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Kultur
Mittwoch, 15. August 2018 27° 6

Musik-Tipp

Keine Nervensäge

Die Geigerin Sudan Archives interpretiert ihr Instrument alles andere als klassisch. „Sink“ ist fabelhafter Indie-Pop.
Von Angelika Sauerer

Sudan Archives heißt bürgerlich Brittney Denise Parks. Foto: Jack McKain
Sudan Archives heißt bürgerlich Brittney Denise Parks. Foto: Jack McKain

Als Brittney Denise Parks (23) aus Cincinnati/Ohio mit dem Geigenspiel begann, hielten die anderen Kinder im Orchester sie vermutlich für eine Nervensäge. Brittney erntete eher Spott als Lorbeeren: Sie konnte keine Noten lesen und zupfte, klopfte, trommelte lieber auf ihrem Instrument herum als zu fiedeln. Vielleicht war es gut, dass kein Geld da war, um ihr Talent zu fördern, denn so machte sie auf eigene Faust weiter, erschloss sich als Autodidaktin Bach ebenso wie irischen Folk, die Klänge ihrer sudanesischen Wurzeln – und nicht zuletzt die Grooves in den Clubs. Alles floss in ihre unkonventionelle Art zu spielen, zu sampeln, zu singen, ein. „Sink“ ist ihre zweite EP, die unter ihrem Pseudonym Sudan Archives erscheint. Darauf ist ihre samtsoulige Stimme ein ebenso großes Erlebnis wie ihr Umgang mit der Geige.

„Sink“ ist für 4 Euro als MP3 bei Stones Throw Records erschienen und kommt ab 22. Juni für 11 Euro auf Vinyl heraus.
„Sink“ ist für 4 Euro als MP3 bei Stones Throw Records erschienen und kommt ab 22. Juni für 11 Euro auf Vinyl heraus.

Vor allem die afrikanische Interpretation der Violine inspirierte die Künstlerin. „Dort spielt man sie ganz anders als zum Beispiel in der klassischen Musik. Mich sprach dieser Style sehr viel mehr an, und ich sagte mir: ‚Vielleicht kann ich das sogar mit elektronischer Musik kombinieren‘“, sagt die 23-Jährige. „Es war auch gar nicht so schwer: Ich habe dazu einfach den Gesang direkt mit dem iPad aufgenommen.“ Mit 19 zog sie nach Los Angeles, um dort Musiktechnologie zu studieren. Zufällig lernte sie auf einer Party Matthew David McQueen alias Matthewdavid kennen. Er war anscheinend beeindruckt von ihrem Do-it-yourself-Stil, denn wenig später hatte sie einen Plattenvertrag mit seinem Label Stones Throw. Große US-Medien wie die New York Times und Pitchfork berichteten über die junge Künstlerin. So wird es vermutlich weitergehen, Sudan Archives steht mit ihrem fabelhaften Indie-Pop erst am Anfang ihrer Karriere.

Hier kann man in den Song „Nont for Sale“ reinhören:

„Sink“ ist bei Stones Throw Records für 4 Euro als MP3 erschienen. Ab 22. Juni soll es die EP für 11 Euro auf Vinyl geben.

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