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Kunst und Rebellion im Blick

Die Werke von vier einheimischen Künstlerinnen sind im Waldmuseum Zwiesel zu sehen. Käthe Hoch steht im Mittelpunkt.
Von Michaela Schabel

44 Bilder von Käthe Hoch bilden den Schwerpunkt der Ausstellung „Zwischen Kunst und Rebellion“ in Zwiesel.
44 Bilder von Käthe Hoch bilden den Schwerpunkt der Ausstellung „Zwischen Kunst und Rebellion“ in Zwiesel. Foto: Elisabeth Vogl/Elisabeth Vogl

Zwiesel.Wer ist Käthe Hoch? In Zwiesel, wo sie geboren wurde, kannte sie bis vor Kurzem keiner. Die Ausstellung „Zwischen Kunst und Rebellion“ bringt sie wieder ins Bewusstsein und mit ihr drei weitere Künstlerinnen, die in Zwiesel geboren wurden oder zugezogen sind.

Zusammen mit den Gemälden von Betty Heldrich (1869-1955), Irene Fastner (*1963) und den Arbeiten der Bildhauerin Veronika Schagemann (*1963) ergeben sich 100 Jahre Kulturgeschichte. Zu sehen sind insgesamt 138 Werke, davon 44 Exponate von Käthe Hoch, deren künstlerischer Nachlass dem Waldmuseum Zwiesel als Schenkung von deren Urenkelin Catherine Däniker Furtwängler überlassen wurde. Emanzipiert waren sie alle vier, politisch rebelliert hat nur eine, Käthe Hoch, womit der Titel der Ausstellung doch etwas weit greift. Damit steht Käthe Hoch im Mittelpunkt der Ausstellung. Ein Selbstporträt zeigt sie mit der Ballonmütze der Proletarier. Resolut und wissend ist ihr Blick. Als Tochter des Eisenbahningenieurs Schöller, dessen Talent zum Zeichnen sie geerbt hatte, wuchs Hoch nach dem frühen Tod der Eltern bei einer Tante in München auf.

Die SA verwüstete Bilder

Nach dem Kunststudium und einem Aufenthalt in Paris, wo sie Henri Toulouse-Lautrec kennenlernte, wurde sie in München Mitglied im Jung-Münchner Kulturbund, den Oskar Maria Graf gegen den aufkommenden Nationalismus gründete. 1933 stürmte die SA Käthe Hochs Wohnung mit Atelier und verwüstete diese inklusive etlicher Bilder. Käthe Hoch starb kurz darauf.

Die ausgestellten Bilder zeigen deshalb bis auf ihr Selbstporträt wenig von ihrer politischen Rebellion, bilden konventionelle Motive ihrer Lebenswelt ab. Sie geben Einblick in ihr Atelier in Rot- und Grüntönen, zeigen leuchtende Blumen-Stillleben, Landschaften und Stadtidyllen, japanische Farbholzschnitte mit großem Gespür für Farbnuancen und graziler Bewegungsdynamik.

Der Nachlass

  • Kontakte:

    Den Nachlass Käthe Hochs bekam das Waldmuseum Zwiesel über die Kontakte von Ludwig Treimer, der bei seinen Recherchen die Urenkelin Käthe Hochs, Catherine Däniker Furtwägler, die als Dozentin an der ETH Zürich arbeitet, kennenlernte.

  • Würdigung:

    Wunsch der Familie ist es, die Bedeutung der Malerin für die Kunst in der Zeit um 1900 bis 1930 zu würdigen, weshalb die Kunsthistorikerin Elisabeth Vogl die Ausstellung „Zwischen Kunst und Rebellion“ im Zwieseler Waldmuseum konzipierte.

Betty Heldrich, Tochter eines königlichen Forstmeisters, wuchs in Zwiesel auf, studierte und lebte später ebenfalls in München. Sie malte traditionelle Ölporträts gutbürgerlicher Honoratioren, atmosphärische Landschaften und Stillleben. Als Kinderbuchillustratorin fand Betty Heldrich eine bizarre, bereits sehr modern wirkende Figurenoptik. Nach ihren sehr dekorativen Jugendstil-Blumenentwürfen werden heute noch für die Glasmanufaktur Ferdinand von Poschinger wertvollste Jugendstilvasen als limitierte Repliken-Edition hergestellt.

Irene Fastner und Veronika Schagemann besuchten gemeinsam die Grundschule in Zwiesel. In der Freizeit trafen sie sich zum Malen. Irene Fastners Malstil ist geprägt durch den Primitivismus. Grafische Elemente bilden die Basis für expressive Farbigkeit. Ihr großes Thema sind Frauen, selbstbewusst und mutig, traurig und lustig, oft von Tieren begleitet, die die Facetten ihres eigenen Alter Ego spiegeln.

Nachhaltige Hingucker

Veronika Schagemann, als Kind mit den Eltern nach Zwiesel zugezogen, bereichert das kulturelle Leben in Zwiesel immer wieder. Sie hat keinen speziellen Stil, aber ihre Fähigkeit überzeugt, in unterschiedlichen Materialen und Techniken Kunstwerke zu entwickeln, die zünden, durch ausgewogene Proportionen, expressive Reduktion und eine latente narrative Kraft. Ihre Großplastiken fügen sich stilsicher in die Landschaften ein und bleiben nachhaltige Hingucker. Die farbenfrohen Bilder hält sie meist kleinformatig, um sie nicht zu überfrachten.

Die Ausstellung wird bis zum 3. Oktober verlängert. Das Waldmuseum ist bis auf Dienstag täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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