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Uraufführung

Katholisches Welttheater

Bernhard Setzweins Theaterstück „Resl unser“ stieß beim Landestheater Oberpfalz in Weiden auf ein begeistertes Publikum.
Von Florian Sendtner

„Dann können wir mit unserer Theologie einpacken“: Bischof Henle (Stefan Puhane) und Domkapitular Höcht (Herbert Kreuzer) Foto: Jochen Schwab
„Dann können wir mit unserer Theologie einpacken“: Bischof Henle (Stefan Puhane) und Domkapitular Höcht (Herbert Kreuzer) Foto: Jochen Schwab

Weiden.„Magèra aisebua gannaba“ – ist das Aramäisch oder Oberpfälzisch? Die Frage wird heiß diskutiert in Konnersreuth, denn die drei Wörter stammen aus dem heiligmäßigen Mund der Therese Neumann, die jeden Freitag in Trance die Passion ihres Herrn Jesus durchleidet, wobei ihre Wundmale bluten, selbst aus den Augen fließt Blut. Und dann spricht sie unverständliche Worte. Naja, oberpfälzisch halt, sagen die Spötter. Reinstes Aramäisch, entgegnen ihre Verehrer, Jesus hat genau diese Worte benutzt.

Bernhard Setzwein hat die Resl von Konnersreuth auf die Bühne gebracht, und bei der Uraufführung in der Regionalbibliothek Weiden ist von der ersten Szene an klar: „Resl unser“ hält sich eng an die historisch verbürgten Tatsachen – und setzt sich gleichzeitig spielerisch über die seit bald hundert Jahren verhärteten Fronten – hier Gläubige, dort Skeptiker – hinweg. Das Stück ist ein zweieinhalbstündiger Tauchgang in die Zeitgeschichte der vergangenen hundert Jahre mit besonderer Berücksichtigung der oberpfälzisch-tschechischen Grenzregion. Und dabei gibt es, man glaubt es kaum, viel zu lachen. Natürlich keine Schenkelklopfer-Gags, Setzweins Markenzeichen ist der feinsinnige Humor.

Da ist der Konnersreuther Pfarrer Joseph Naber (rundum authentisch: Christian Höllerer), der mit seiner Haushälterin Ottilie (eine ehrliche Haut, die ein wunderbares Oberpfälzisch auf die Bühne bringt: Sonja Hammer-Kölbl) ein wichtiger Stützpfeiler des Resl-Rummels ist, nicht zuletzt, weil sie eine Schwester der Stigmatisierten ist. Die beiden reden so routiniert aneinander vorbei, wie das nur Ehepaare im fortgeschrittenen Stadium können; wunderbar stimmige Szenen, die aus Heinrich Lautensacks „Pfarrhauskomödie“ von 1911 sein könnten.

Skeptischer Bischof

Da ist Franz Anton von Henle, der Bischof von Regensburg (zutiefst verzweifelt: Stefan Puhane), der im Gegensatz zu seinem Domkapitular Johann Baptist Höcht (ein geschmeidiger Diener seines Herrn: Herbert Kreuzer) der ganzen Sache mehr als skeptisch gegenübersteht. Und da ist vor allem der Regisseur Max Reinhardt, der mit seiner Assistentin Gusti Adler aus Berlin gekommen ist, um mit dem eigens aus Hollywood angereisten Filmstar Lillian Gish einen Film über die Resl zu drehen. Dieses Filmprojekt gab es wirklich, 1927, es scheiterte am Aufkommen des Tonfilms, der das Konzept zur Makulatur machte. Setzwein aber nutzt diese historische Begebenheit nach allen Regeln der Kunst, um das ganze Theater um diese fromme Frau vorzuführen, ohne Therese Neumann selbst auf die Bühne zu bringen.

Ein Theaterstück über die Resl von Konnersreuth ohne die Resl von Konnersreuth? Ganz genau, und nur so haut das hin, wie Setzwein in einem Interview mit dem BR erklärt: „Sie selber zeichnet sich dann ab wie so eine ausgeschnittene Figur, die selber fehlt, aber die dadurch deutlich wird.“ Das ist dem Chamer Schriftsteller wunderbar gelungen, auch die asketisch-strenge Inszenierung von Till Rickelt überzeugt. Da schwärmt Max Reinhardt (ganz und gar seiner Kunst ergeben: Uli Scherr) von der „autosuggestiven Kraft des Schauspielers, die tatsächlich auch äußere körperliche Veränderungen hervorzubringen vermag“, und Lillian Gish, der große Hollywoodstar (der leibhaftige Glamour: Doris Hofmann), entpuppt sich auf einmal als weniger gebildet als Therese Neumann.

Aufführungen

  • Termine:

    „Resl unser – Das Stück vom Film zum Fall des Konnersreuther Mirakels“ von Bernhard Setzwein ist noch am Samstag, 16. 3. zu sehen, außerdem von Donnerstag, 21. 3. bis einschließlich Sonntag, 24. 3. jeweils um 20 Uhr in der Regionalbibliothek Weiden.

  • Produktion:

    Die Uraufführung ist eine Produktion des 2010 gegründeten Landestheaters Oberpfalz unter der Leitung von Till Rickelt.

Hollywoodstar eine Analphabetin

Die hat wenigstens die Volksschule absolviert, Gish dagegen hat nie eine Schule von innen gesehen, sie ist Analphabetin und hat nicht zuletzt deshalb Angst vor dem Tonfilm: Sie kann kein Drehbuch lesen.

Reinhardts Assistentin Gusti Adler dagegen (unerschütterlich: Claudia Lohmann) steht mit beiden Beinen auf dem emanzipatorischen Boden der zwanziger Jahre, schwärmt von der Berliner Luft und rümpft die Nase angesichts des Kuhstallgeruchs in Konnersreuth. Doch dieser emanzipatorische Boden, er schwankt, nicht nur im fernen Berlin, auch in Konnersreuth. Oder sind Hitlers antisemitische Tiraden auch nur Theater? Max Reinhardt macht sich keine Illusionen. Gegen diesen Hitler hilft kein oberpfälzisches Aramäisch.

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