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Electro-Pop

Liebesbrief an den „Hotspot“ Berlin

Nun haben auch die Pet Shop Boys in den Hansa Studios eine starke Platte gemacht. Sie ist ein Kompliment an die Stadt.
Von Werner Herpell

Die Pet Shop Boys: Neil Tennant (links) und Chris Lowe  Foto: Britta Pedersen/dpa/picture alliance
Die Pet Shop Boys: Neil Tennant (links) und Chris Lowe Foto: Britta Pedersen/dpa/picture alliance

Berlin.David Bowie hat es getan, aber auch Depeche Mode und U2. Die Berlin-Alben dieser Pop-Ikonen – „Heroes“ (1977), „Some Great Reward“ (1984), „Achtung Baby“ (1991) – gehören zu ihren besten. Nun reihen sich auch die Pet Shop Boys bei den großen Musikern ein, die von der Atmosphäre der (längst legendären) Hansa Studios am Potsdamer Platz zu einer gelungenen Platte inspiriert wurden.

Ob „Hotspot“ auch ein Klassiker wird, muss sich zeigen. Die zehn Track enthalten alles, was Fans des englischen Elektropop-Duos lieben: eingängige Melodien zwischen Dancefloor-Euphorie („Happy People“) und nachmitternächtlicher Melancholie („Only The Dark“), treibende House-Beats, liebevolle Großraumdisco-Zitate („Monkey Business“), bittersüße Balladen und Texte voll schlauer Ironie, mit viel schwulem Selbst- und Stilbewusstsein.

Pet Shop Boys: „Hotspot“

  • Kurios:

    Der Song „Wedding In Berlin“ zitiert den Hochzeitsmarsch von Felix Mendelssohn Bartholdy und war für die Hochzeit eines Freundes gedacht.

  • Live:

    u. a. am 1.5. in Berlin und am 19.5. in München

  • Album:

    „Hotspot“ bei X2 Recordings (Rough Trade); CD ca. 14, MP3 ca. 10, LP ca. 24 Euro.

Das Album „Hotspot“ von den Pet Shop Boys ist bei X2 Recordings Ltd (Rough Trade) erschienen.
Das Album „Hotspot“ von den Pet Shop Boys ist bei X2 Recordings Ltd (Rough Trade) erschienen.

„Very sophisticated“, wie der Brite sagt – also sehr weltklug und elegant. Man fühlt sich an die Pet Shop Boys der 80er und 90er Jahren erinnert, als Sänger Neil Tennant und Tastenzauberer Chris Lowe mit Welthits wie „West End Girls“, „Suburbia“ und „It’s A Sin“ die Tanzflächen beherrschten. Die zugehörigen Studioplatten, von „Please“ (1986) bis „Bilingual“ (1996), werden bis heute als perfekter Pop gerühmt. Rund 100 Millionen Tonträger sollen die Pet Shop Boys seit ihrer Gründung vor fast 40 Jahren verkauft haben.

Die Bühnenshows und Kostüme der Pet Shop Boys sind exzentrisch – wie hier bei ihrem Auftritt in der Schweiz beim Montreux Jazz Festivals Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa
Die Bühnenshows und Kostüme der Pet Shop Boys sind exzentrisch – wie hier bei ihrem Auftritt in der Schweiz beim Montreux Jazz Festivals Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Nun also „Hotspot“, das mit dem Starproduzenten Stuart Price aufgenommene „Berlin-Album“ der beiden gut gealterten „Jungs aus der Tierhandlung“. Der Titel dürfte nicht zufällig gewählt sein, denn Tennant (65) und Lowe (60) schätzen die deutsche Hauptstadt als besonders „heißen Ort“ unter den europäischen Metropolen. Im peitschenden Opener „Will O The Wisp“ ist eine weibliche Ansagestimme der U-Bahn-Station „Hallesches Tor“ zu hören; in den Songzeilen des Schmusesongs „You Are The One“ über eine Berlin-Romanze tauchen „Mitte“ und „Warschauer Straße“ auf; das Video zur Single „Dreamland“ wurde unter dem Alexanderplatz gefilmt.

„Wir mögen Berlin sehr, das ist ein sehr produktiver Ort für uns.“

Neil Tennant, Sänger der Pet Shop Boys

Im Interview schwärmt Tennant: „Vor zehn Jahren haben wir ein Apartment in Berlin gekauft. Und wir haben da Songs geschrieben. Wir mögen Berlin also sehr, das ist ein sehr produktiver Ort für uns.“ Zudem sei das Leben in Berlin im Vergleich zu London angenehm entschleunigt. „Es gibt dort mehr Fläche für viel weniger Menschen, und es ist sehr grün. In 20 Taxi-Minuten sind wir von unserem Apartment aus an einem See. Und wir lieben auch die Musikszene, die vielen kleinen Clubs an der Warschauer Straße, die Galerien, das Herumflanieren.“

Lesen Sie auch das Interview mit Neil Tennant:

Musik

Neil Tennant: Die Pet Shop Boys machen ihr eigenes Ding

Ihr erster Hit „West End Girls“ handelte von London. Rund 35 Jahre später feiern die Pet Shop Boys nun die deutsche Hauptstadt als „Hotspot“. Sänger Neil Tennant spricht im dpa-Interview über Berlin und Bowie, das neue Album und eine lange Pop-Karriere.

Als es darum ging, nach „Electric“ (2013) und „Super“ (2016) das dritte Album einer Trilogie mit rein elektronischen Platten zu produzieren, wurde Produzent Price von Los Angeles in die Hansa Studios gelotst. Die neue Umgebung beeinflusste den im besten Sinne nostalgischen Synthiepop-Sound von „Hotspot“. Das Album sei „ganz anders geworden“ als die beiden Vorgänger, sagt Tennant – und es klinge „wie ein Liebesbrief an die Stadt“.

So sehr die Pet Shop Boys auch heute noch für ihre Verdienste um eine smarte, kultivierte Tanzmusik geliebt werden – an der Spitze der Bewegung stehen sie logischerweise nicht mehr. Für Tennant kein Problem: „Wenn man die neue Platte hört – ich denke, man merkt ihr nicht an, dass sie von zwei Männern in ihren Sechzigern gemacht wurde, oder? Das ist doch schon mal eine tolle Sache.“

Im Video zu „Dreamland“ spielt der U-Bahnhof Alexanderplatz die optische Hauptrolle:

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