MyMz

Konzert

Klangreiche Sounds voller Poesie

Erstaunt erlebt ein unbekanntes Jazzquartett, wie es bei seinem Debüt gefeiert wird.
Von Michael Scheiner

Das Or Bareket Quartet beim Jazzclub Regensburg Foto: Scheiner
Das Or Bareket Quartet beim Jazzclub Regensburg Foto: Scheiner

Regensburg.Es war ein seltenes Phänomen, das bei Veranstaltern und Musikern gleichermaßen die Mundwinkel weit nach oben gehen ließ: Das Konzert des weitgehend unbekannten Or Bareket Quartet war auf Anhieb so gut besucht, dass ein schwitzender Jazzclubmann mehrfach Stühle heranschleppen musste. Trotzdem mussten Besucher, die die ungünstige seitliche Sicht scheuten, mit Stehplätzen vorlieb nehmen.

Wie sich am Ende des zweistündigen Auftritts zeigte, waren sie damit keineswegs unzufrieden. Der stürmische Applaus, den die vier Musiker für ihr virtuoses Spiel wie für die zugängliche und zugleich farbige Musik erhielten, ging von allen Plätzen aus. Zuvor hatte das Quartett, darunter die meist eher verhalten trommelnde Schlagzeugerin Savannah Harris, bei der Zugabe noch einmal richtig aufgedreht, das Tempo angezogen. Mit einer spritzigen Battle zwischen dem sonst eher stoischen Gitarristen Charles Altura und dem wendigen, erfindungsreichen Pianisten Nitai Hershkovits bekam das Publikum noch einmal einen kräftigen Adrenalinschub für den Nachhauseweg.

Auf der Europatour, an deren Schluss das Regensburg-Debüt stand, stellte das Quartett um den Bassisten Or Bareket vorwiegend Songs und Titel des aktuellen Albums „33“ vor. Bareket, Bandleader, fulminanter Bassist und Komponist der meisten Stücke, gehört zu einer Szene vielbeachteter junger Musiker, die in New York leben, Erfolg haben, aber aus unterschiedlichsten Ecken der Welt kommen.

Er selbst ist, wie Hershkovits mit dem er bereits vor dem Studium zusammen gejammt hat, in Israel geboren, in Argentinien aufgewachsen und gilt als musikalischer Kosmopolit. Die verschiedenen Einflüsse lässt er in eine moderne, in der Tradition vergangener Jahrzehnte verankerte Jazzsprache, zusammenfließen und kreiert daraus eine manchmal schwebende, manchmal tänzerische klangvolle Musik. Oft steht dabei am Anfang ein einfaches, rhythmisch vielfach wiederholtes Motiv, aus dem sich komplexe, in jeder Hinsicht spannende Themen und Soli entwickeln. Diese bleiben dennoch zugänglich und verlieren sich nicht in Egotrips oder verquasten Ideen.

Das hat auch damit zu tun, dass die Band eine angenehme Lautstärke pflegt und dynamische Prozesse sensibel auslotet. Soundmäßig erinnert das manchmal an die vibrierende Leichtigkeit von Chick Coreas „Return To Forever“ oder Ecm-Stars wie Terje Rypdal und Jon Abercrombie. Letzteres vor allem bestärkt durch das melancholisch singende Single-Note-Spiel des Gitarristen. Eine Musik voller Farben, Schwingungen, Poesie und pulsierender Energie, in die Bareket stetig neue Impulse sendet.

Mehr Kulturnachrichten finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht