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Konzert

Manu Dibango – solide wie ein Fels

Der Altmeister der afrikanischen Musik pfeift auf Stil-Schubladen und mischt zusammen, was die Menschen zum Tanzen bringt.
Von Fred Filkorn, MZ

Mit 82 Jahren hat der Kameruner Musiker Manu Dibango eine Best-Of-Platte aufgenommen.
Mit 82 Jahren hat der Kameruner Musiker Manu Dibango eine Best-Of-Platte aufgenommen. Foto: Pascal Thiebaut

München.Es gibt nur wenige Songs aus Afrika, die in den Pop-Kanon eingegangen sind. Miriam Makebas „Pata Pata“ gehört sicherlich dazu. Oder auch das vielfach gecoverte „The Lion Never Sleeps Tonight“ aus der Feder des Südafrikaners Solomon Linda. „Soul Makossa“, Manu Dibangos großer Hit aus dem Jahr 1972, steht vielleicht eine Bekanntheitsstufe darunter. Doch sein Refrain „Mama-se, Mama-sa, Ma-ma-ko-ssa“ wird vielen bekannt vorkommen. Entweder aus Dibangos Originalversion oder als Zitat aus einem Song von Michael Jackson, Rihanna oder Wyclef Jean.

Mit 82 Jahren war es für den kamerunischen Musiker nun an der Zeit, eine Best-Of-Platte aufzunehmen. Mit jungen Begleitmusikern hat er seine alten Hits noch einmal neu arrangiert. Und vor allem live entfalten sie eine Dynamik, der man sich kaum entziehen kann. Am Ende seines zweistündigen Konzertes im Ampere wollten ihn die Fans kaum von der Bühne lassen. Der kleine, intime Club war gut gefüllt mit älteren Semestern. Aber auch der eine oder andere junge Hipster hatte den Weg auf das Muffatgelände am Gasteig gefunden.

Dibango wurde von der UNESCO nicht nur zum Friedensbotschafter ernannt, auch seine Musik schlägt musikkulturelle Brücken. Entlang der afrikanischen Diaspora nimmt Dibango seine Zuhörer mit auf eine Reise, die von Westafrika nach Lateinamerika führt, von einer Karibikinsel auf die nächste springt, um schließlich in heißen afroamerikanischen Jazzkellern zu landen. Sein Sound ist eine Fusion aus der populären kamerunischen Tanzmusik Makossa, westafrikanischem Highlife, kongolesischem Rumba, lateinamerikanischen Cha-Cha-Cha und afroamerikanischen Spielarten wie Funk, Reggae, Hip-Hop oder Bebop-Jazz. Dabei verbinden seine Stücke immer mehrere Stile. Dibangos Musik ist gemacht, um sich zu verändern.

„Solid as a rock“

Dass es hierbei nicht um gefühlsduseliges Ethno-Geschunkel geht, macht seine Begleitband schnell klar, indem sie zunächst ein tightes Jazz-Funk-Gerüst aufbaut. Mit farbenfrohem Afrohemd und goldglitzerndem Saxophon betritt der glatzköpfige Altmeister der afrikanischen Musik dann die Bühne. Dibango strahlt eine gut gelaunte Gelassenheit aus, der selbst eine Erwähnung in den Panama Papers nichts anhaben könnte. „Solid as a Rock“, wie schon Ashford & Simpson sangen.

Aber: ein alter Mann ist kein D-Zug. Deshalb geht die Soul Makossa Gang erst einmal mit smoothem Easy-Listening-Jazz auf Karibik-Kreuzfahrt, die dann jedoch in raue Jazz-Funk-Gewässer steuert. Und da wir schon einmal in der Gegend sind, machen wir einen Abstecher nach Jamaika. Mit hüpfender Orgel wird der Studio-One-Reggae-Klassiker „Full Up“ eingeleitet, der sich zum westafrikanischen Highlife-Groover entwickelt. Klackernde Snaredrum und durchgespielte 4/4-Kuhglocke halten den Puls hoch. Die Musiker sind gut drauf und spielen sich die Bälle zu. Auch Dibango ordnet sich dem Gruppensound unter und lässt nicht den Bandleader-Tyrannen heraushängen. Dezent delegiert, bekommt jeder sein Solo.

Das Ampere wird zur ekstatischen New Yorker Bebop-Hölle

Im nächsten Endlosstück geht ein uptempo Reggae africaine in ein furioses Salsa-Pop-Stück über, das an Gloria Estefan & Miami Sound Machine erinnert. Ihr Mega-Hit „Conga“ beherrschte Mitte der Achtzigerjahre die Radiocharts. Um sich etwas Luft zu verschaffen, ziehen sich die verschwitzten Musiker zurück, um den beiden grazilen Background-Sängerinnen das Spotlight zu überlassen. Unterstützt von filigranem Gitarrenspiel, geben sie eine herzschmelzende Coverversion von Mercedes Sosas „Alfonsina y el mar“ zum Besten.

Um dann die Zügel wieder etwas anzuziehen, liefert sich der überragende Schlagzeuger Jacques Conti Bilong einen äußerst gelungenen Call-and-Response-Schlagabtausch mit dem Publikum. Behände gibt er kurze Rhythmen vor, die die Zuschauer enthusiastisch nachklatschen. Als der Rest der Combo wieder eingestiegen ist, verwandelt sich das Ampere in eine ekstatische New Yorker Bebop-Hölle, in der Dibango sein Saxophon quieken lässt wie eine gesengte Sau.

Und zu guter Letzt, von vielen herbeigesehnt und frenetisch beklatscht, „Soul Makossa“. Aber natürlich in einer weitaus wilderen Version, als die, die man aus dem Radio kennt. Auch mit 82 Jahren hat der große Innovator noch nicht genug.

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