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Köfering

Lieder über Weltschmerz und Liebesleid

Katja Stuber führt das Konzertprogramm ein mit den Worten „Es wird lamentiert, geschimpft, geweint, geklagt: Viel Vergnügen beziehungsweise fröhliches Leiden.
Von Claudia Böckel

Katja Stuber, Lisa Albinger und Stefan Baier in der Bibliothek von Schloss Köfering Foto: Böckel
Katja Stuber, Lisa Albinger und Stefan Baier in der Bibliothek von Schloss Köfering Foto: Böckel

Köfering.„ Lamento-Kompositionen sind zu hören im Konzert des Musikförderkreises Köfering-Neutraubling. Das Ensemble kommt von der Hochschule für Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg. Der Rektor, Stefan Baier, sitzt am Cembalo und an der Truhenorgel. Beide Instrumente fügen sich in ihrer weinroten Farbe aufs Beste in die Räume ein. Am Barockcello sitzt Lisa Albinger, Absolventin des Musikpädagogik-Studienganges. Und es singt eben Katja Stuber, geboren in Roding, studiert in München und Saarbrücken, Solistin an verschiedenen Theatern, zu Gast auch bei den Festspielen in Bayreuth und Salzburg, Dozentin für Gesang an der Regensburger Hochschule.

Lamento-Kompositionen gibt es viele in der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Typisches Merkmal dafür ist eine diatonisch oder chromatisch absteigende Basslinie über vier Töne, der sogenannte Passus duriusculus. Oft bildet diese Linie den ostinato-Bass eines ganzen Stückes, wie zum Beispiel bei der Zugabe des Abends, Henry Purcells „Evening Hymn“. Die Klage ist in der Auffassung der Barockzeit der wichtigste Affekt, in jeder Oper gibt es Klagearien, oft auch Kompositionen, die zum Tode eines Herrschers entstanden.

Johann Jakob Froberger schrieb ein Lamento für Cembalo solo zum Tode Ferdinands IV. Baier legte viel Ausdruck und Emotion in diese Komposition, bei der am Schluss der Sterbende die Himmelsleiter in Form einer aufsteigenden C-Dur-Tonleiter erklimmt.

Die Akustik der Bibliothek kam den Musikern nicht wirklich entgegen. Katja Stuber musste viel arbeiten, um Klang zu entwickeln. Die beiden großen Arien von Händel wirkten zwar durchaus dramatisch, aber noch ein wenig flach. Porporas „Lascia mi alla mia sorte“ und Claudio Monteverdis „Ohime, chìo cado“ – „Wehe mir, ich falle“ dagegen waren schön ausmusiziert. Frühbarocke Verzierungen wie der Trillo und andere Finessen entwickelten sich hier in frei ausschwingenden Kantilenen über getupften, bewegten basso-continuo-Linien. Lisa Albinger kam mit den schnellen Sätzen ihrer beiden Sonaten von Antonio Vivaldi und Domenico Gabrielli gut zurecht, wirkte im Continuospiel aber manchmal ein wenig blass.

Mit diesem Barockkonzert in Köfering endet die vierjährige, erfolgreiche Tätigkeit des künstlerischen Leiters Andreas Meixner. Man darf gespannt sein, wie es in der nächsten Saison weitergehen wird. Sieben Konzerte wurden bereits angekündigt: ein Klavierabend mit Lukas Klotz, das renommierte Minguet-Quartett, dazu barockes Musiktheater, ein Bläser-Quintett, das Regensburger Kammerorchester und zwei kleinere kammermusikalische Ensembles. (moe)

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