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Kultur
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Theater

Letzter Tanz von Eric Gauthier in Stuttgart

Niemals geht man so ganz: Eric Gauthier, einst Publikumsliebling des Stuttgarter Balletts und inzwischen erfolgreicher Kompaniechef, nimmt mit dem Soloabend „The Gift“ Abschied von der Bühne. Für wie lange?
Von Roland Böhm, dpa

  • Eric Gauthier, Tänzer und Leiter der Companie Gauthier Dance, verabschiedet sich. Foto: Bernd Weissbrod
  • Eric Gauthier, Tänzer und Leiter der Companie Gauthier Dance, bei Proben für das Stück „The Gift“. Foto: Bernd Weissbrod

Stuttgart.Es ist ein spezieller Moment in Moskau, nach dem der Stuttgarter Tänzer Eric Gauthier eigentlich nicht mehr als Performer auf die Bühne will. 20 Minuten steht er im Duett mit der Ballerina Diana Vishneva auf der Bolschoi-Bühne.

„Im Flieger zurück war mir klar: Diesen Moment wirst du nicht mehr toppen. Es ist gut, lass es jetzt.“ Drei Jahre ist das her, doch vor anderthalb Jahren sei „das Kribbeln“ zurückgekommen, sagt der smarte Kanadier. Und so konzipiert er das Soloprogramm „The Gift“.

Am Mittwochabend startet er mit der Uraufführung sozusagen seine ganz persönliche Abschiedstournee. Wie lange die dauert, weiß noch keiner. Doch danach soll Schluss sein. Wirklich. Ob er das selbst glaubt?

Gedacht sei das Stück als eine Art „letzter Streich“. Vor allem, um seinem Publikum in Stuttgart und anderswo Tschüss zu sagen. Und Danke. Choreograph und Freund Itzik Galili habe eine Mischung aus Humor und Melancholie zusammengestellt. Eine selbstreflektierende Reise sei entstanden. „Ich bin nicht nur der Sunnyboy, der die Welt immer positiv sieht. Es gibt auch Zweifel“, erklärt der 41 Jahre alte Gauthier die Idee hinter dem Programm. „Wie tickt Eric innerlich?“

Geboren wird er 1977 in Montreal, wo er auch zum Tänzer ausgebildet wird. Tanz, Musik und Gesang studiert er an der National Ballet School in Toronto. Es ist eine Kanada-Connection, die ihn 1996 ins Schwäbische bringt: Als Landsmann Reid Anderson 1996 die Leitung des renommierten Stuttgarter Balletts übernimmt, holt er Gauthier als Tänzer. Über ihn findet er den Weg zur Choreographie.

Anderson weist ihm auch seinen Platz auf der Bühne zu: „Romeo, das bist du nicht“, soll er gesagt haben, als er ihm die Traumrolle verwehrt. In der Tragödie „Romeo und Julia“ solle er lieber den frechen Mercutio tanzen. Der dreifache Vater Gauthier bezeichnet Anderson heute als „großes Vorbild“ - weil er ehrlich gewesen sei.

„Ich war immer der Kleinste und dann irgendwann der Charlie Chaplin des Stuttgarters Balletts“, sagt Gauthier über seine Zeit beim Staatsballett. Den Romeo tanzt damals statt seiner Tamas Detrich, bald Nachfolger von Anderson. Detrich erinnert sich an „sehr schöne, unvergessliche Momente“ mit Gauthier auf der Bühne. Den Solo-Abend lasse er sich nicht entgehen: „Der Abschied von der Bühne ist immer ein ehrwürdiger Moment im Leben eines jeden Tänzers.“

Rollen „mit einem Touch an Schauspielerei“ seien immer seins gewesen, sagt Gauthier. Als der Publikumsliebling des Stuttgarter Balletts 2008 dort Schluss macht, ist die Zukunft längst gestaltet: Die eigene Tanzkompanie „Gauthier Dance“ ist gegründet, mit zunächst sechs Tänzern, angeschlossen ans Theaterhaus Stuttgart. Die Kompanie wächst auf 16 Tänzer, jedoch wird es auch mal knapp. Gerade noch rechtzeitig kommen die Preise und damit die Hilfen durch Land und Stadt. Inzwischen ist „GD“ eine der angesehensten Kompanien des Landes, reist kreuz und quer über den Globus.

Gauthier gefällt es besonders, als jemand ihn mit dem Fernsehkoch Jamie Oliver vergleicht. Oliver bringe die Leute zum Kochen, Gauthier zum Tanz. „Das gefällt mir“, sagt Gauthier. Den Titel seines 70-minütigen Abschiedssolos - „The Gift“ - mit eigener Musik erklärt der Kanadier so: „Das größte Geschenk der Welt ist das Leben, klar. Aber ich habe so viele Geschenke mehr bekommen: Ich spiele Musik, bin Sänger von einer Band. Ich bin Vater, bin Mann, bin ein guter Tänzer, relativ okay beim Moderieren. Und Animateur bin ich auch.“

Aber wird „The Gift“ tatsächlich sein Bühnenabschied? Eric Gauthier antwortet mit zunächst mit einem für ihn so typischem verschmitzten Lächeln. Dann sagt er: „Für Tänzer gibt es ja keine Grenze, solange er seinem Image nicht schadet.“

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