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Bühne

Michael Fitz gestattet Tiefblick

Der Songpoet kam mit seinem Soloprogramm „Erfolg“ ins ausverkaufte Turmtheater Regensburg und nahm sein Publikum mit auf eine emotionsgeladene Reise.
Von Ralf Strasser, MZ

Michael Fitz gastierte im ausverkauften Turmtheater mit seinem Solo-Programm „Erfolg“. Foto: Ralf Strasser

Regensburg.Die Rolle des Minimalisten steht ihm gut. Ein Barhocker, schlichte Bühne, zwei schlanke Lautsprecher, Mikrophone, Akustik-Gitarren und ein Tablet fürs Texte lesen: Mehr braucht`s nicht für einen intimen Abend mit Michael Fitz, dem Poeten auf dem Weg zwischen den Welten der Schauspielerei und der Musik, in der am liebsten unterwegs ist.

Der Barde ist schwarz gekleidet, selbst die langen Haare und der Dreitagebart gleichen sich im Grau an. Ein schlichtes „Grüß Gott“, ein fast schüchternes Lächeln unter seiner Lesebrille und die Feststellung, dass es knuddelig eng ist, im Regensburger Turmtheater. Das gefällt ihm, er spielt gerne vor kleinem Publikum, das sich doch bitteschön von etwaigen Vorstellungen und Erwartungen verabschieden sollte, „es kommt eh immer anders als man denkt.“ Tut es eigentlich nicht. Michael Fitz bleibt sich und seiner musischen Seele bei dem Rundgang durch verschiedene Befindlichkeiten treu.

Fitz kehrt das Innere nach Außen

Fitz kehrt musikalisch das Innere nach Außen, verpackt in mitunter blues-rockige und groovige Gitarrenklänge. Es geht um Männer und wie sie ticken, sagt er und weiß, dass dies ein Umstand ist, an den auch Frauen interessiert sein könnten. Gefühlt 99 Prozent der Zuhörer sind Frauen; sie wollen wissen, wie es in ihm aussieht, dem erfolgreichen 55-jährigen Schauspieler und Songpoeten. „Erfolg“ heißt auch seine neue Solotour, Regensburg ist die zehnte Station. Doch bis Michael Fitz vermeintliche Überflieger auf dem Minenfeld des Erfolges aufs Korn nimmt, geht er erstmal seine eigenen emotionalen Gemütszustände durch. Mit einer Lyrik, die er anfänglich dem neblig-trüben Wetter fast nahtlos anpasst, aber mit zunehmender Stunde immer mehr auflockert, bis ihm am Ende durchwegs begeisterte und lachende Gesichter entgegenblicken.

Fitz ist ein öffentlicher „Tiefblicker“, er lässt teilhaben an seinen Erfahrungen, Gedanken und an seinem Leben, von der Pubertät („hält locker bis Mitte 30 an“) bis zu den kleinen Weltuntergängen im Familienverbund, die so alle 14 Tage vorkommen. Seine Lieder lassen eine fast schon intime Atmosphäre entstehen, etwa wenn er von Wertschätzungen seines Vaters singt („Du siegst mi ned“), von gescheiterten Zweierbeziehungen erzählt („Wuist du mi no?“) oder über die wenige Zeit sinniert, die ihm zum Leben bleibt. Eindringlich, direkt, aber auch heiter sind seine Geschichten, er kokettiert mit der Gnade des Vergessens („weiß nich mehr“) und singt ganz in Rot getauchtes Scheinwerferlicht von seinem „kloanen Deifi“, der tief in ihm drinsitzt und hektisch durchs Leben jagt.

Der VW-Käfer blieb stets der Sieger

Es dauert eine Zeit bis der Sänger zum Kernthema kommt. Die Luft am Gipfel ist dünn und der Himmel als Preis für die Sieger ist ein einsamer Himmel. Die Frage, ob Menschen, die gerne erfolgreich sein wollen, immer nur aufdringlich, platzergreifend und laut sein müssen, verneint er mit dem Song „Leise“. Den Erfolg sieht Fitz eher im kleinen Detail: Führerschein mit 18, die bestandenen Abenteuer mit seinem VW-Käfer, der im Kampf gegen Lattenzäune und Streukästen stets als Sieger hervorging oder wenn er Spaß und Entspannung dem Streben nach Mehr vorzieht.

Am Ende der emotionalen Gratwanderung zwischen allerlei Déjà-vus lässt er den lässigen Abend mit humorvollem Optimismus ausklingen. Es habe ihm Spaß gemacht, verrät er nach der Vorstellung. Sein Lohn: Viel Applaus, vier Zugaben und spontane Verbalzuwendung mit „Mei war des schee.“

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