MyMz

Finale

Kurzfilmwoche feiert Sehnsuchts-Filme

Die 25. Festivalausgabe endete am Mittwoch. Die Preise der Mittelbayerischen gingen an Filmemacher aus dem Raum Regensburg.
Von Katharina Kellner

  • Steffi Sixdorf und Stefan Hahn, die Gewinner der Regionalfenster-Preise, mit Claudia Bockholt (Mitte) von der Chefredaktion der Mittelbayerischen. Catharina Hamerle war bei der Preisverleihung verhindert. Foto: Kellner
  • „Sehnsucht“, der aufwendige Trickfilm von Stefan Hahn über einen alten Mann, der seine Frau vermisst, hat einen der beiden Regionalfenster-Preise gewonnen. Foto: Steffi Sixdorf
  • Adrian, der Protagonist aus dem Film „Im Fluss“ von Catharina Hamerle und Steffi Sixdorf, lebt auf einem Hausboot auf der Donau. Foto: Steffi Sixdorf/ Catharina Hamerle

Regensburg.„Wenn man weiß, das ist das Richtige, dann soll man’s auch machen und nicht lange zappeln und warten“, sagt Adrian im Film „Im Fluss“. Der Rentner selbst hat sich Zeit gelassen, bis er seinen Traum verwirklicht hat: Auf einem Hausboot auf der Donau zu leben. Die beiden Regensburger Filmemacherinnen Steffi Sixdorf und Catharina Hamerle haben über sein Leben auf dem Wasser einen Kurzfilm gedreht. „Im Fluss“ wurde gestern Abend bei der Preisverleihung der 25. Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg im Ostentor-Kino mit einem der beiden Regionalfenster-Preise ausgezeichnet.

„Wir interessieren uns für alternative Lebensformen.“

Catharina Hamerle, Filmemacherin aus Regensburg

Die Mittelbayerische stiftet die beiden Preise, die mit jeweils 500 Euro dotiert sind. Claudia Bockholt von der Chefredaktion übergab die Auszeichnungen. Sie sagte: „Die Mittelbayerische begleitet die Kurzfilmwoche seit vielen Jahren. Wir freuen uns, dass die Preisträger in diesem Jahr aus unserer Region kommen.“ Denn auch Stefan Hahn, der Gewinner des zweiten Preises, ist im Landkreis Regensburg zu Hause: in Regendorf bei Zeitlarn.

Sixdorf und Hamerle sind große Filmfans und häufig in den Altstadtkinos anzutreffen, wie Hamerle im Gespräch mit der Mittelbayerischen sagte. In ihrem siebenminütigen Doku-Porträt „Im Fluss“ begleiten sie Adrian auf einer Fahrt zur Walhalla und fangen dabei stimmungsvolle Bilder ein. Sie thematisieren zugleich ein aktuelles Thema der Stadtpolitik: Die hohen Mietkosten, die manche alternative Lebensform hervorbringen. Dies verkörpert Adrians Partner an Bord: Jan, der in Regensburg eine bezahlbare Wohnung suchte. Die Jury aus Markus Güntner (DJ, Komponist und Produzent), Kristina Hödl vom städtischen Kulturamt und Softwarearchitekt Markus Wolf lobte den „sehr authentischen Einblick“, den Sixdorf und Hamerle in die ungewöhnliche Lebensweise der beiden geben.

Ein Meeresrauschen von Schuhbürsten

„Wir interessieren uns für alternative Lebensformen“, sagte Hamerle. Das Hausboot, das sie an der Donau sahen, habe sie neugierig gemacht. Anregungen zur Umsetzung ihrer Idee holten sie sich bei einem Workshop für Filmemacher zum Jahresthema der Stadt Regensburg „Stadt Land Fluss“, veranstaltet vom Kulturamt und der Internationalen Kurzfilmwoche.

Hahn, der zweite Regionalfenster-Preisträger, hat zum ersten Mal einen Film bei der Kurzfilmwoche eingereicht. Auch er thematisiert „Sehnsucht“ – so lautet der Titel seines Vierminüters. Die Jury schrieb: „Ein kluger und leiser Film, der die Geschichte eines Mannes erzählt, der seine Zeit isoliert und in Sehnsucht nach seiner Frau verlebt. (...) Das mutige Experiment dieser Stil-Collage ist gelungen.“ Tatsächlich experimentiert Hahn in seinem Film nicht nur mit verschiedenen Animationstechniken, wie Lege-, Zeichen- und Puppentrick.

„Wir waren begeistert von dieser brillanten und absurden Auseinandersetzung mit Autorität, Erziehung und Identität.“

Die Jury des Deutschen Wettbewerbs

Er habe alles selbst gemacht, sagte er im Gespräch mit der Mittelbayerischen – von den Kulissen und der Puppe, die den alten Mann verkörpert, bis hin zu den Geräuschen. „Ich wollte gerne mal einen Trickfilm selber machen“, sagt Hahn, der im dritten Semester an der Kunsthochschule in Kassel studiert. Er ließ sich von Youtube-Trickfilmen inspirieren und experimentierte selbst. Das Meeresrauschen im Film erzeugte er zum Beispiel, indem er mit zwei Schuhbürsten über ein Kissen strich.

Gefangene der Gesellschaft

Den Hauptpreis des Festivals, den mit 5000 Euro dotierten Kurzfilmpreis des Bayerischen Rundfunks, gewann Stefan Kruse mit „The Migrating Image“. Der Film spiegle „die brutale Realität des Einwanderungsprozesses mit Bildern über und von den Einwanderern“ wieder, schrieb die Jury. Der Kurzfilmpreis der Stadt Regensburg (1000 Euro) ging an „Prisoner of Society“ von Rati Tsiteladze. Die Jury der Jungen lobte dessen Mut, die gesellschaftliche Ausgrenzung zu zeigen, die Transgender-Menschen in Georgien widerfährt.

Im Deutschen Wettbewerb wurde ein Film aus dem diesjährigen Themenschwerpunkt „Japan“ mit dem Candis-Preis ausgezeichnet: „Cat Days“ von Jon Frickey. Der Film handelt von einem Jungen, dem Erwachsene einreden, dass er angeblich eine Katze ist. Die Jury schrieb: „Wir waren begeistert von dieser brillanten und absurden Auseinandersetzung mit Autorität, Erziehung und Identität. Dieser kurze Animationsfilm zeichnet sich durch eine frische, minimalistische Farbpalette und ein von Japan inspiriertes Design aus.“

Sehnsucht, die nie ganz oder nur im Kino ausgelebt werden darf

Der Max-Bresele-Gedächtnispreis ehrt Filme mit besonderer politischer Relevanz im Deutschen Wettbewerb. Er ging an Sylvia Schedelbauers Experimentalfilm „Wunschbrunnen“ – „ein Film voller Sehnsucht, die nie ganz oder nur im Kino ausgelebt werden darf, voller Träume, die wir einst hatten, voller Berührungen, die im Negativbild des Lebens verloren gehen“, schrieb die Jury. Der Förderpreis des FilmFernsehFonds Bayern geht an den besten Film im Bayernfenster. Das war dieses Jahr „Fame“ von Lene Pottgießer und Christian Hödl. Das Urteil der Jury: „Intoleranz, Ausgrenzung und die manipulative Macht der vermeintlichen Reality TV-Shows sind Themen, die der Film mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors aufgreift, ohne seine fragilen Charaktere bloßzustellen. Regisseurin Lene Pottgießer gelingt es mit einer eigenwilligen Filmsprache dem Drama von sexueller Identitätsfindung auf dem Land gleichzeitig Witz und Würde zu verleihen.“

Der mit 1500 Euro dotierteArchitekturfilmpreis ging an „Fair Grounds“ von Minhye Chu, der den Abbau des Riesenrades am Leipziger Augustusplatz dokumentiert.

Mit dem mit 333 Euro dotierten Kinokneipen-Preis wurde „Fauve“ von Jeremy Comte als Publikumsliebling ausgezeichnet. Der Film zeigt das lebensgefährliche Spiel zweier Jungen auf dem Gelände einer Tagebaumine.

Ein Interview mit dem japanischen Filmemacher Takashi Makino lesen Sie hier.

Hier geht es zu einem Porträt über Festival-Chefin Insa Wiese.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht