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Ausstellung

Abgründe im kleinen Format

Ironisch, komplex, fein und manchmal böse: Die Galerie im Donau-Einkaufszentrum zeigt Zeichnungen von acht Künstlern.
Von Gabriele Mayer, MZ

  • Betrachter vor der Serie „Veitstanz“ von Erich Gohl in der Ausstellung im Donau-Einkaufszentrum Foto: altrofoto.de
  • DEZ-Geschäftsführer Thomas Zink sprach bei der Eröffnung der Ausstellung „Alles Zeichnung“, vor Werken von Paul Schinner Foto: altrofoto.de
  • Großer Andrang herrschte bei der Vernissage zu „Alles Zeichnung“ im Donau-Einkaufszentrum Foto: altrofoto.de

Regensburg.„Alles Zeichnung“ heißt die 6. Ausstellung der Reihe „Aspekte“ in der Galerie des Donau-Einkaufszentrums, in Kooperation mit dem Berufsverband Bildender Künstler (BBK). Die Schau zeigt eine Mischung interessanter zeichnerischer Positionen von zehn namhaften Künstlern der Region.

Die Arbeiten der Ausstellung sprechen unsere tieferen Ängste und Wünsche an, hinterfragen Sehgewohnheiten und treiben das, was Zeichnung sein und bedeuten kann, weiter. Sich mit der Zeichnung als kleinem Format auseinanderzusetzen, das ist oft etwas Persönliches, Intimes, und entsprechend wurde auch die Hängung gestaltet.

Dynamische Linien-Geflechte von Paul Schinner

Neben dem Eingang fallen aber zunächst drei großformatige, kraftvolle Arbeiten von Paul Schinner ins Auge. Man spürt die Herkunft Schinners vom Bildhauerischen, und sogar die Skizzenhaftigkeit des Zeichnerischen, wenn sich in seinen Bildern menschliche Körper, Sehnen, Adern, Haut andeuten. Doch er transformiert dies zu eigenständigen, äußerst dynamisch wirkenden, komplexen Linien-Geflechten. Die Zeichnungen des Bildhauers Alfred Böschl folgen einem ähnlichen Ansatz. Es handelt sich um Kompositionen organisch belebter Formen oder vielleicht um Faltenwürfe eines Stoffs, alles bleibt geheimnisvoll in einer Schwebe zwischen gegenständlicher und freier, ungegenständlicher Zeichnung.

Neben den Künstlern, deren Art man kennt, sind auch zwei Newcomer mit von der Partie: Fanny Jacquier bedeckt 36 kleine, nur lose zusammenhängende Einzelblätter mit zartfarbigen kleinen Strichen. Es sind Landschafts-Zeichnungen, doch so, als würde man aus dem Fenster eines fahrenden Zuges blicken. Die Flüchtigkeit des Augenblicks zwischen Formierung und Auflösung der Gegenstände in unserem Blick ist ihr Bild-Thema. Michael Hottner setzt genau und fein gezeichnete Menschen ins Bild, und außerdem geometrische Formen, wie sie das Metier der ungegenständlichen, konstruktivistischen Kunst sind. Diese beiden unterschiedlichen Konzepte, man könnte auch sagen: Welten der Kunst, berühren sich bei ihm scheinbar für kurze, magische Momente.

Ein Zauberer: Stefan Göler

Zeichnungen von Peter Engel, in der Ausstellung im DEZ
Zeichnungen von Peter Engel, in der Ausstellung im DEZ Foto: altrofoto.de

Stefan Göler steht in der Tradition des Reduktionismus und der Ironie der (kleinen) Zeichnung. Er ist ein Zauberer, der Zeichnung, Malerei, Schrift, Skalen, Grafiken, Vorder- und Hintergrund durcheinanderschüttelt, sogar Dinge auf die Bildfläche klebt, sie mit den zeichnerischen Elementen interagieren lässt und auf poetische Weise unser Bildverständnis auf den Kopf stellt. Wobei die Linie das Verbindende, aber auch das Verweisende, das Umgrenzende, das Abgrenzende und dies alles auf einmal sein kann.

Noch minimalistischer geht es bei Peter Engel zu. Auf kleinen Blättern steht meist wie rasch hingeworfen und umrisshaft eine Figur und mutiert im Lauf ihrer Entwicklung. Das ist ebenso sehr Verrätselung wie Enthüllung und hat seine Wurzeln in einer Karikatur-Auffassung, die sich ums Menschsein und ums Existenzielle dreht. Darum geht es auch Erich Gohl – nur ist sein Stil comicartig und deftig. Dicht an dicht sind Striche, Linien, Punkte gesetzt, fügen sich in realistischer Manier zu menschlichen Körpern in grotesken, schrecklichen Ausbildungen. Daseinsabgründe werden auf diesem Trip mit dem Zeichenstift plastisch.

Bissig-böse Bildgeschichten

Betrachter vor einem Werk von Pia Mühlbauer im DEZ
Betrachter vor einem Werk von Pia Mühlbauer im DEZ Foto: altrofoto.de

Auch bei Georg Tassev steht der Mensch, meist als Gruppe oder Paar, im Zentrum. Bei ihm ist die Linie nicht gerade, nicht gestrichelt, sondern mäandert, schwingt zurück, umkreist die Form, ufert aus, zittert und verdichtet sich bis ins tiefste Schwarz, und erinnert ein wenig an Schiele.

Fritz Klier erzählt Bild-Geschichten, auch er geht bis ins tiefe Schwarz, flächig, schattenhaft, bissig und böse. Bündelungen von Einzelstrichen sieht man schließlich bei den großformatigen „Kritzeleien“ von Pia Mühlbauer, die allerlei Assoziationen ermöglichen. Ihre mächtigen Striche in großer Gestik lassen einerseits den Prozess des Entstehens sichtbar werden und konfigurieren sich andererseits zu reizvollen ästhetischen Formen, an Pflanzliches lässt sich denken oder an ein bestimmtes Licht.

„Alles Zeichnung“

  • Die Vernissage

    Oberbürgermeister Joachim Wolbergs dankte dem DEZ: es stelle Kunst einem breiten Publikum vor. DEZ-Geschäftsführer Thomas Zink sprach von einem „Ausstellungsprogramm mit Ecken und Kanten, ungewöhnlichen Ausdrucksformen und manchmal provokanten Themen“ und plädierte dafür, oberflächlichen Illustrationen und effekthascherischen Videos andere Bilder entgegenzusetzen.

  • Die Ausstellung

    „Alles Zeichnung“ ist in der Reihe „Aspekte“ in der Galerie im Donau-Einkaufszentrum zu sehen. Die Schau läuft bis 2. Mai. die Arbeiten von zehn Künstlern aus der Region hat Anjalie Chaubal (Cordonhaus Cham) kuratiert.

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