“ Doch die Bedürfnisse haben sich gewandelt: Rundgänge für diverse Interessensgruppen, Barrierefreiheit, neue Technik - „da geht viel mehr.“

Schäfer, einer der weltweit führenden Experten für das frühe Judentum, will der Religion mehr Platz einräumen. Gleich zu Beginn werde das Wort stehen in Gestalt der Tora, die die heiligen Schriften der Juden versammelt. „Das ist der Paukenschlag.“ Nach der Tempelzerstörung 70 n. Chr. durch die Römer sei die Tora Kern des Judentums geworden.

Die Ausstellungsmacher müssen sich dabei mit dem Gebäude arrangieren. Schäfer: „Wir können und wollen den Libeskind-Bau nicht verändern.“ Die Achse des Exils, der Holocaust-Turm und der Garten des Exils, die der polnisch-amerikanische Architekt konzipiert hat, bleiben bestehen. Dann führt die Treppe nach oben - die Achse der Kontinuität. „Natürlich ist die Shoa ein entscheidender Punkt, aber die Zeit nach 1945 soll einen viel größeren Akzent bekommen“, sagt Schäfer.

Mit List lässt sich der verwinkelte Betonbau bespielen - etwa die steile Treppe in die Obergeschosse. „Diese riesige Treppe ist nicht besonders besucherfreundlich. „Wenn Sie aber oben ankommen, sind Sie außer Atem. Es gibt zwar einem Aufzug, aber den findet niemand“, bemerkt der Museumsdirektor. Künftig sollen die Besucher hier optisch verführt werden. Technisch aufwendig werden im Treppenhaus lateinische und hebräische Buchstaben signalisieren: Denen sollst Du folgen. Oben formieren sie sich dann zu Namen wichtiger Orte des mitteleuropäischen Judentums.

Überhaupt soll Bewegung eine besondere Rolle spielen. Ein in der Zeit geronnenes, statisches Judentum hat es Schäfer zufolge nie gegeben. „Das Judentum war immer auch Teil der umgebenden Weltkultur und hat dadurch viele Einflüsse aufgenommen und andere abgestoßen. Im Fall des aschkenasischen Judentums war das vor allem das Christentum.“

Auch bemüht sich Schäfer um neue Dauerleihgaben. Zugesagt wurde bereits ein spektakuläres Stück: eine Anfang der 90er Jahre im verschütteten Bunker von Hermann Görings Landsitz „Carinhall“ entdeckte Skulptur. Die Staue „Amitié au cœur“ des Bildhauers Etienne-Maurice Falconet hatten die Nazis von der Familie Rothschild geraubt. Sie wurde 1994 in das Landesdenkmalamt Brandenburg gebracht, die Identifizierung gelang im Jahr 2016. Im Mai 2018 wurde sie dem Museum als Dauerleihgabe der Bundesrepublik überlassen.

Und das Museum will in Zukunft stärker auf die Aktualität reagieren. Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch wird im Eingang eigens eine Vitrine einrichten. Da wird von diesem Donnerstag an eine inzwischen berühmte Kippa ausgestellt. Getragen hatte die Kopfbedeckung ein junger Israeli, der Mitte April in Berlin von einem Syrer angegriffen worden war. Der Fall hatte eine Debatte über Antisemitismus von Flüchtlingen ausgelöst. Zu solchen aktuellen Fragen will das Museum in Zukunft mit eigenen Ausstellungsstücken öfter Position beziehen.

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