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Klassik

Leidenschaftlich und technisch makellos

Das Orbis Trio aus Prag begeistert mit seinem Konzert bei den Max-Reger-Tagen in Weiden. Das Programm war klug gewählt.
Von Andreas Meixner, MZ

Wuchtig, dann wieder ungemein verspielt: Das Orbis Trio begeisterte in Weiden
Wuchtig, dann wieder ungemein verspielt: Das Orbis Trio begeisterte in Weiden Foto: Meixner

Weiden.Der strenge, fast unleidige Blick von Max Reger, dessen Büste im Alten Rathaus von Weiden an prominenter Stelle in der Wand eingefasst ist, lässt erahnen, welch ein querköpfiger und eigenwilliger Charakter er gewesen sein muss. Aber das Konzert des Orbis Trio aus Prag hätte ihm sicherlich gefallen: Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „Max Reger und die tschechische Musik“ gelang am Mittwochabend ein interessanter und kurzweiliger Brückenschlag zu Komponisten, die in verschiedenster Form mit Reger in Verbindung standen, teils mit ihm befreundet waren.

Prof. Dr. Susanne Popp, Leiterin des Max-Reger-Instituts in Karlsruhe, verstand es in kurzweiligen Werkeinführungen, die enge Verknüpfung Regers mit der internationalen Musikszene deutlich zu machen: Er war alles andere als ein grantiger Oberpfälzer Solitär.

Am Anfang stand das Klaviertrio „Bergerettes H. 275“ von Bohuslav Martinu (1890-1959). Durchsichtige, fein rhythmisierte Themen durchziehen die fünf Sätze, die er am Vorabend des zweiten Weltkriegs in Paris komponierte. Josef Suks (1874-1935) kurze, ruhig fließende Elegie (komponiert als Trauermusik für den tschechischen Dichter Julius Zeyer) bildete den passenden Kontrast zum anschließenden „April preludes“, op. 13 der viel zu früh verstorbenen Komponistin Vítezslava Kaprálová (1915-1940).

Klare und schnörkellose Interpretation

Moderner, avantgardistischer wirkte im direkten Vergleich das kurze Werk der Martinu-Schülerin, die nach dem Krieg zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Das Orbis Trio erwies sich bis dahin schon als idealer Interpret der Musik aus Böhmen.

Es scheint, als brauche es eine innere Verbindung und slawische Seele, um dieser Klangwelt annähernd gerecht zu werden. Vor allem darin konnten die jungen Musiker vollends überzeugen. Leidenschaftlich und erzählerisch bewegten sie sich – technisch makellos – durch die Farben und Stimmungsbilder der Sätze aus verschiedensten Federn.

Als zum Ende des Konzertes Regers berühmtes und mächtiges Klaviertrio e-Moll, op. 102 erklang, blühte die in allen Belangen anspruchsvolle Partitur unter der klaren und schnörkellosen Interpretation des Orbis Trio förmlich auf, verzauberte mit wuchtigen, dann wieder ungemein verspielten Themen.

Das Konzept, Max Reger in fein ausgewählten Gegenüberstellungen als Komponisten von Rang herauszustellen, ging dank einer klugen und durchdachten Programmauswahl vollends auf. Während das Publikum am Ende des Konzerts kräftig applaudierte, hatte man fast den Eindruck, die Büste des Meisters würde doch ein wenig lächeln.

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