MyMz

Konzert

Kaleidoskop wechselnder Motivsplitter

Der israelisch-palästinensischen Pianist Saleem Ashkar brilliert als „zweite Wahl“ bei seinem Auftritt in Regensburg.
Von Gerhard Dietel

Künstler eigenen Ranges: Saleem Ashkar Foto: Peter Rigaud
Künstler eigenen Ranges: Saleem Ashkar Foto: Peter Rigaud

Regensburg.Nicht zu beneiden war Dietrich Scheible, der Vorsitzende des Regensburger Musikvereins, als der Pianist Piotr Anderszewski vier Tage vor seinem geplanten Regensburger Konzertauftritt krankheitsbedingt absagte. Trotz der Kürze der Zeit gelang es ihm jedoch, mit Agentur-Hilfe für Ersatz zu sorgen: in Gestalt des israelisch-palästinensischen Pianisten Saleem Ashkar.

Ersatz? Das sollte nicht mit dem falschen Akzent der „zweiten Wahl“ gelesen werden. Denn Saleem Ashkar ist ein Künstler eigenen Ranges, wie bei seinem Auftritt im Vielberth-Gebäude der Universität hörbar wurde, wo die Stuhlreihen bis zum letzten Platz gefüllt waren: trotz oder wegen des Künstler- und Programmwechsels?

Hymnischer Ton

Saleem Ashkar geht der Ruf eines Beethoven-Experten voraus, und zwei von dessen Sonaten präsentierte er denn auch dem Musikvereins-Publikum. Schlüssig zeigte der Künstler im frühen f-Moll-Werk op. 2/1, wie Beethovens Musiksprache ihren Ausgang von Haydn und Mozart nimmt und doch schon das eigene Profil sucht.

Hinter den Rokoko-Schnörkeln des „Adagio“ beginnt ein hymnischer Ton aufzuleuchten, das Finale entwickelt eine zupackende Dramatik, die bereits auf die Wildheit der späteren „Appassionata“ verweist. Nicht ganz so zwingend gelang Ashkar zuvor die Interpretation von Beethovens „Waldstein“-Sonate op. 53. Unscharf blieb der Beginn, als müsse sich die Musik erst metrisch festigen, und auch in der Folge wollte sich, bei aller Bewältigung technischer Herausforderungen, der große Spannungsbogen nicht einstellen.

Dissonantere Klänge

Begonnen hatte der Abend mit einem 1960 uraufgeführten „Prelude“ des ungarisch-israelischen Komponisten Ödön Partos, einem Stück, das in seiner geistigen Haltung wohl in die Romantik zurückreicht, doch mit neueren, dissonanteren Klängen arbeitet. Als Kaleidoskop wechselnder Motivsplitter erstand unter Saleem Ashkars Händen dieses „Prelude“: im Wechsel von pathetischen Unisonogängen und schnell wirbelnden Figuren, raffiniert im Kontrastieren der hohen und tiefen Registerlagen des Flügels.

Mit einem Chopin-Block endete das offizielle Programm. Überwiegend zart schattierte, sanftes Dämmerlicht verbreitende Nocturne-Kunst ließ Ashkar zunächst ertönen, bevor er sich Chopins f-Moll-Ballade zuwandte: im sanften Märchenton des „Es war einmal“ beginnend, allmählich drängender werdend, und schließlich, nach einem kurzen Moment scheinbarer Ermattung, zu einem wahren Furor gesteigert, mit dem sein Regensburger Auftritt fulminant endete.

Weitere Kultumeldungen finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht