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Regensburg.

Meditativer Industriemüll: In der Ruhe liegt die Kraft

Die Ausstellung „Bebungen“ zeigt Objekte und Installationen von Tone Schmid in der Sigismundkapelle.

Fitnessgerät, Marterinstrument oder eine Art Waage? Der Künstler Tone Schmid zeigt Kunstwerke, die meditativ anmuten. Foto: Zwicknagel

von Gabriele Mayer, MZ

Der Weidener Tone Schmid ist im Regensburger Raum seit langem kein unbekannter, sondern ein auffälliger Künstler mit seinen aus allerlei Metall- und Plastikfundstücken und diversen Industrieteilen zusammengesetzten, -gebastelten oder geschraubten skurrilen Objekten und Installationen. Die Kunst von Tone Schmid ist kinetisch, die Werke kippen, holen aus, rattern oder bewegen sich sonstwie, immer unvermutet. Sie sind Aktion und Reaktion. Tone Schmids Kunst ist immer hellwach und hinter ihrer spielerischen Absurdität kritisch engagiert. Seine neue Schau nennt er „Bebungen“: eine Wortmischung aus Bewegung und innerem Beben oder Angerührtsein. Der Ausstellungsraum in der Sigismundkapelle ist klein und intim und auch die Kunststücke sind diesmal sacht und langsam. In einer Art Terrarium steht ein roter Hocker zum Sitzen, ein Miniklavier, dazwischen Gras und Blumen und etliche Schnecken, die wie in Zeitlupe herumkriechen, man muss sie nur lange genug beobachten. (Die Beteiligung der Schnecken ist übrigens vom Veterinäramt genehmigt.) Verlangsamung des Tempos – und es bewegt sich dennoch viel. Wenn man an der Seite des Objekts stehen bleibt, ertönt zum Beispiel ein Akkord. Auch in der Ruhe liegt Kraft.

Darum, „die Zeit über die Bewegung zu vergessen“, darum geht es für Klaus Caspers, der die Einführungsrede hielt, in dieser Ausstellung. Für ihn ist Tone Schmid einer der authentischsten und selbstständigsten Künstler der Region. Ein zweites großes Objekt erinnert an ein Fitnessgerät oder ein Marterinstrument oder eine Art Waage. Ein Holzsockel mit einem Loch, in das man schauen kann, auf dem Sockel eine rote Plastikarmatur, an einem Querstecken obenauf baumeln links und rechts zwei Steine. Warum baumeln sie? Weil das Arrangement auf einer Stahlfeder sitzt und die gleicht aus und ist dafür nie ganz ruhig. Ein vibrierender Überträger eben. Und in dem Holzinnenraum hängen einige Kolben an kleineren Stahlfedern und erzeugen Töne, wenn sie, durch die Luft und die natürliche Mechanik getrieben, „über fünf Ecken herum“ aneinanderstoßen. Eine recht meditative Sache diesmal, der ganze Industriemüll.

Bis zum 27. September in der Sigismundkapelle im Thon-Dittmer-Palais.

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