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Konzert

Klavier und Streicher in Balance

Die Münchner Geigerin Carolin Widmann und ihre Begleitmusiker begeistern mit Werken von Schumann und Elgar.
Von Juan Martin Koch

Das Publikum bejubelte die Musiker um Carolin Widmann. Foto: Koch
Das Publikum bejubelte die Musiker um Carolin Widmann. Foto: Koch

Neumarkt.Es kommt wahrscheinlich nicht allzu oft vor, dass Robert Schumann und Edward Elgar in einem Atemzug genannt werden. Der jüngste Abend bei den Konzertfreunden Neumarkt erinnerte nun an eine Gemeinsamkeit der beiden Komponisten: Ihre Klavierquintette gehören jeweils zu ihren absolut stärksten Werken.

Wie schon die außerordentlich gelungene Elgar-Aufnahme vom vergangenen Jahr andeutete, ist die Formation, die sich da um die eminente Geigerin Carolin Widmann geschart hat, ideal geeignet, dies hörbar zu machen. Zusammen mit David McCarroll an der zweiten Violine bildet sie ein absolut einmütig phrasierendes Duo. Ebenso gut, vor allem auch klanglich, harmonieren Pauline Sachse und Marie-Elisabeth Hecker an Bratsche und Cello miteinander. Gekrönt wird das gleichermaßen differenzierte wie homogene Zusammenspiel vom sensiblen Martin Helmchen am Klavier.

Selten erlebt man eine so selbstverständliche, in jedem Moment dem Geist der Partitur Rechnung tragende Balance von Tasteninstrument und Streichern.

Bei Elgar profitierten besonders die quasi kammerorchestralen Ballungen, etwa in der Durchführung des ersten Satzes, von diesen ausgewogenen Kräfteverhältnissen. Perfekt aufeinander abgestimmt waren aber auch die kleinen Temporückungen. Der mitunter ganz entfernt Salonmusik streifende Tonfall entfaltete sein nobles Schwärmen, der gespenstische Dreitonrhythmus seinen wohligen Schauder. Im zweiten Satz entwickelten sich aus den herrlichen Soli von Cello und Bratsche heraus zwingende Steigerungspassagen, im finalen dritten Satz atmeten die Reminiszenzen an das Vorangehende jenen für Elgar typischen, wehmütigen Charakter.

Nach der Pause dann Schumann: Selten hat man Peter Gülkes wunderbar tiefsinniges Diktum von dessen „jubelnd erlittener Romantik“ so grandios schwungvoll und zugleich zerbrechlich verlebendigt gehört. Pauline Sachses Viola entwickelte sich mehr und mehr zur Achse, um die herum sich der Gesamtklang gruppierte, während Primaria Carolin Widmann immer wieder für den zweiten Blick auf das Gehörte, für das Umkippen ins Zwielichtige zuständig war.

Mit fahler Tongebung gab sie den Charakter für den trauermarschartigen zweiten Satz vor und färbte auch die Coda des dritten nachdenklich ein, nachdem dieser sich hemmungslos der Motorik seiner Tonleiterbewegungen hingegeben hatte. Unwiderstehlich geriet schließlich die finale Sortierung, die Schumann anhand eines Fugatos über das Hauptthema des ersten Satzes vornimmt. Sein Jubel verschmolz mit dem des Publikums – ein denkwürdiger Kammermusikabend im Neumarkter Reitstadel.

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