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Kultur
Sonntag, 19. August 2018 31° 3

Musik

Mächtige Stimme einer starken Frau

Sängerin China Moses brachte das Publikum im Theater Regensburg mit Souljazz, Funk und erotischen Balladen zum Tanzen.
Von Michael Scheiner

China Moses saß nur wenige Minuten auf der Bühne im Theater Regensburg. Meistens war sie in Bewegung und riss das Publikum mit. Foto: Scheiner
China Moses saß nur wenige Minuten auf der Bühne im Theater Regensburg. Meistens war sie in Bewegung und riss das Publikum mit. Foto: Scheiner

Regensburg.Wer sich schütteln muss, wenn er etwas von „Powerfrau“ oder noch schlimmer „Powerfrauen“ hört, war bei China Moses goldrichtig. Der Auftritt der Sängerin mit ihrer Band im Theater Regensburg war die „pure Energie“. Mit dieser Einschätzung unter einem Videoausschnitt auf Facebook war die Autorin nicht lange allein. „Super“ mit riesigem Ausrufezeichen und „das Konzert war der Hammer“ lauten weitere Kommentare. Ähnlich enthusiastische Äußerungen waren auch direkt nach dem Konzert in den Gängen und Foyers des prunkvollen Hauses am Regensburger Bismarckplatz zu hören, quer durch alle Altersgruppen.

Tatsächlich waren es nur wenige Minuten, in denen Moses auf der Bühne nicht in Bewegung war. Da saß sie neben dem Flügel auf einem Barhocker und interpretierte mit rauem Gefühl ruhige Balladen. Aber selbst da hielt es die quirlige Frau nur so lange aus, wie sie selbst sang. Beim ersten Solo eines Bandmitglieds stand sie bereits wieder auf den Beinen und wippte oder tanzte im Takt einer coolen Improvisation.

Kräftig pulsierende Breitseiten

Und von denen gab es einige: Bassist Neil Charles aus London, gleichermaßen findig und vielseitig auf dem akustischen wie dem elektrischen Instrument, feuerte kräftige, pulsierende Breitseiten ab, während der fantastische Trompeter Josiah Woodson mit atemberaubender Coolness komplexe Linien zauberte. Dabei gab der schlanke Musiker, der sich im Theater zudem auf der E-Gitarre als einfühlsamer und stimmungsvoller Sounderfinder erwies, mit einer ikonenhaften Miles-Davis-Pose auch ein eindrucksvolles Bild ab.

Im zweiten Teil stellte sich der litauische Schlagzeuger Marijus Aleksa ebenfalls solistisch als virtuoser, dynamisch zurückgenommener Tempospezialist vor, der mit Trommelwirbeln und Beckenklängen viel zu erzählen hat. Wie der Londoner Joe Armon-Jones, ein eloquenter Pianist, der bis an die Grenze des Freejazz geht, ist Aleksa schon längere Zeit bei Moses. Zusammen bilden sie das musikalische Rückgrat der Band und bieten der Sängerin ein gleichermaßen stabiles wie loderndes Fundament für ihren wandlungsfähigen Gesang.

Entertainerin par excellence

Ausgestattet mit einer mächtigen und ungemein ausdrucksstarken Stimme, könnte Moses sich auch einfach stocksteif hinstellen und würde dennoch überzeugen. Das aber würde ihrem Temperament und dem hochgesteckten Anspruch zu entertainen, ihr Publikum – gut – zu unterhalten, komplett zuwiderlaufen. Die in Paris lebende Amerikanerin ist ein wahres Energiebündel und eine Entertainerin par excellence.

Ursprung und Durchbruch

  • China Moses

    erlebte mit ihrem Tribute-Album „This One’s For Dinah“, das sie mit dem französischen Pianisten Raphael Lemonnier produzierte, ihren Durchbruch. Sie arbeitet auch als Fernsehmoderatorin in Frankreich.

  • Sie ist Tochter

    der Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater und des früh verstorbenen Regisseurs Gilbert Moses. Ihre erste Single „Time“ veröffentlichte sie mit 18 Jahren. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Paris.

Als vortreffliche Interpretin von Songs der großen Dinah Washington machte sie sich vor knapp einem Jahrzehnt schlagartig einen Namen. Mit ihrem letzten Album „Nightingales“, dessen Songs im Mittelpunkt des Jazz-im-Theater-Konzertes standen, verschob sie ihren künstlerischen Fokus. Weg vom reinen Jazz, geht sie seither mit eigenen Songs in Richtung Soulpop, einem harschen Rhythm’n’Blues und funky Jazzsoul, der selbst im gesitteten Musentempel Leute auf die Füße brachte. So schoben in den Rängen einige Zuhörer die lästigen Stühle beiseite und tanzten zu „Disconnected“ und „Watch Out“.

Wurden schon bei China Moses’ ironisch inszeniertem Song „Hangover“ über einen Barbesuch mit zu vielen Drinks Erinnerungen an Janis Joplin mit deren unglaublicher Intensität wach, knüpfte Moses mit der Zugabe direkt an die verehrte Rockikone an. Das ungeduldige „Move over“ über einen inkonsequenten Ex-Liebhaber ist ein frühes feministisches Statement.

Damit passt es entschieden zu China Moses als starker Frau, die trinkt, raucht und gern in Bars ihre Zeit verbringt. Mit hinreißender Intensität und erotischer Leidenschaft singt und erzählt sie in langen Moderationen davon.

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