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Gespräch

Künstler schlagen Brücken nach Osteuropa

Seit elf Jahren kommt die Künstlergilde Esslingen ihrem Auftrag ohne staatliche Hilfe nach.
Von Ulrich Kelber, MZ

Regensburg. Optimismus strahlt er aus, lässt sich von Schwierigkeiten nicht beirren. Prof. Dr. Wolfgang Schulz ist seit sechs Jahren Bundesvorsitzender der Künstlergilde. Seit über 60 Jahren besteht diese Vereinigung, die 1948 in Esslingen als „Notgemeinschaft“ von vertriebenen oder geflüchteten Künstlern gegründet worden war. Lange war sie eine einflussreiche und finanziell gut ausgestattete Institution. Doch im Jahr 2000 kam eine tief greifende Zäsur. Die Bundesregierung änderte (und kürzte) damals die seit 1953 durch den § 96 des Bundesvertriebenengesetzes geförderte „Vertriebenenkultur“. Für die Künstlergilde gab es keine Zuschüsse mehr.

„Heute finanziert sie sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden“, erzählt der Vorsitzende. „Nicht ganz 400 Mitglieder“ habe die Künstlergilde derzeit, die meisten davon lebten im süddeutschen Raum und „50 im östlichen Ausland“, verrät Dr. Schulz. „Das sind weniger geworden. Und das liegt nicht nur an Altersgründen“, räumt er ein.

Bildende Kunst einschließlich Fotokunst bildet den Hauptbereich, dann gibt es noch eine Literatur- und eine Musikabteilung. Noch vor zehn Jahren waren es über 1000 Mitglieder. Dann habe es Austritte gegeben, „weil wir bei den Jahrestreffen keine Reisekosten mehr zahlen können und wir auch sonst unser Programm etwas einschränken mussten“.

Jetzt werde die Künstlergilde durch das große Engagement der Ehrenamtlichen getragen: „50 Prozent von dem, was in goldenen Zeiten der Künstlergilde mit sechs hauptamtlichen Mitarbeitern möglich war, schaffen wir noch“, versichert der rührige Vorsitzende. Und wenn es gegenwärtig nur „etwa zehn Beitritte pro Jahr“ gibt, so hofft er doch auf ein verstärktes Interesse, denn längst ist die Herkunft kein Kriterium mehr. Die Mitgliedschaft steht für alle offen, „die sich mit den Zielen der Künstlergilde verbunden fühlen“.

Und die beschreibt Dr. Schulz so: „Sie will den Kunstbeitrag aus dem früheren deutschen Osten in Erinnerung halten und weiterentwickeln. Auf der anderen Seite will sie Brücken schlagen zur Völkerverständigung.“ Es gehe um die Zusammenarbeit mit Künstlern, die heute in Polen, Tschechien und der Slowakei ansässig seien. Sehr stark geschehe das schon mit Ungarn und Rumänien. So werde die jetzt im Kunstforum gezeigte Ausstellung im kommenden Jahr auch in Budapest zu sehen sein. Und in Esslingen, wo die Künstlergilde eine eigene kleine Galerie hat, seien kürzlich Werke des ungarischen Künstlers Akos Matzon präsentiert worden.

Auch bei den Kulturpreisen, die sie vergibt, kann die Künstlergilde wieder Flagge zeigen. Nach zehn Jahren Pause wurde 2009 der Andreas Gryphius-Preis wieder verliehen. Er ging damals an Arno Surminski. 2010 wurde Renata Schumann ausgezeichnet. In diesem Jahr wird der Preis an den 1944 in Breslau geborenen und heute in Wuppertal lebenden Schriftsteller Michael Zeller verliehen – die Feier ist am 11. November in Düsseldorf.

Und Dank einer privaten Stiftung gibt es – so Dr. Schulz – auch wieder ein Preisgeld. Gleiches gilt für den Lovis-Corinth-Preis, der mehrere Jahre lang nur undotiert vergeben werden konnte. Hier ist im vergangenen Jahr erstmals der Förderverein des Regensburger Kunstforums mit einer Finanzspritze eingesprungen. Wer den Preis 2012 bekommt, ist ungewiss. Die Entscheidung der Jury steht noch aus.

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