mz_logo

Kultur
Montag, 18. Juni 2018 26° 2

Projekt

Literaten schnüren die Wanderstiefel

Der Schriftstellerverband Ostbayern bewegt sich. Gemeinsam mit tschechischen Autoren geht es in zehn Etappen nach Pilsen.
Von Stephan Grotz, MZ

Die Planungsgruppe des VS Ostbayern mit (von links) Rolf Stemmle, Sabine Rädisch, Elfi Hartenstein, Marita A. Panzer, Carola Kupfer und Barbara Krohn.
Die Planungsgruppe des VS Ostbayern mit (von links) Rolf Stemmle, Sabine Rädisch, Elfi Hartenstein, Marita A. Panzer, Carola Kupfer und Barbara Krohn. Foto: VS Ostbayern

Regensburg.Francesco Petrarca aus Arezzo war der erste Dichter, der es machte. Ihn drängt es im Jahr 1336 in die Natur, einfach so, „aus purem Verlangen“. Seine Erfahrungen verarbeitet Petrarca zu einem berühmten Text: „Die Besteigung des Mont Ventoux“. Das Genre der literarischen Reise ist geboren. Unzählige Dichter und Denker sind bis zum heutigen Tag in Petrarcas Spuren gewandert.

Der Verband deutscher Schriftsteller Ostbayern und seine Vorsitzende Marita A. Panzer befinden sich also in bester Gesellschaft bei ihrem neuesten Projekt „Literatur in Wanderstiefeln – über Grenzen hinweg“. Zehn Tage lang, vom 18. bis 27. September, wandern Autoren aus Ostbayern und aus der Region Pilsen in zehn Etappen von Regensburg nach Pilsen. Der äußere Anlass ist ein doppelter: 2015 ist Pilsen, eine Partnerstadt von Regensburg, Kulturhauptstadt. Und seit genau 20 Jahren verbindet den Schriftstellerverband Ostbayern mit dem Zentrum westböhmischer Schriftsteller ein reger Austausch.

Die Idee zur Wanderung brachte Marita Panzer ganz unverbindlich bei der Planung zum Regensburger Jahresprogramm „Kulturhauptstadt Pilsen 2015“ ins Spiel. Dass ihr Vorschlag aus über 120 Eingaben unter den restlichen 15 verblieb, hat Marita Panzer dann doch überrascht. „Literatur ist ja etwas, was leise daherkommt“, sagt sie im Gespräch. Als es dann ernst wurde mit der konkreten Planung, waren „auch die Kollegen angetan“.

Jeden Abend eine Lesung

Für jede Etappe übernehmen jeweils eine bis drei Personen aus der hiesigen schreibenden Zunft die Organisation und Leitung. Ab der Landesgrenze sind dann tschechische Autoren dran. „Möglichst viel wird jedoch von Anfang an zweisprachig sein“, betont Panzer. Auch der Blog, der die Begebenheiten auf der Wanderung in Echtzeit festhält.

Mit Poesie nach Pilsen

  • Im Blog dabei:

    Die Literatur-Wanderer sind zehn Tage lang unterwegs, vom 18. bis 27. September. Einige Teilnehmer werden auf ihrer Tour bloggen. Auf der Homepage der Mittelbayerischen Zeitung kann man das Projekt im Newsblog begleiten.Regisseur Eric Grun will Szenen des Projekts auch filmisch dokumentieren.

  • Alle Details:

    Das detaillierte Programm findet sich unter www.vs-ostbayern.de. Die Busfahrt nach Pilsen startet am Sonntag, 27. September, 7 Uhr am Bahnhof Regenstauf, der Ausflug kostet (inkl. deutschsprachiger Stadtführung) 20 Euro; Anmeldung: (0 94 02) 17 98.

Anders als Petrarca hoffen Panzer und ihre Kollegen auf möglichst viel Begleitung: „Es noch völlig offen, wie viele mit uns mitgehen. Ob für die ganze Strecke oder nur für einen halben Tag – jeder darf sich eingeladen fühlen.“ Fest zugesagt hat bereits der Regensburger Filmemacher Erik Grun, der die Reise dokumentiert.

Abwechslungsreich soll es jedenfalls werden, die sture Leibesertüchtigung steht nicht im Vordergrund. Alle Etappen sind so geplant, dass genug Zeit für Gespräche unterwegs, für Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten und für die mittägliche Einkehr im Wirtshaus bleibt. Allabendlicher Höhepunkt ist jedoch die Lesung, die in der Regel die Etappen-Verantwortlichen, zusammen mit weiteren Schriftstellerkollegen, bei freiem Eintritt bestreiten. „Die Lesungen finden an unterschiedlichen, aber immer interessanten Orten statt“, verrät Panzer. Gleich die Start-Route wartet mit einem Schmankerl auf: Graf von Ledebur stellt sein Schloss Ramspau zur Verfügung und führt anschließend die Gäste durch sein Domizil.

Ein Begleitwagen für Fußlahme

Um Übernachtung und Verpflegung muss sich zwar jeder selbst kümmern, was aber in der Nachsaison undramatisch werden dürfte. „Selbst Buchungen vor Ort werden kein Problem sein“, ist sich Panzer sicher. Für das Gepäck, aber auch für Fußlahme steht ein Begleitwagen zur Verfügung.

Besonders freut Marita Panzer ein spontanes Angebot des Tourismusvereins Regental. Der bietet für Interessierte eine Busfahrt zur Abschlusslesung in Pilsen an. Danach sieht das Programm bloß noch eine „letzte gemeinsame Wanderung“ vor. Und die kann in der Stadt, wo das Pilsener Bier erfunden wurde, nur in eine Bierstube führen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht