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Kultur
Freitag, 23. Februar 2018 2

Musiktheater

Kinderoper „Gold!“ feiert Premiere

Sopranistin Martina Fender fesselt im Jungen Theater ihr junges Publikum. Geschmeidig schlüpft sie in mehrere Rollen.
Von Sebastian Wintermeier

Fesselt das junge Publikum: Martina Fender Foto: Jochen Quast

Regensburg.„Wann geht’s los?“, fragt der achtjährige Operngast Konstantin Tremmel erwartungsvoll. Mit seiner kleinen Schwester Luise wartet er im Foyer des Jungen Theaters am Bismarckplatz auf den Premieren-Start von „Gold!“. „Noch vier Minuten, vier Mal bis 60 zählen“, antwortet seine Mutter. Was Sopranistin Martina Fender dann in der nächsten knappen Stunde leistet, wird nicht nur bei Konstantin und Luise für große Augen und offene Münder sorgen.

Begleitet von Schlagzeuger Antonino Secchia spielt die Tirolerin die Geschichte von Jakob und seinen Eltern: Die Familie ist arm und lebt bescheiden am Meer. Doch als Jacob beim Angeln einen Zauberfisch am Haken hat, ändert sich alles. Der kleine Fisch verspricht dem barfüßigen Jungen, ihm jeden Wunsch zu erfüllen, wenn er nur wieder zurück ins Meer darf. Jacob stimmt zu – und sein erster Wunsch geht in Erfüllung: ein Paar Schuhe!

Wenn es doch nur dabei geblieben wäre! Denn als auch Jacobs Eltern von dem Zauber erfahren, wird die Wunschliste immer länger: erst ein Haus, dann ein Schloss und schließlich noch Urlaubsreisen. Die grenzenlose Gier der Familie bleibt aber nicht ohne Folgen: Das Meer tobt von Wunsch zu Wunsch wilder, und der kleine Zauberfisch wird immer schwächer.

Martina Fender fesselt das Publikum: Geschmeidig schlüpft sie wechselnd in die Rollen des Protagonisten und seiner beiden Eltern. Sogar den Zauberfisch spielt sie selbst. Erzählerin ist sie auch. Die Möglichkeiten der 360 Grad bespielbaren Bühne reizt sie so aus, dass die Oper ihre volle Wirkung auch bis in die hinterste Ecke des Zuschauerraums entfalten kann. Mit sparsamen Attributen in rechter und linker Hand die komplette Familie darstellen: Das war eine Idee von Regisseurin Maria-Elena Hackbarth. Gerade dieser zurückhaltende Einsatz von Requisiten macht die Regensburger Inszenierung zauberhaft. So entstehen optische Freiräume, die die Kinder mit ihrer Fantasie selbst ausfüllen können.

Schlagzeuger Antonino Secchia gibt dem Stück instrumentale Tiefe: Mit Vibraphon, Marimba, Snaredrum oder Gong untermalt er Wellenbewegungen, Stürme oder Schritte. Gerade wenn Fender zwischen rezitativen Abschnitten in einen klaren Rhythmus wechselt, wird deutlich, dass die beiden schon zur Premiere ein eingespieltes Team sind. Die Kinder sind selbst Teil der Inszenierung und warten ständig auf ihren nächsten Einsatz. Mit Stimmen und Armbewegungen stellen sie Wellen und Meeresrauschen dar. Damit ist die ungebrochene Aufmerksamkeit der jungen Opernbesucher garantiert. „Das Meer war am besten!“, meint der achtjährige Konstantin Tremmel hinterher begeistert.

Mit „Gold!“ hat der zeitgenössische Komponist Leonard Evers Grimms Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ vertont. Ob das Gleichnis von der Gier des Menschen auch schon bis zu den Opernfans im Vorschulalter durchdringt, ist fraglich.

In der Regensburger Inszenierung hat „Gold!“ jedoch das Zeug zum Klassiker. (mws)

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