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CD

Körperlos und sanft leuchtend

Der Regensburger Countertenor Franz Vitzthum singt „Himmels-Lieder“.
Von Gerhard Dietel, MZ

Sänger Franz Vitzthum bei einer Vernissage im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Foto: Michael Scheiner

Regensburg. In schwerem Sarabandenrhythmus über chromatisch abwärtsführendem Lamentobass bewegt sich der Instrumentalsatz, darüber schwebt die Altus-Stimme Franz Vitzthums wie körperlos, sanft leuchtend und geschmeidig zwischen leuchtenden Pianotönen und emotionalen Steigerungen wechselnd. Zu ergreifender Klage vereinigen sich der in Regensburg bestens bekannte Sänger und die Mitglieder des „Capricornus Consort Basel“ in Philipp Heinrich Erlebachs „Unser Leben ist mit vieler Not umgeben“, welches die vorliegende CD-Neuerscheinung mit dem Titel „Himmels-Lieder“ eröffnet.

Die menschlichen Bedrängnisse in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges, die auch in den Wiederaufbaujahren danach nicht vergessen sind, bilden den historischen Hintergrund der Einspielung, die manche Raritäten ausgräbt und erstmals auf Tonträger zugänglich macht. Ganz präsent sind jene Schrecken und Verheerungen der Jahre zwischen 1618 und 1648 vor allem in der barocken Rhetorik der „Krieges-Angst-Seufftzer“ von Johann Hildebrand, und ihr Schatten ist auch noch in den allgemeiner gehaltenen „Gedancken eines Sterbenden“ von Johann Krieger zu spüren, während bei den Nachgeborenen bereits zuversichtlichere Töne angeschlagen werden.

„Ich fürchte keinen Tod auf Erden“ bekennt in einer Kantate der vergessene Bach-Zeitgenosse Johann August Kobelius, freudig bewegte Töne lässt Georg Böhm in seinem „Mein Herz tichtet ein feines Lied“ erklingen, und die aus Italien nach Deutschland importierte Musik ist ohnehin von den mitteleuropäischen Kriegseindrücken frei. Ganz leichtbewegt darf Franz Vitzthums Altus sich in der „Pater noster“-Vertonung von Gasparo Casati aufschwingen, mit hochvirtuosen Koloraturen und affektvollen Tributen an den „stile concitato“ Claudio Monteverdis.

Das „Capricornus Consort“ grundiert die Gesangsnummern mit Klängen von historischen Streich-, Zupf- und Tasteninstrumenten, bereichert aber auch das Repertoire durch eigene Instrumentalbeiträge: neben einer „Sonata a 5“ von Antonio Bertali in gravitätischem Vollklang mit Soloauftritten von Cembalo, Viola da gamba und, als Rarität, des Psalteriums; höchst beweglich gestaltet es die ausgezierte Melodiestimme in Johann Schops auf John Dowland fußender „Lachrimae Pavan“.

„Himmels-Lieder, Sacred songs & cantatas“. Franz Vitzthum, Countertenor, Capricornus Consort Basel. 1 CD, Christophorus CHR 77354.

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