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Regensburg

Marschrhythmik und dunkle Oboen-Klänge

Das Britten Oboe Quartet gastierte beim Musikverein. Der Höhepunkt des Konzerts war Mozarts Oboenquartett
Von Claudia Böckel

Das Ensemble Britten Oboe Quartet hat sich insbesondere Benjamin Brittens frühem Werk angenommen.  Foto: Eric Richmond
Das Ensemble Britten Oboe Quartet hat sich insbesondere Benjamin Brittens frühem Werk angenommen. Foto: Eric Richmond

Regensburg.„Der Brexit ist nicht in unserem Namen“: Das ist der erste Satz der Conférence zum Konzert beim Musikverein mit dem Britten Oboe Quartet. Oboist Nicholas Daniels, gekleidet in eine Art Zaubermantel und schwarze Glitzersneakers, stellt sein 2005 gegründetes Ensemble vor. Mit von der Partie sind die Damen Jacqueline Shave, Violine, Clare Finnimore, Viola, und Caroline Dearnley, Violoncello.

Brittens Phantasy-Quartet op. 2 und Mozarts berühmtes und einziges Quartett für Oboe und Streichtrio F-Dur KV 370 bilden das Rückgrat des Konzertprogramms. Alle anderen Werke moderner Komponisten hatte Daniels verehrte Lehrerin Janet Craxton für ihr eigenes Ensemble in Auftrag gegeben und auch uraufgeführt.

Brittens op. 2, das er als Teenager 1932 für einen Wettbewerb komponierte, beginnt und endet mit dem Cellosolo im Marschrhythmus. Anscheinend inspirierte ihn Strawinskys Geschichte vom Soldaten. In einem Satz, fast opernhaft verlaufend, gliedert sich das Werk in drei Teile. Oft stehen perkussive oder ostinate Elemente in den Streichern weit gespannten Oboen-Kantilenen gegenüber.

Im Mittelteil hatte sich der Auftraggeber der Komposition, Léon Goossens, eine große Pause für die Oboe ausbedungen, damit sich seine „chops“, wie die Oboisten ihre Mundmuskulatur nennen, erholen könnten. So entstand ein zauberhafter Satz für Streichtrio, ruhig und getragen zunächst, dem sich erst nach einiger Zeit die Oboe mit einem langgezogenen hohen Ton wieder zugesellt. Der Schlussteil spiegelt den Beginn. Rhythmisch betont verabschieden sich die einzelnen Stimmen wieder, so, wie sie zu Beginn aufmarschierten.

Sehr versiert und bestens aufeinander eingehend spielten die vier Musiker da. Lennox Berkeleys Quartett von 1967, op. 70, stellte Daniels vor als „sehr grau, sehr langsam, sehr depressiv – wunderbar“. Berkeley war Schüler von Nadja Boulanger in Paris, dem Neoklassizismus verpflichtet. Für die ganze Komposition ist das Intervall der Terz strukturbildend. Intensiv und dunkel eingefärbt waren Oboe und Streichtrio oft pulkartig gegenübergestellt.

Eine andere Farbe brachte Jean Francaix mit seinem Quartett für Englischhorn und Streichtrio (1971) herein, mit dem Klang des tieferen Instrumentes auf Janet Craxtons Stimmklang eingehend. Drei kurze, pfiffige, witzige Sätzchen umrahmen zwei ruhig fließende langsame Sätze. Mit größter Spielfreude und feiner Akkuratesse brachte Britten Oboe Quartet diese Musik zum Klingen. Oliver Knussens Cantata op. 15 ist sehr konzentrierte Musik mit starken Akzenten.

Der Höhepunkt des Konzerts war aber doch Mozarts Oboenquartett: sehr fein dargestellt, raffiniert und sehr genau artikuliert mit einem bezaubernden Adagio als Mittelsatz. (moe)

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