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Menschen, durchblutet von Gefühlen

Dirk Neumann zeigt eindrucksvolle Gemälde und Bildhauerarbeiten im Regensburger Krankenhaus St. Josef.
von Gabriele Mayer, MZ

„Mädchen mit Buch“: Ein Ausschnitt aus dem Bild von Dirk Neumann
„Mädchen mit Buch“: Ein Ausschnitt aus dem Bild von Dirk Neumann

Regensburg.Dirk Neumann ist in Chemnitz geboren und hat zunächst das Schreinerhandwerk erlernt. Seit 1995 wohnt er in Bayern, mittlerweile in Regensburg. Zur Kunst kam er vor allem durch seinen Schwiegervater. Erst seit 2009 beschäftigt er sich intensiver mit Malerei. Aber auch bildhauerische Werke sind in seiner neuen Ausstellung im Krankenhaus St. Josef zu sehen.

Allen gezeigten, in Größe und Art durchaus verschiedenen Arbeiten ist eines gemeinsam: Es geht um den Menschen. Dabei handelt es sich nicht um Porträts im engeren Sinn, viele der Bilder haben gar keine Titel. Es geht vielmehr um das Menschliche im Menschen, um die Gefühle, um Verletzungen, Hoffnungen, Erfahrungen, um Zustände aller Art bei diesen Figuren, die zentral ins Bild gesetzt und mit unterschiedlichen Gesten ausgestattet sind. Um „Aggregatzustände“, so der Titel der Ausstellung.

Es handelt sich um Acryl- oder Mischtechnik-Arbeiten auf Holz, Leinwand oder Papier. Die Farben sind meist ungewöhnlich dick, pastos aufgetragen. Das, was der Betrachter hier sieht, gehört nicht in die Rubrik eines darstellerischen Realismus im engeren Sinn, sondern es ist expressive Malerei, der Pinsel scheint gestisch und heftig geführt zu sein.

Dirk Neumann geht es nicht um Äußerlichkeiten

Vielerlei Farben und Farbschichten bestimmen diese Bilder vom Menschen. Es sind intensive Farben, die gesamte Farbpalette. Doch alles in allem dominiert eher das Rötliche, und eine Wärme, eine durchblutete Lebendigkeit geht davon aus. Blut ist rot und die Wangen werden rot, wenn man etwas empfindet. Man hat eben nicht den Eindruck, dass es Dirk Neumann um Äußerlichkeiten bestimmter Personen zu tun ist, sondern darum, etwas offen zu legen, und über die Oberfläche eines Menschenbildes zum Inneren und zum Kreatürlichen zu gelangen, denn die Oberflächen wirken auf Grund der Farbgestaltung und Malart schrundig, faltig, abgeschabt und aufgerissen.

Schön im engeren Sinn sind die Figuren nicht, eher eindrucksvoll. Und wenn sie dazu noch, wie manche von ihnen, in einem edlen Rahmen aufgespannt sind, erhöht das den Eindruck von Besonderheit, die der Künstler vielleicht ins Bild setzen will. Er hat ein Anliegen, statt einfach nur irgendetwas Gefälliges hinzupinseln.

Lesen Sie mehr über Ausstellungen im Krankenhaus St. Josef: hier.

Dirk Neumann ist Autodidakt, er hat keine Kunsthochschule absolviert. Das merkt man den Bildern durchaus an. Da stimmt manches nicht mit den Körperformen und Proportionen. Gemeint sind nicht gewisse Verzerrungen, die gibt es in der modernen Kunst laufend, doch all dem Verzerrten liegt dann doch als Ausgangspunkt die anatomische Passung zugrunde. Hier fehlt das manchmal. Dennoch ist es beachtlich, dass jemand ohne Ausbildung in relativ kurzer Zeit ein Niveau erreicht hat, das in einer öffentlichen Ausstellung besteht. Es ist nicht Neumanns erste Ausstellung in der Region; es dürften weitere folgen.

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