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Oper

Längen werden nicht aufgefangen

Jubel und ein schales Gefühl: Bei den Salzburger Festspielen überzeugt „Idomeneo“ nicht.
Von Georg Etscheit

Russell Thomas (Idomeneo), Paula Murrihy (Idamante), Nicole Chevalier (Elettra) and Ying Fang (Ilia) Foto: Barbara Gindl/AFP
Russell Thomas (Idomeneo), Paula Murrihy (Idamante), Nicole Chevalier (Elettra) and Ying Fang (Ilia) Foto: Barbara Gindl/AFP

Salzburg.Früher war Peter Sellars das „Enfant terrible“ unter den Opernregisseuren. Mittlerweile ist der US-Amerikaner mit der Starkwindfrisur auch schon in den Sechzigern und sicher im grünen Mainstream angekommen. Am Samstagabend inszenierte er Wolfgang Amadeus Mozarts „Idomeneo“ zur Eröffnung des Opernprogramms der Salzburger Festspiele.

Die mythische Story aus dem antiken Griechenland mit entfesselten Naturgewalten und einem nicht vollzogenen Kindesopfer deutet er als Parabel auf den Klimawandel. Doch in den Jubel des Publikums mischt sich ein schales Gefühl des déjà-vu. Das Libretto von Mozarts 1781 uraufgeführter Oper handelt vom griechisch-kretischen König Idomeneo, der auf der Rückkehr vom siegreichen trojanischen Krieg in einen Sturm gerät und nur deshalb überlebt, weil er dem Meeresgott Neptun verspricht, den ersten Menschen zu opfern, dem er an Land begegnet. Das ist der eigene Sohn Idamante.

In seiner Rede zur Eröffnung der Festspiele wenige Stunden vor der Premiere hatte Sellars eine Art Gebrauchsanleitung für seine Inszenierung vorgelegt. Eindringlich mahnte er vor der zustimmend nickenden Politprominenz eine ökologischere Zivilisation an, die von einer jüngeren Generation ins Werk gesetzt werden solle. Idomeneo steht gewissermaßen für die ältere Generation der Umwelt- und Klimasünder, das jugendliche Paar Idamante/Ilia für den progressiven Nachwuchs, der die Welt retten soll.

Auf der Bühne der Felsenreitschule sieht man davon nicht viel. Von der Decke baumeln amöbenartige Plexiglasskulpturen, die man mit Meeresungeheuern, aber auch Plastikmüll assoziieren kann. Teile des multiethnischen Ensembles und der Chor stecken in wenig vorteilhaften Camouflage-Pyjamas und werden, offensichtlich als Klimaflüchtlinge, von grimmigen Paramilitärs bewacht.

Als Frühwerk zählt der „Idomeneo“ nicht zu Mozarts stärksten Stücken. Obwohl fast alle Rezitative gestrichen wurden, gibt es Längen, die von der stilisierten, zeichenhaften Regie, Sellars Markenzeichen, nicht immer aufgefangen werden. Und vieles erinnert doch sehr an Sellars hoch gelobte Inszenierung von Mozarts „La clemenza di Tito“ vor zwei Jahren, an deren Erfolg Festspielintendant Markus Hinterhäuser offenbar knüpfen wollte. Vielleicht eine etwas zu sichere Bank.

Sängerisch sind die Leistungen gemischt. Fulminant ist der Auftritt der Elettra, verkörpert von der US-Sopranistin Nicole Chevalier. Auch der lyrische Sopran der Chinesin Ying Fang als Ilia überzeugt restlos. Die Männer können nicht mithalten.

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