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Unterhaltung

Kein Meter bis zur Helene Fischer

Wer bei einer Fernsehshow im Studio ist, kommt den Stars ganz nahe. Textunsicheren hilft eine LED-Wand beim Singen.
Von Martin Kellermeier

Weißes Kleid mit hohem Beinausschnitt: Helene Fischer zeigte am Samstagabend viel Haut. Foto: Benjamin Franz
Weißes Kleid mit hohem Beinausschnitt: Helene Fischer zeigte am Samstagabend viel Haut. Foto: Benjamin Franz

München.Die Feuerfontänen flackern, die Windmaschine am Bühnenrand läuft auf Maximal-Leistung und weht durchs blonde Haar, ein Glitzerregen von der Hallendecke – und mittendrin Helene Fischer. Herrlich. Es ist kurz nach 23 Uhr am Samstagabend, als die Queen des deutschen Schlagers mit ihrem weißen Kleid mit hohem Beinausschnitt auf der Bühne steht und die ARD-Live-Sendung „Heimlich! Die große Schlager-Überraschung“ zu ihren eigenen Fernsehfestspielen macht – auch in Sachen Sex-Appeal. Flotter Hüftschwung hier, verspielter Kamerablick, der wohl unzählige Männerherzen vor den Fernsehern dahinschmelzen lässt, dort. Ach, Helene...

Im Studio 12 der Bavariafilmstadt in München-Grünwald sieht es nicht anders aus. Alle haben Helene fixiert. 1400 Zuschauer sind es in der Halle. Alles Stehplätze. Das Getränkeangebot ist beschränkt. Es gibt Wasser, Spezi und Bier – letzteres für drei Euro.

Eng haben sich die Fans an den Bühnenrand gedrängt. Die Stars, die sie sonst nur im Fernsehen sehen, stehen nun auf einmal vor ihnen. Wer ganz vorne steht, hört jeden Schritt auf dem schwarzen Bühnenboden und spürt, wenn die Tänzer bei ihren Choreographien die Luft aufwirbeln. Das Konfetti, das sonst nur für schöne Fernsehbilder sorgt, landet jetzt wirklich in den Haaren und die Feuerfontänen heizen mit jedem Stoß das ohnehin warme Studio weiter auf.

Eine Party ohne die Hymne „Atemlos“

Helene Fischer performte bei der Sendung „Heimlich! Die große Schlagerüberraschung“. Foto: Benjamin Franz
Helene Fischer performte bei der Sendung „Heimlich! Die große Schlagerüberraschung“. Foto: Benjamin Franz

Helene Fischer läuft derweil zur Höchstform auf. Dass auf derselben Bühne kurz zuvor noch Stars wie Roland Kaiser, Bernhard Brink oder Lena Valaitis performt haben – vergessen. Es ist Partyzeit. „Die Hölle morgen früh“ ist Helene egal. Sie singt vom „Phänomen“ und ein „Und morgen früh küss ich dich wach“ schallt auch noch durchs Studio. Nur ihr Megasong „Atemlos“ fehlt an diesem Abend. Die Party steigt trotzdem: elektrische Beats, viel Bass und gigantische Lichteffekte. Die Zuschauer fühlen sich wie in einer Disko – nur, dass hier eben nicht David Guetta läuft. Und wie sie tanzen und mit ihren Klatschstangen einen Höllenlärm veranstalten. Bei über drei Stunden Live-Sendung ist das ein richtiger Workout für die Zuschauer im Studio. Laut mitgesungen wird auch. Wer den Text nicht kann, schaut einfach auf die LED-Wand. Das ist fast wie Karaoke. Wenn man falsch singt, hört das eh keiner. Der Zuschauerchor ist dafür zu groß. Grölen erlaubt.

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Die dutzenden Fernsehkameras der ARD fangen alles ein. Manche sind ständig auf die Zuschauer gerichtet, die meisten haben gerade die Fischer im Bild – selbst über dem Kopf der Schlagerqueen schwebt eine. Wenn die runterfällt... So viel Aufmerksamkeit hat an diesem Abend – wenn überhaupt – nur noch einer bekommen. Helenes Freund, der Floriiii. So rufen ihn die Fans am Bühnenrand immer und betonen extralang das „i“ im Vornamen des Silbereisens. Nur wenn Helene Fischer performt, hat selbst der Showmaster des Abends Sendepause.

Für ihren zweiten Auftritt bei der Show wechselte Helene Fischer das Outfit. Foto: Benjamin Franz
Für ihren zweiten Auftritt bei der Show wechselte Helene Fischer das Outfit. Foto: Benjamin Franz

Außer wenn die Fischer mit dem Singen fertig ist. Dann kommt der Flori auf die Bühne und hat eine Packung Zuschauerfragen für seine Freundin dabei. Zuvor gibt’s aber einen Kuss. Erneut herrlich – auch für die Fotografen. Nach mehreren krankheitsbedingten Konzertabsagen wollen die Fans vor allem wissen, ob ihr Idol wieder fit ist. „Ich glaub schon, man sieht es mir ja auch an“, sagt Helene, strahlt und verrät auch, dass sich ihr Flori gut um sie gekümmert hat. Und dann will noch ein Zuschauer wissen, ob Helene bei einem Konzert in Mannheim tatsächlich eine Mass Bier in wenigen Sekunden geext hat oder ob es da einen Trick gab. Das war kein Fake, versichert Helene: „Mir schmeckt’s einfach!“

„Weißt, wie mein Herz macht: Bum, bum, bum, bum“

Semino Rossi, Sänger

Nicht nur Bier kann Helene scheinbar in Windeseile trinken, auch Überraschungen gelingen ihr. Produzent Jean Frankfurter, aus dessen Feder viele der Songs von Helene Fischer sind, feierte am Samstagabend seinen 70. Geburtstag. Fischer wollte ihn überraschen. Gut, dass sie den Flori hat und der die Schlagersendung moderiert. So wurde kurzerhand Jean Frankfurter per Shuttle zum Fernsehstudio gefahren und auf die Bühne gelotst. Da steht Helene, grinst und besingt ihn mit einem Hit-Medley. „Du bist ein wahres Phänomen“, sagt sie zu Frankfurter. Wieder verteilt sie ein Küsschen – dieses Mal aber nur auf die Backe. Das war auch die große Überraschung des Abends und der Grund, warum die Sendung den Titel „Heimlich“ trug. Manche Zuschauer im Studio waren enttäuscht. „Ich hätte ja gemeint, dass Flori ganz heimlich einen Heiratsantrag an seine Helene vorbereitet hat“, sagt Sarah aus Augsburg.

Semino Rossi ist außer Atem

Schmusesänger Semino Rossi wollte mehr Power auf der Bühne geben. Foto: Benjamin Franz
Schmusesänger Semino Rossi wollte mehr Power auf der Bühne geben. Foto: Benjamin Franz

Unter den Stars am Samstagabend war auch Semino Rossi. Der Schmusesänger will laut Silbereisen in diesem Jahr „noch mehr Power“ auf der Bühne geben und sich bei seinen Songs stärker bewegen. Silbereisens Team überlässt nichts dem Zufall und verpasst dem Sänger einen Schrittzähler. Playback ab, Semino singt – und tanzt.

Nein. Er singt und schafft es einmal vom einen Bühnenende zum anderen, inklusive Bühnentreppe. Fast ironisch klingt da Silbereisens Frage nach dem Auftritt: „Semino, hast du noch Luft?“ Der antwortet schnell: „Weißt, wie mein Herz macht: Bum, bum, bum, bum.“ Der Schrittzähler war übrigens ausgeschaltet.

Viele Eindrücke von der Schlagersendung in München sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Viele Musikstars bei Silbereisens Schlagersendung

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