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Konzert

Kurzweilige Stunden mit Bachs Kantaten

Die Regensburger Chorphilharmonie feierte ihr 25-jähriges Jubiläum mit dem kompletten Weihnachtsoratorium.
von Andreas Meixner, MZ

Die Chorphilharmonie zeigte Leistung auf hohem Niveau.
Die Chorphilharmonie zeigte Leistung auf hohem Niveau. Foto: Meixner

Regensburg.25 Jahre Chorphilharmonie Regensburg. Das darf ordentlich gefeiert werden. Für das Jubiläumskonzert war man deshalb nicht zimperlich und entschied sich für die Gesamtaufführung aller sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach.

Geteilt in zwei Konzertblöcke, die mit einer eineinhalbstündigen Pause die nötige Erholungspause für Zuhörer und Aufführende schaffte. Man mag eine solche Gigantomanie als sportlich oder gar als unnötig erachten. Auch geht es darum, die fantastische Musik von Bach nicht zur leichtfüßigen Nummernrevue beliebter Arien und Chöre zu degradieren. Es ist und bleibt ein theologisches Hochamt in jeder Faser und es gilt, dies über die reine Begeisterung hinaus zu begreifen und zu transportieren.

Horst Frohn suchte in seiner Interpretation eine klare Linie, war beständiger Klangverwalter und Organisator von Chor, Solisten und Orchester. Letzteres ist gar nicht ehrenrührig gemeint. Die Tiefe des Konzertpodiums und die diffusen akustischen Verhältnisse verlangten nach einem regelnden Dirigat, um die rhythmische Statik zwischen Sängern und Instrumentalisten zu gewährleisten. Das funktionierte über die Strecke gut, auch wenn der große Chor immer ein wenig träge reagierte und in den schnellen Chören „Ehre sei Gott in der Höhe“, „Herrscher des Himmels“ sowie im Anfangschor der fünften Kantate leicht hinterherhinkte. Das sind jedoch Randnotizen einer insgesamt souveränen Leistung der Chorphilharmonie, die sich einmal mehr als kraftvoller, intonationssicherer und ausgewogener Klangkörper präsentierte.

Die große Besetzung erwies sich nicht als Nachteil, sondern erzeugte in den schlichten Chorälen eine weiche und ruhige Atmosphäre. Das Orchester der Chorphilharmonie Regensburg unter Konzertmeister Sándor Galgòczi war mit seiner Musizierfreude und den solistischen Leistungen eine Zierde des Abends. Hellwach und hochengagiert musizierte das Ensemble, dynamisch flexibel und mit barocken Glanz. Warum Frohn jedoch auf eine klassische Orgeltruhe zugunsten einer elektronischen Orgel übelster Art verzichtete, bleibt sein Geheimnis.

Das Solistenquartett war bestens besetzt: Der junge Kai Kluge gefiel als Evangelist mit einer souveränen Stilistik, sang mühelos seine Rezitative und die schwierigen Tenorarien. Stefan Sevenich gab seiner Basspartie eine Fülle von Farben: kraftvoll einerseits, aber auch in anderen Momenten fast zärtlich in der Stimmführung und sensibel im Austausch mit den Duettpartnern. Ebenso agierte Sonja Koppelhuber in ihrer Altpartie mit hoher Flexibilität und warmer Stimmgebung, stilvoll und einnehmend. Doris Döllinger stand mit ihrer gepflegten Sangesleistung als gediegene Sopranistin in nichts nach, wirkte aber im direkten Vergleich weniger emotionsvoll. Kein Makel angesichts des insgesamt hohen Niveaus einer Aufführung, die entgegen der Befürchtung keine Längen entwickelte und trotz großer Besetzung zu einem barocken, schlanken Gestus fand.

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