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Premiere

Lüpertz’ Kulisse befeuert das Spiel

„Una cosa rara“ in Regensburg: Die Inszenierung von Andreas Baesler, mit Bühnenbild von Lüpertz, setzt die Oper ideal um.
Von Claudia Böckel

Markus Lüpertz gestaltete die Bühnenbilder und die Kostüme, in denen Jongmin Yoon, Mario Klein und Sara-Maria Saalmann auftreten.Foto: Martin Sigmund
Markus Lüpertz gestaltete die Bühnenbilder und die Kostüme, in denen Jongmin Yoon, Mario Klein und Sara-Maria Saalmann auftreten.Foto: Martin Sigmund

Regensburg.Was diese Produktion zum Ereignis macht, sind tatsächlich die Bühnenbilder und die Kostümgestaltung des Malerfürsten Markus Lüpertz. Völlig klar, dass er auch in der Fürstenloge seinen Platz gefunden hatte, um sich die Oper „Un cosa rara“ des spanischen Komponisten Vicente Martín y Soler am Theater Regensburg anzusehen: all die vorbeifahrenden Wildsauen, vom Eber bis zum Frischling, immer mit gemaltem Haltegriff oben am Rücken, die die Jagdszenen zu Beginn und zum Ende der Oper bebildern, all die Schafein verschiedensten Größen, die vermeintlich friedliche Schäferszenen umrahmen, all die wilden Wälder im Kulissenhintergrund, die die Naturnähe des Sujets nochmal bekräftigen und in verschiedenen Farben zu leuchten beginnen.

Kulissenhaft wirkt das alles, es will keine Realität vorgaukeln, sondern das Spiel befeuern, dem Spieltrieb der Sänger Raum geben. Die Bühne setzt das Ganze auf eine Metaebene, persifliert sowohl die realen Nöte der einfachen Leute, besonders der Mädchen Lilla und Ghita, aber auch die Nöte der Königin Isabella, die das einfache Leben idealisiert. In der Inszenierung von Andreas Baesler und Ruth Groß findet dieses Stück seine ideale Umsetzung.

Schäferin lässt Prinz abblitzen

Der Inhalt der Oper, der einem Stück mit dem Titel „Der Mond der Sierra“ nachempfunden ist, soll hier in den Worten des erfolgreichsten Librettisten des 18. Jahrhunderts, Lorenzo da Pontes, zitiert werden: „Bei einer Jagd in den Gebirgen verliebt sich der Infant von Spanien in eine Schäferin, die, tugendhaft und leidenschaftlich für einen Bergbewohner eingenommen, allen Verführungen des Prinzen widersteht. Ich gab ihm den Titel: ‚Una cosa rara oder Tugend und Schönheit‘, und setzte als Überschrift jene Verse des satirischen Dichters voran: „Die Verbindung von Schönheit mit Schamhaftigkeit ist eine seltene Sache“.

Wir haben Markus Lüpertz bei den Arbeiten am Bühnenbild besucht: Hier mehr.

Kultur

Klarer Fall für Markus Lüpertz

Wildsauen, Faune und dralle Weiber: Der Maler-Dandy stattet für das Regensburger Theater die Oper „Una cosa rara“ aus.

Im Zentrum der Oper steht die Szene VIII im zweiten Akt, Accompagnato und Rondo der Königin zum Thema „Hier wohnt das Glück“. Sinéad Campbell-Wallace hat hier den ganz großen Auftritt, gewandet jetzt in das traditionelle Schwarz des spanischen Hofes. Mit jedem Ritornell ihrer Arie entledigt sie sich mehr dieser Uniform, bis sie am Ende im Hemd dasteht. Diese Szene hat unglaubliche Dramatik, die Sopranistin gestaltet sie innig und führt ihre schöne Stimme in aller Klarheit. Mit Umhang, Mieder und Reifrock verliert sie allerdings auch immer mehr an Contenance. In der Folgeszene hadert ihr Sohn, der Infant (Tenor Angelo Pollak hier ebenfalls in einer Bravourarie, mit herzzerreißenden Seufzern und genial gestalteten Läufen), mit seinem Schicksal, malt, ebenfalls entledigt von Kleid und Perücke, in der Art des oben erwähnten Malerfürsten ein Bild, spielt Lüpertz quasi. Er liebt Lilla, eine Schäferin, die vor ihm flieht.

Markus Lüpertz in Regensburg: Beim Aschermittwoch der Künstler wurde bekannt, dass er ein Bühnenbild entwerfen wird.

Auch die Folgeszenen mit dem Sextett, dem raffinierte, minimale Tanz- und Flamencoszenen integriert sind, dem Duettino von Lilla und ihrer Freundin Ghita (sehr ausdrucksvoll Sara-Maria Saalmann), der wilden Arie des Schäfers Tita, in der Mario Klein brilliert, und vor allem der Arie der Lilla, die Anna Pisareva genial in Szene setzt, bis hin zum Hochzeitsmahl, das der Infant mit seinem Ständchen stört und dem zauberhaften, an Mozarts „Reich mir die Hand, mein Leben“ erinnerndes Duetto zwischen Lilla und Lubino (Seymur Karimov) wirken in sich geschlossen, entwickeln immenses Tempo. Brent L. Damkier agiert als Corrado und Jongmin Yoon als Bürgermeister.

Kunst von Lüpertz

  • Ausstellung:

    In der Regensburger Galerie „Art Affair“, Neue-Waag-Gasse 2, sind bis 21. November Malerei auf Papier für das Bühnenbild, Figurinen und weitere ausgewählte Einzelstücke des Künstlers Markus Lüpertz zu sehen.

  • Aufführungen:

    Dienstag, 30.10., Donnerstag, 1.11., Sonntag, 18.11., Samstag, 24.11., Donnerstag, 13.12., Sonntag, 13.01., jeweils 19.30 Uhr, im Theater am Bismarckplatz

Die musikalische Leitung liegt in Händen von Christoph Spering, der das Orchester und die Solisten im Sinne historisch informierter Aufführungspraxis anleitet, für straffe Übergänge sorgt, Raum zum Atmen lässt für die Sänger. Das klein besetzte Philharmonische Orchester Regensburg reagiert akkurat, ist bemüht, die musikalischen Linien in ihrer Schlichtheit klar darzustellen. Martín y Soler lässt viele Nummern im Piano beginnen, was dem Zusammenspiel hörbar nicht entgegenkommt. Erst, wenn ein paar Takte später derselbe Einsatz im Forte steht, ist man gut zusammen. Im Finale beginnt das Orchester zu glänzen, treffen sich alle Beteiligten, kommen Castagnetten dazu. „Wie schön sie tanzen und singen“, heißt es da. Dem kann man sich anschließen. Das Publikum spendete viel Beifall und viele Bravos.

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