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Kultur
Donnerstag, 21. Juni 2018 29° 8

Musik-Tipp

Âme: Dream House

Das Duo Âme veröffentlicht nach 18 Jahren als DJs den ersten Longplayer. Dass „Dream House“ kein Clubalbum ist, macht nichts.
Von Angelika Sauerer

Frank Wiedemann (links) und Kristian Beyer Foto: Katja Ruge
Frank Wiedemann (links) und Kristian Beyer Foto: Katja Ruge

Vom Club ist es nicht weit zum Kopfhörer. Hier wie dort umgarnt, umarmt, überfällt, verführt die Musik das Individuum quasi körperlich. Widerstand ist zwecklos, keiner kommt aus. Flucht wäre die einzige Alternative, aber wer will schon weg, wenn Frank Wiedemann und Kristian Beyer die Musik machen, was in ihrem Fall heißt: mischen, programmieren, samplen.

Nun hat das international bekannte DJ-Duo Âme, Stars der Clubmusik seit den Nullerjahren, sein erstes Album aufgenommen: „Dream House“, Traumhaus oder Haus der Träume, wie man auch will. Drinnen Phantasiegebilde, die langsam anschwellen, rhythmisch durch die Räume schweben, versunken tanzen, taumelnd kreisen, monoton grooven.

„Dream House“ von Âme
„Dream House“ von Âme

Beyer und Wiedemann trafen sich erstmals 2000 in Beyers Plattenladen „Plattentasche“ in Karlsruhe. Sie hatten die gleichen Vorlieben: Chicago House und Detroit Techno, deutschen Krautrock der 70er, elektroakustische Avantgarde und Minimal Music. Beim Berliner Sonar Kollektiv erschien 2005 ihr Stück „Rej“, das wohl alle kennen, die zu der Zeit in den Clubs unterwegs waren – auch das ein Handstreich des Weniger-ist-mehr. „Fiori“ (2007), „Rrose Sélavy“ (2010) oder „Tatischeff“ (2013) sind weitere Wegmarken eines Duos, das sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen mag, was ja hieße, künstlerisch auf der Stelle zu treten.

Jetzt war anscheinend die Zeit reif für den Longplayer, der durchaus Tanzbares enthält, das aber nicht zwingend vor sich herträgt. Âme haben Gäste dazugeholt: Hans-Joachim Roedelius, auch ein Elektropionier, ebenso wie Matthew Herbert und Gudrun Gut; dazu der Jazz- und Elektronik-affine Songwriter Jens Kuross sowie Planningtorock, eine Sängerin, die ihre Stimme so bearbeitet, dass sie geschlechtlich neutral erscheint.

Die Stimmung im „Dream House“ ist ruhig, dunkel, privat und unermüdlich. Das Prinzip Minimalismus verfängt im Kopfkino ähnlich wie auf der Tanzfläche. Es braucht nicht viel, um den Draht zu den Leuten zu finden, aber das Richtige.

„Dream House“ von Âme ist bei Innervisions (Rough Trade) erschienen; CD ca. 17 Euro, MP3 ca. 14 Euro, Vinyl ca. 26 Euro.

Âme - The Line Feat. Matthew Herbert (Official Video):

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