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Album

Lafawndahs Ahnenforschung

Die Sängerin, Komponistin und Künstlerin Lafawndah legt mit ihrem Debüt „Ancestor Boy“ ein umwerfendes Album vor.
Von Angelika Sauerer

Lafawndah inszeniert sich wie ein Kunstwerk. Foto: Mathilde Agius
Lafawndah inszeniert sich wie ein Kunstwerk. Foto: Mathilde Agius

New York.Das Herzstück ist ein Schlaflied, „Joseph“, das bereits Ende 2018 veröffentlicht wurde. Lafawndah hat es an dem Tag geschrieben, an dem Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde. Einem „sehr dunklen Tag in der Geschichte“, wie sie im Interview mit „Spex“ sagte. Es geht um eine Geburt, und „ich singe von Zuversicht, davon, dass alles gut werden wird, wenn ich doch selbst nicht daran glaube“. Ihre Stimme wärmt dabei wie ein kleines Feuerchen in einer düsteren Höhle, aus deren dunklen Ecken allerhand Gefahr droht. Das Video meditiert in vorgeburtlichen Szenen, es wirkt rituell und dunkel. Die Frauen erscheinen wie Trägerinnen eines alten, geheimen Wissens. Lafawndah hat es gedreht, es sind ihre Bilder zu ihrer Musik. „Denke ich an einen Song, denke ich ans Video“, sagte sie. Sie musiziert in Bildern und malt in Klängen.

Lafawndahs Album „Ancestor Boy“ ist bei ihren eigenen Label Concordia (!K7 / Indigo) erschienen.
Lafawndahs Album „Ancestor Boy“ ist bei ihren eigenen Label Concordia (!K7 / Indigo) erschienen.

Und wie sie selbst ist ihre Musik, sind ihre Bilder Nomaden zwischen den Welten, das Woher und das Wohin im Gepäck, und immer auf der Suche nach Identität und Gemeinsamkeit. Lafawndah heißt eigentlich Yasmin Dubois, lebt in New York, hat Wurzeln in Ägypten, Großbritannien und dem Iran, ist aufgewachsen in Teheran und Paris, wo sie Kunstgeschichte studierte. Nach dem Abschluss ging sie nach New York, zwischendurch arbeitete sie auch in Mexiko. „Ancestor“, das ist der Vorfahr. In ihrem Album „Ancestor Boy“ macht sie sich auf einen Weg, der sehr weiblich ist, körperlich, intim und opulent, aber gleichzeitig entschlossen und politisch. Christine and the Queens, die sich jetzt Chris nennt, ist auch so eine Suchende, FKA Twigs eine mögliche Referenz. Und Yasmine Hamdan könnte eine Schwester im Geiste sein.

„Ich wuchs mit nicht-westlicher Musik auf. Popmusik ist also das Exotische für mich.“

Lafawndah

Der Gegenpol zum mystisch-beschwörenden Ambient-Song „Joseph“ und die Fortsetzung der Geschichte ist das rhythmisch geschärfte und vertrackte „Daddy“. Was tragen wir von unseren Eltern in uns? Die Lippen, die Haare, die Schatten unter den Augen „like low echoes of yours“ – wie schwache Echos der deinen. Aber da ist noch etwas, „Fear eats the soul, leaves a flavour“ – Angst frisst die Seele, hinterlässt ihren Nachgeschmack. „Daddy“ sei ein Song über Familiengeheimnisse, so Lafawndah, „über das, was Du behältst und das, was Du ziehen lässt, weil es den Menschen gehört, die Dich gemacht haben“.

Lafawndahs „Ancestor Boy“

  • Kritikerstimmen:

    „Dem Zeitgeist ein Stück voraus“ (laut.de); „Alles an diesem aufregenden Debüt ist ein Statement“ (Der Spiegel); „Der perfekte Soundtrack globalisierter Internetkultur“ (Musikexpress); „Experimentell, betörend, feminin“ (Bayern2)

  • Album:

    „Ancestor Boy“ ist für ca. 15 Euro (CD) bei Concordia / !K7 / Indigo erschienen.

Bildsprache und musikalischer Ausdruck sind bei Lafawndah eins. Foto: Mathilde Agius
Bildsprache und musikalischer Ausdruck sind bei Lafawndah eins. Foto: Mathilde Agius

Form folgt Funktion und umgekehrt. Lafawndah intoniert die Emotion jedes einzelnen Songs mit ihrer Stimme so präzise, dass die Texte zurücktreten dürfen. Es sind auch tanzbare Stücke dabei, „Watermark“ etwa, oder „Tourist“. Drum’n’Base, Neo-Soul, Techno, Electro, Modern Pop – Lafawndahs Klang- und auch ihre Bildsprache sind ein Panoptikum. Nostalgisch und fantastisch, traditionell und zugleich sehr modern sprengt sie die Schublade, in die Grenzgängerinnen gerne gesteckt werden: „Weltmusik“, das ist für ein so umfassendes und umwerfendes Konzept eine Nummer zu klein. „Ich wuchs mit nicht-westlicher Musik auf. Popmusik ist also das Exotische für mich“, sagte sie 2016 dem Guardian. Das erklärt eigentlich alles.

Hier hören und sehen Sie Stück „Joseph“ im Video:

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