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Kultur
Freitag, 21. September 2018 28° 2

Klassik

Konzert: Hohe Qualität ohne Zugkraft

Das Lendvai Streichtrio spielt beim Musikverein Regensburg: virtuos, aber streckenweise ohne emotionale Wucht.
Von Andreas Meixner

Das Lendvai Streichtrio gastierte in Regensburg. Foto: Sarah Wijzenbeek
Das Lendvai Streichtrio gastierte in Regensburg. Foto: Sarah Wijzenbeek

Regensburg.Julius Röntgen (1855-1932) gehört zu den vielen fast völlig in Vergessenheit geratenen Komponisten der Spätromantik, die erst in den letzten Jahren zunehmend wiederentdeckt werden. Unter seinen über 600 Kompositionen hat er 16 Streichtrios hinterlassen und es ist der Verdienst des Lendvai Streichtrios (benannt nach dem ungarischen Komponisten Erwin Lendvai), dass diese Werke in einer Gesamteinspielung wieder einem breiteren Publikum zugänglich sind. Mit einer einzigen Ausnahme wurden die Trios nie veröffentlicht; sie verschwanden im Archiv, ohne je erklungen zu sein. Nadia Wijzenbeek (Violine), Ylvali Zilliacus (Viola) und Marie Macleod am Violoncello brachten daraus zum Konzert beim Musikverein Regensburg die Nr. 13 mit, mit unverkennbaren Einflüssen Brahms’scher Tonkunst und anderer Zeitgenossen wie Edvard Grieg, mit dem Röntgen eine enge Freundschaft verband. Die drei Musikerinnen müssen dennoch viel arbeiten, um die vier, in Teilen etwas ungelenkigen Sätze zum Klingen zu bringen. Röntgens Musik entwickelt ihren Charme über die Strecke, konzentriertes Zuhören ist gefordert, um sich diese Welt zu erschließen.

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Zuvor stand Beethovens Streichtrio c-moll op. 9, Nr. 3 auf dem Programm, ein typisches Werk des kammermusikalischen Umbruchs, hin zu einer größeren Konzertform außerhalb des aristokratischen Salons. Schon die Grundtonart zeugt von der ernsten Ausdruckskraft, kämpferisch und aufbegehrend. Das Lendvai Streichtrio hält sich dahingehend zurück, sucht seine Interpretation in einer kontrollierten Haltung, in der sich jedoch die emotionale Wucht des Stückes verliert. Innerhalb der kompositorischen Konventionen geschieht zu wenig an Gestaltung und Abschattierung, große Phrasen leiden unter der Kleinteiligkeit der Herangehensweise, die Schwung und Zug kostet. Das wirkt brav, fast bieder, wenn auch im edlen Gewand einer hervorragenden Homogenität und Klangbalance. Lediglich von Marie Macleod am Violoncello wünschte man sich aus der Tiefe mehr Profil und Zeichnung, was aber möglicherweise auch eine Frage des gewählten Sitzplatzes war. Deutlich freier spielte sich das Ensemble im Streichtrio Es-Dur KV 563 von Mozart und überzeugte vor allem in den zwei langsamen Sätzen mit einer sensiblen Feinzeichnung, die von der großen Könnerschaft der drei Damen zeugte. Im Finalsatz blühen sie förmlich auf und entwickeln in der diffizilen Verschränkung von Rondo- und Sonatenform auch jene Spielfreude und Leichtigkeit, die man bis dorthin manches Mal vermisst hat und die auch dem Beethoven-Trio so gutgetan hätte.

Das Trio bekam dennoch viel Applaus, weil es am Können und an der spielerischen hohen Qualität keinesfalls mangelte. Nur blieben die sympathischen Musikerinnen eine mitreißende, eigenständige Interpretation mit klarem Erkennungswert schuldig.

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