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Karl Marx wird 200: Trier feiert seinen Weltrevolutionär

Weltrevolutionäre werden in Deutschland selten gefeiert. Es gibt ja nur wenige. Deswegen ist der 200. Geburtstag von Karl Marx in seiner Heimatstadt Trier etwas ganz Besonderes. Viele prominente Gäste kommen - zur Marx-Party am 5. Mai.
Von Birgit Reichert, dpa

Am 5. Mai wird die Riesen-Marx-Statue in Trier vollkommen enthüllt werden. Foto: Harald Tittel
Am 5. Mai wird die Riesen-Marx-Statue in Trier vollkommen enthüllt werden. Foto: Harald Tittel

Trier.Verehrung und Hass reichen weit über den Tod hinaus. Karl Marx, der als geistiger Vater des Kommunismus gilt, bleibt auch zu seinem 200. Geburtstag am 5. Mai umstritten.

In seiner Heimatstadt Trier, wo Marx die ersten 17 Jahre seines Lebens verbrachte, wird der Denker jetzt groß gefeiert. Unter anderem soll eine Riesen-Marx-Statue enthüllt werden, die die Volksrepublik China der Moselstadt geschenkt hat. Klar ist: Wenn das rote Tuch vom insgesamt 5,50 Meter hohen Bronze-Marx gezogen wird, wird auch Kritik und Protest hörbar sein.

Zum Festakt werden rund 200 Ehrengäste erwartet - von SPD-Chefin Andrea Nahles über die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bis zum Vizeminister des Informationsbüros des Staatsrates der Volksrepublik China, Guo Weimin - plus gut 1000 Trierer. Auch zum anschließenden Bürgerfest.

Im barocken Geburtshaus von Marx, mittlerweile eine Museum, wird eine neue Dauerausstellung über Marx und die Wirkung seiner Ideen bis heute eröffnet. Nahles hält die Festrede. Zum 150. Geburtstag 1968 hatte Willy Brandt das gemacht - damals stritten vor allem Sozialdemokraten, Studentenbewegung und regierende Kommunisten aus der DDR und UdSSR in Trier erbittert um die richtige Marx-Deutung.

Auch zum 200. ist die Geburtstagsparty prominent besetzt: TV-Moderator Günther Jauch liest die Geburtsurkunde von Marx vor - ist er doch der Ururururenkel von Emmerich Grach, der 1818 als zweiter Bürgermeister von Trier die Urkunde unterschrieb. Mit dabei ist auch Schauspieler Mario Adorf, der gerade die Marx-Hauptrolle im Dokudrama „Karl Marx - der deutsche Prophet“ übernommen hatte - und der beim Festakt in Trier Gedichte von Marx rezitieren wird. Angesagt haben sich auch etliche Marx-Nachfahren, verrät Museumsleiterin Elisabeth Neu. Darunter die Ururenkelinnen Frédérique und Anne Longuet-Marx. „Es wird ein Familienfest.“

Nicht alle sehen im runden Geburtstag einen Grund zu feiern. Schließlich seien im Namen von Marx in kommunistische Diktaturen unzählige Verbrechen verübt worden, sagt unter anderem die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft. Für den Tag haben sich mehrere Mahnwachen - auch gegen Opfer in China - angekündigt. Ein Protestierer will in einen Hungerstreik treten. Und die AfD hat einen Schweigemarsch durch die Innenstadt angemeldet. Die Linke und die kommunistische DKP wollen als Marx-Bündnis auch demonstrieren - für Marx. Die Polizei kündigt Präsenz mit einem Großaufgebot an.

Der SPD-Bundesvorstand macht noch eine eigene Gedenkveranstaltung mit 500 geladenen Gästen im Theater. Und am Abend wird Linken-Politiker Gregor Gysi an der Uni Trier das Audimax füllen. Bereits am heutigen Freitag wird mit einem Festakt eine große, gut fünf Millionen Euro teure, rheinland-pfälzische Landesausstellung „Karl Marx 1818-1883. Leben. Werk. Zeit.“ eröffnet. In zwei Museen sind rund 400 Exponate aus ganz Europa zusammengetragen worden - nach Angaben der Macher ist es die erste kulturhistorische Ausstellung zu Marx überhaupt. Die Festrede hält EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Wie groß die Marx-Statue sein sollte, wo sie stehen sollte und ob sie sich Trier von China schenken lassen sollte - darüber ist in der Stadt zuvor heftig gestritten worden. Das Jawort für den Mega-Marx kam dann vom Stadtrat - mit dem Tenor: Karl Marx habe Weltgeschichte geschrieben und sei der bekannteste Trierer. Das Denkmal bedeute keineswegs eine Glorifizierung. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD): „Wir machen keine Weltpolitik. Wir wollen Marx in die Stadt reinholen.“ Diskussionen über Marx seien erwünscht: „Wir wollen ja die Auseinandersetzung.“

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