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Kultur
Mittwoch, 18. Juli 2018 29° 1

Ausstellung

Kunst als raumsprengender Störfaktor

Markus Lüpertz zeigt in Duisburg „Kunst, die im Wege steht“ – und den Hang zum Monumentalen. „Lüpolis“ ist 15 Meter lang.
Von Dorothea Hülsmeier, dpa

  • „Man kann es nicht allen recht machen“: Der Maler und Bildhauer Markus Lüpertz im Museum Küppersmühle. Foto: dpa
  • Die Skulptur „Standbein – Spielbein“ (1982) und das Bild „Gegen Abend besetzen Störche Lüpolis“ (1977) von Markus Lüpertz, zu sehen im Museum Küppersmühle Foto: dpa
  • Markus Lüpertz (links) schaut sich mit Museumsdirektor Walter Smerling in Duisburg sein Bild „Gegen Abend besetzen Störche Lüpolis“ (1977) an. Foto: dpa

Duisburg.Der Auftritt von Markus Lüpertz ist immer groß: Schwarz gekleidet in Nadelstreifen-Hose, der Mantel mit roter Seide gefüttert kommt er im Museum Küppersmühle in Duisburg an. Den silbernen Löwenknauf des Gehstocks hält der Künstler, der im April 75 Jahre alt wird, fest umschlossen. Lüpertz pflegt sein exzentrisches Künstler-Image, auch wenn er betont, dass er die Bezeichnung „Malerfürst“ einfach „widerlich“ finde.

Lüpertz hat in jüngster Zeit vor allem mit umstrittenen Skulpturen wie der armamputierten und knetartigen Beethoven-Statue in Bonn Proteste ausgelöst. Dem gängigen Schönheitsideal entsprechen auch weder sein „Herkules“-Koloss in Gelsenkirchen noch der morbide „Mozart“ in Salzburg.

„Ich jage als Künstler dem Ideal hinterher.“

Markus Lüpertz

In Duisburg ist nun eine Ausstellung zu sehen, die diesem Image des langjährigen Rektors der Düsseldorfer Kunstakademie (Lüpertz: „Die Stadt Düsseldorf hat mich gehasst“) entgegentreten will. Im Museum Küppersmühle werden 80 Arbeiten, vor allem großformatige Malerei, aus der Sammlung Ströher gezeigt. Sie umfassen rund 50 Schaffensjahre von Lüpertz’ Anfängen in den 1960er Jahren bis ins Jahr 2002. Die Sammlung Ströher besitze damit das größte Konvolut an Lüpertz-Werken, sagt Direktor Walter Smerling. Man habe angesichts der Fülle und Geschlossenheit auf neuere Werke als Leihgaben anderer Museen oder Sammler verzichtet.

Das Sperrige in Lüpertz’ Werk

Ein „Störfaktor“ sei die Kunst von Lüpertz immer gewesen, sagt Kurator Götz Adriani. Schon der Titel der Ausstellung – „Kunst, die im Wege steht“ – unterstreicht das Sperrige in Lüpertz’ Werk. Es zeigt sich, dass der 1941 in Böhmen geborene Künstler, der 1948 mit seiner Familie ins Rheinland flüchtete, immer einen Hang zum Monumentalen hatte.

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Aus 33 Teilen besteht sein 2002 entstandener „Dädalus“-Zyklus. 15 Meter lang ist die erstmals zu sehende abstrakte „Lüpolis“-Arbeit von 1977, deren 20 Teile sich wie ein Altarbild an der langen Wand ausbreiten. Gleich gegenüber ein weiteres Hauptwerk von Lüpertz – „Westwall“. 12 Meter lang ist das abstrakte Gemälde, dessen verfremdete Rauten nicht an das einstige Nazi-Bollwerk aus Panzersperren erinnern, sondern an „Toblerone“-Schokolade – das sagt zumindest Smerling. Lüpertz expressive und wuchtige Handschrift dominiert die zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit schwanken Bilder – eine opulente Schau, die überschwängliche Freude an der Malerei vermittelt.

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Für Kurator Adriani ist Lüpertz trotz seiner oft provokativ wirkenden Arbeiten „kein Tabu – oder Normbrecher“. Lüpertz gehöre neben Gerhard Richter, Sigmar Polke, Georg Baselitz und Anselm Kiefer zu den „Big Five“ der deutschen zeitgenössischen Kunst. Doch Lüpertz sei weder sarkastisch noch Skeptiker. Mit einer „unerschütterlichen Energie“ sei der „Allround-Künstler“ ein Wegbereiter, der mit Farbe umgehen könne und mit seinen Plastiken „auf ähnlichem Niveau“ wie mit der Malerei liege.

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Markus Lüpertz in Regensburg

Wobei das für Adriani nicht ausschließt, dass ein guter Künstler auch dass Hässliche in sein Werk einbeziehe. „Schick und Schock“ habe ja im 19. Jahrhundert schon der französische Dichter Baudelaire gepflegt. Lüpertz habe sich wie kein anderer mit der Kunstgeschichte auseinandergesetzt, sagt Adriani, und sich im übrigen als „Einziger seiner Generation“ auf die antike Mythologie eingelassen.

„Ich jage als Künstler dem Ideal hinterher“, sagt Lüpertz. Kunst zu machen sei „wie ein Fluch“. Die Unzufriedenheit treibe ihn immer wieder zum nächsten Bild. Mit den Anfeindungen seiner Kritiker geht Lüpertz gelassen um. „Ich bin ein Mensch, der das Beste gibt und sich dann wundert, dass die Leute nicht alle Bravo rufen.“ Man könne es eben nicht allen Recht machen. „Insofern: Was soll’s?“

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