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Vernissage

Künstler-Sextett in Kallmünz

Zur 50-jährigen der Städtepartnerschaft Brixen-Regensburg lädt Wigg Bäuml fünf Kollegen ein – drei kommen aus Südtirol.
Von Andrea Leopold

Die Künstler der Ausstellung: Sergio Sommavilla, Alex Pergher, Stefan Göler, Leander Piazza und Günther Kempf (von links); hinten steht Wigg Bäuml. Foto: Andrea Leopold
Die Künstler der Ausstellung: Sergio Sommavilla, Alex Pergher, Stefan Göler, Leander Piazza und Günther Kempf (von links); hinten steht Wigg Bäuml. Foto: Andrea Leopold

Kallmünz.„50+“ – das ist nicht nur das Alter der sechs ausstellenden Künstler, sondern auch der Anlass einer Vernissage anlässlich der 50-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Regensburg und Brixen. Der Einladung von Wigg Bäuml sind drei Südtiroler Künstler gefolgt, um die Beziehung nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Der harte Kern der bildenden Künstler hat diesen Kontakt nicht abreißen lassen. Man erinnert sich – so Hans Schaidinger in seiner Einführungsrede – an die großartige Arche im Raum der Minoritenkirche, an die Ausstellungen in der Engelsburg in Brixen und die wunderbare Zusammenarbeit Brixener und Regensburger Künstler in Monte San Savino.

Der ehemalige Direktor der Stadtgalerie in Brixen, Alex Pergher, kreiert in seinen Gemälden mentale Assoziationen und Sinneserfahrungen, was Corradi als seine „subversive Art der Kunst“ bezeichnet. Seit 16 Jahren führt er seine private Galerie in Mühlbach. Seit Mitte der 70er Jahre ist er in Sachen Kunst wie ein Unternehmer unterwegs, auf internationalen Kunstmessen und Auktionen. Auch Versteigerungen sind sein Metier. Hauptsächlich symbolisch und impressionistisch lässt Pergher den Betrachter frei assoziieren und interpretieren. „Mount ethna“ lässt den Zuschauer allein durch den Fluchtpunkt treiben.

Unsichtbares sichtbar machen

Die Werke von Stefan Göler sind eine Art Neuanfang, der Vermeider von Farbe wird bunter. Das Papier mehrschichtig, geölt, zeigt er Spuren, die verdeckt sind und wieder sichtbar gemacht werden. Wie auf Pergament, das mehrfach beschreiben ist und durch Abtragen der Schichten ans Licht kommt. Gölers Bilder sind verrätselt. Es geht um die Wahrnehmung der Wirklichkeit, wie der Mensch kraft seines Verstandes verstrickte Geheimnisse aufspüren kann. Göler zeigt Traumfetzen wie kurz nach dem Aufwachen, bei denen verdrängte Emotionen und Erlebnisse fragmentarisch aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche des Träumers gelangen. Narrative Malerei in innovativem Format. Die Handschrift Gölers halt.

Wigg Bäuml, der Hausherr, bedient sich bei seinen Objekten ärmlichen Materials wie Obstkisten, altem Papier, zum Teil mit Bitumen getränkt. Seine Werke aus dem Zyklus „Behausungen“ bestehen aus Schachteln, die als Hausform dienen, einem offenen Dach mit Spiegelfolie. Bäuml arbeitet mit Fund- und Abfallstücken aus der Carolinenhütte. Dabei entsteht ein Leiterwagen, den er in Bronze gegossen und damit verewigt hat. Ein Pfahl aus der Naab kombiniert mit zwei Zimmererbeilen wirkt wie ein großer Vogel, der seinen Kopf im Gefieder versteckt hat.

Leander Piazza kreiert eine Reihe Variationen von Engeln, witzig und jenseits aller Südtiroler Herrgottsschnitzerei, verfremdet mit neuartigen Materialien. Nach dem Schnitzen beklebt er das Inkarnat mit bunten Plastikschnüren – wie ein Fassmaler aus früheren Zeiten – oder er überzieht den Korpus mit Federn.

Zeitgenössische Schnitzerei

Ein Engel in traditioneller Machart trägt einen Stahlhelm auf dem Kopf und die amerikanische Freiheitsstatue auf der Brust mit dem Titel „war grad noch in Syrien ... und du?“ Sein Bruder neben ihm ist schwarz eingefärbt vom der Asche des Vulkans Stromboli.

Sergio Sommavilla lässt seine stoischen Steinköpfe aus Sollhofer Kalk, Carrara Marmor und Pietra Serena abgehoben vom Treiben rundherum meditativ und emotionslos auf die Besucher wirken. Er ist ein gerngesehener Aussteller im Regensburger Raum.

Günther Kempff schnitzt Fabeltiere in voodooartigem Outfit, ein Doppelnashorn mit zwei Köpfen und Nägeln im Rücken. Er arbeitet nach eigenen Aussagen „immer figürlich“. Seine Figuren sind „anthropomorph und zoomorph“. Kempff: „Ich habe keinen Plan, ich fange einfach zu sägen an, ich lasse mich leiten, was ich sehe: Manche sagen, es sei ganz leicht, die Figur ist schon im Holz drin, man muss nur das Außenrum wegtun.“

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