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Kultur
Mittwoch, 20. Juni 2018 30° 3

Theater

Junges Theater spielt mit allen Sinnen

Das Besondere: Es sind Kinder ab acht Jahren, die einen Stoff gewählt haben, der nicht leicht auf die Bühne zu bringen ist.
Von Sebastian Wintermeier

Regensburg.„Sehen, Fühlen oder Schmecken, das musst du jetzt ganz schnell checken!“, lautete das Motto am Freitagabend im Jungen Theater am Bismarckplatz.

Als die zahlreichen Besucher sich einen Platz auf der Zuschauertribüne suchen, stehen bereits etwa ein Dutzend junge Schauspieler regungslos auf der Bühne. Einer hält die Hand an die Augen, eine andere an die Nase, ein weiterer hält seinen Fuß fest. Das Besondere an den Darstellern und am Stück: Es sind alles Kinder ab acht Jahren und haben sich mit den menschlichen Sinnen einen Stoff ausgesucht, der gar nicht so leicht auf die Bühne zu bringen ist. Für ihre hervorragende Aufführung haben die Kinder jede Menge Applaus bekommen. Denn mit viel darstellerischem Talent zeigten sie dem begeisterten Publikum anhand von Tanz, Bewegung und selbst geschriebenen Texte, was die Sinne eigentlich so können.

In einer Szene wird mit großen Buchstaben „Sehen“ auf den Bühnenboden projiziert und die Kinder rufen im Chor: „Ich sehe was, was Du nicht siehst, und das ist...?“ Ein Kind antwortet: „Blau! Der Himmel, das Meer und meine Hose.“ Dann alle wieder im Chor: „Ich sehe was, was Du nicht siehst und das ist...?“ Ein anderes Kind antwortet nachdenklich: „Ich sehe etwas nicht, aber das bedeutet ja, dass ich blind bin.“

Mit „Macht das Sinn?“ zeigt sich das Theater einmal mehr als Lernplattform, auf der die Kinder und ihre Zuschauer den eigenen Horizont erweitern können. Denn mit ihrer Darstellung reflektieren die Kinder das Thema Sinne umfassend und stellen dabei auch die wichtige Frage, wie das ist, wenn beim Menschen einer der Sinne fehlt.

In mehreren Monaten haben die Kinder das Stück unter der Anleitung von Agnes Gerstenberg selbst entwickelt und geprobt. „Die Zusammenarbeit mit den Kindern war toll, weil sie zum Thema Sinne ganz unmittelbare Assoziationen haben. Beim Schmecken ging es ganz schnell um Süßigkeiten.“ Die Wirkungen der Produktion gingen aber weit über die Darstellung auf der Bühne hinaus, erzählt die Theaterpädagogin. Denn die gemeinsame Stückentwicklung habe vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl der Kinder gestärkt. Dazu hat sicher auch Gerstenbergs Arbeitsweise beigetragen: „Jeder Einzelne ist wichtig. Ich versuche, die Kinder gleichberechtigt in das Stück zu integrieren, so dass sie das Gefühl haben wir sind eine Gruppe und wir können etwas schaffen.“

Die Kinder haben bei der Entwicklung des Stücks Verantwortung übernommen und gemeinsam ihre Ideen eingebracht.

„Wir mussten am Schluss ein bisschen improvisieren und hatten zusammen die Idee, das Meer mit allen Kindern darzustellen“, erzählt die elfjährige Anika Steinhauer nach der Vorstellung. Auch die neunjährige Maja Hyronimus freute sich am Premierenabend: „Ich mag sehr gerne Schauspielen, vielleicht werde ich später auf der Bühne stehen.“

Danach ging es für die kleinen Schauspieler – wie bei einer Premiere üblich – zum Anstoßen auf die Premierenfeier.

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