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Kammermusik

Kaum zu überbietende Klangkultur

Das Mandelring Quartett bewies seine ganze Klasse im ausverkauften H24. Der Publikumsansturm war gewaltig.
Von Andreas Meixner

Das Mandelring Quartett begeisterte die Zuhörer. Foto: Uwe Arens
Das Mandelring Quartett begeisterte die Zuhörer. Foto: Uwe Arens

Regensburg.Derzeit reichen sich die Spitzenensembles der Kammermusik beim Musikverein Regensburg die Klinke in die Hand. Noch sind die Sinne vom betörenden Konzert des Belcea Quartetts Anfang Dezember in Wallung, da lässt das gefeierte Mandelring Quartett den H24-Saal des Vielberth-Gebäudes an der Universität aus allen Nähten platzen. Stühle müssen noch hereingebracht werden, um dem riesigen Publikumsansturm Herr zu werden, einigen bleibt nur ein Stehplatz am Rande. An diesem Abend zumindest muss man sich um die Zukunft der Kammermusik keine Sorgen machen.

Den Versuch, die Darbietung des Mandelring Quartetts nebst Gastpartner Roland Glassl an der Viola kritisch zu beäugen, kann man sich hinsichtlich der überragenden Technik, kaum zu überbietender Klangkultur und ausgefeilter Interpretation getrost sparen. Da ist einerseits nichts dem Zufall überlassen, andererseits wird der Zuhörer das Gefühl nie los, dass auch immer genug Raum für den Moment, für Neues und Spontanes bleibt. Der Eindruck kann im intensiven, schwermütigen Streichquartett Nr. 8 von Dmitri Schostakowitsch entstehen, in den langsamen Sätzen lässt man sich scheinbar noch mehr Zeit für den langen Atem der Musik, für die Zelebration der großen Linien, die der Komponist unter dem Eindruck der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 binnen dreier Tage aufs Papier brachte.

Ensemblemitglied Sebastian Schmidt hatte wohl Sorge, dass sich das vorangestellte Streichquintett in B-Dur von Mendelssohn nicht ganz mit der Klangwelt von Schostakowitsch verträgt. Seine kurze Einführung als Brückenschlag wäre aber gar nicht notwendig gewesen, denn die Gegensätzlichkeit war alleine durch die hohe Güte der Kompositionen aufgehoben, sie korrespondierten bestens miteinander, aus verschiedenen Epochen. Mendelssohns Streichquintett ist in seiner Gesamtwirkung ein Ohrenschmeichler ausgereiftester lyrischer Satzkunst, in der Quintettbesetzung fast schon von orchestraler Gestalt.

Auch wenn die Musiker immer auch herzhaft zupacken können, sind ihnen Schroffheiten zugunsten einer unnötigen Anschärfung der Mendelssohn’schen Romantik fremd, sie lassen seine Musik edel schwelgen. Noch weitaus mehr musikalische Landschaften verlangt Brahms in seinem Spätwerk Opus 111. Das Streichquintett in G-Dur wird erwartungsgemäß zum Feuerwerk hochromantischer, exaltierter Kammermusik, die Schlusscoda zum feurigen Fingerabdruck einer souveränen und bis ins Kleinste wohl abgeschmeckten Interpretation, perfekt in der Anmutung, makelos in der technischen Ausführung. Besser sind die drei Werke kaum zu spielen.

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