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Liedkunst voll düsterem Pessimismus

Markus Flaig und Jörg Schweinbenz gastierten beim Musikförderkreis Köfering-Neutraubling: mit Werken von Hugo Wolf.
Von Claudia Böckel, MZ

Markus Flaig gastierte beim Musikförderkreis Köfering-Neutraubling, mit Jörg Schweinbenz am Klavier.
Markus Flaig gastierte beim Musikförderkreis Köfering-Neutraubling, mit Jörg Schweinbenz am Klavier. Foto: Edwin Schicker

Neutraubling.Nur ein überschaubares Häuflein Interessierter hatte den Weg zum ersten Konzert in der Reihe des Musikförderkreises Köfering-Neutraubling gefunden. Lied zieht nicht. Das ist der Tenor der Konzertveranstalter und der Grund dafür, dass es immer weniger Liederabende im Konzertleben gibt. Wie schade.

Wie reich und unterschiedlich Hugo Wolfs Liedschaffen ist, davon konnte man sich beim Liederabend mit Bassbariton Markus Flaig und Jörg Schweinbenz am Klavier überzeugen. Für Wolf galt: Word first. Begeistert wählte er erstklassige literarische Vorlagen, rezitierte die Texte viele Male, bis sich deren Extrakt in einer musikalischen Idee entlud. Nur in Ausnahmefällen, etwa in den Harfnerliedern, verwendete er Texte, die Schubert oder Schumann schon vor ihm vertont hatten. Erstaunlich dennoch, dass gerade diese drei Lieder, allen voran das „Wer sich der Einsamkeit ergibt“, das intensivste Erlebnis dieses Konzerts boten.

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Dramatisch, mit großem Bogen interpretierte man hier Goethes Gesänge des Harfners aus „Wilhelm Meister“. Spannende Klavierübergänge standen neben klarer Textausdeutung und verinnerlichter Gestalt. Textverständlichkeit scheint Flaigs oberste Maxime zu sein. Sehr klar kommen die Inhalte rüber, aber die feinen Nuancen, die Abschattierungen, die Wolfs Musik ausmachen, blieben oft blass. Tiefer, düsterer Pessimismus ist den drei Liedern nach Michelangelo Buonarotti eigen. Reduzierte musikalische Mittel, einfache Struktur, klangliche Askese, Gefühlsernst zeichnet sie aus. Wenig Helles gab es da zu hören, auch im Klavier nur wenig Farbiges. Kein Wunder, geht es doch um Vergänglichkeit und Nichtigkeit des Irdischen. Aber auch bei den eher lockeren Gesängen des Spanischen Liederbuches wollte kein rechtes Schwingen aufkommen, blieb die Stimmung gedeckt, Feinheiten im musikalischen Ablauf höchstens angedeutet. Man hörte die intensive Beschäftigung der beiden Musiker mit diesen Liederzyklen, aber manchmal hätte ein wenig mehr Freiheit, weniger Kontrolle doch gutgetan.

Zwischen die Liedblöcke setzte Jörg Schweinbenz zwei Klavierimprovisationen unterschiedlicher Stilistik, die mal mit großer Linie das Romantische herauskehrten, beim zweiten Mal eher minimalistisch Wolf-Motivik verarbeiteten.

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