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Kultur
Mittwoch, 15. August 2018 26° 6

Konzert

Leichtfüßige Virtuosität in Neumarkt

Die Amsterdam Sinfonietta und Klarinettist Andreas Ottensamer überzeugen im Reitstadel mit Dynamik und Gestaltungswillen.
Von Andreas Meixner

Das Ensemble spielte in Neumarkt im Stehen. Foto: Borggreve
Das Ensemble spielte in Neumarkt im Stehen. Foto: Borggreve

Neumarkt.Der erste Moment des Konzerts der Amsterdam Sinfonietta im Neumarkter Reitstadel gehörte ganz der Musik von Erich Wolfgang Korngold. Es scheint, als würde seine wunderbare Musik zunehmend als besondere Würze klassischer Konzertprogramme verstanden werden. Das Lento religioso aus seiner sinfonischen Serenade für Streichorchester in B-Dur op. 39 verzauberte mit seiner ruhig fließenden Feierlichkeit und choralartigen Zitaten so sehr, dass man gerne mehr von dem emigrierten Komponisten gehört hätte.

In Amerika machte Korngold eine große Karriere als Filmmusik-Komponist, wurde dafür mit zwei Oscars ausgezeichnet, tat sich jedoch nach dem Ende des zweiten Weltkriegs schwer, als seriöser Tonschöpfer in der Heimat wieder Fuß zu fassen.

Unter der Leitung der Konzertmeisterin Candida Thompson zeigte das Streicherensemble schon in diesem kurzen Stück seine Homogenität, aber auch den Gestaltungswillen. Das im Stehen spielende Ensemble wirkte durch das individuelle, körperliche Engagement ungemein organisch. Die Lebendigkeit des gemeinsamen Ausdrucks wurde auch visuell erlebbar.

Zusammen mit dem Solisten des Abends, Klarinettist Andreas Ottensamer, gaben sie der Partitur des Klarinettenkonzerts in Es-Dur von Carl Stamitz eine Frische und gestalterische Raffinesse, die weit über das normale Maß an dynamischen Effekten hinausging und den virtuosen Girlanden des Klarinettenparts eine ebenbürtige Grundierung schenkte. Allenfalls taten sich die hinzugekommenen vier Bläser (zwei Hörner und zwei Flöten) etwas schwer, sich mit der Intonation ihrer Instrumente einzufinden.

Ottensamers Spiel ist dagegen makellos und wirkt zugleich sympathisch handfest und bodenständig. Dennoch pflückt er Töne aus dem Nichts, forciert den Klang seines Instruments, ohne lärmend zu werden. Zuvor war noch das anmutige Adagio für Klarinette und Streicher von Heinrich Joseph Baermann zu hören, das lange Zeit als verschollen galt und später fälschlicherweise dem jungen Richard Wagner zuerkannt wurde.

Die Amsterdam Sinfonietta begeisterte nach der Pause mit einem gelungenen Arrangement des Brahm’schen Streichquintetts Nr. 2 in G-Dur für Streichorchester. Die große Klangfülle blieb stets leicht und flexibel, schenkte dem Werk an manchen Stellen aber auch eine neue Dichte. Weitere Bearbeitungen der ungarischen Tänze Nr. 7 und 21 von Brahms für Klarinette und Streicher wirkten im Zusammenspiel deutlich volkstümlicher als im Original, unterhaltsam war es allemal.

Zwei Stücke des jüdisch-ungarischen Komponisten Leó Weiner bildeten das launige Finale eines Konzerts, dessen Qualität leichtfüßig daherkam. Über die Kurzweiligkeit des Programms konnte man mit Blick auf das anspruchsvolle Repertoire nur staunen. Dennoch blieb am Ende der Wunsch nach mehr Originalwerken, zumal es daran nicht gemangelt hätte.

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