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Michael Moore sucht die bessere Welt

„Where To Invade Next“: In seinem neuen Film geht der Doku-Macher auf Reisen, um Lösungen für Probleme der USA zu finden.
Von Wolfgang Marx, dpa

  • Eine Szene von „Where to invade next“: Filmregisseur Michael Moore pflanzt die US-Fahne auf. Der Film kommt am 25. Februar in die deutschen Kinos. Foto: Falcom Media/dpa
  • Regisseur Michael Moore: Sein neuer Film kommt am 25. Februar in die Kinos. Foto: dpa

Berlin.Was ist los mit Amerika? Michael Moore, derzeit wohl berühmtester Dokumentarfilmer der Welt, liebt sein Land. Im Podcast-Interview „Awards Chatter“ lässt er daran keinen Zweifel: „Ich liebe die Vereinigten Staaten. Das ist mein Zuhause. Ich liebe mein Zuhause. Ich will, dass es besser wird“, sagt er.

An George W. Bush hat sich Moore abgearbeitet, aber das ist Geschichte. In seinem neuen Dokumentarfilm „Where To Invade Next“ taugt der Ex-Präsident nur noch für einen kurzen Witz am Rande. Unter Barack Obama habe sich vieles zum Besseren gewandt, meint Moore: „Das Land hat sich verändert.“ Und dennoch liegt noch vieles im Argen: „Amerika ist zurückgefallen. Wir sind nicht mehr die Nummer eins bei den wichtigen Dingen“, sagt er in dem Interview.

Und so hat Michael Moore seine Sachen gepackt und ist für seinen neuesten Film als Ideensammler auf Reisen gegangen, um zu sehen, welche Errungenschaften in anderen Ländern – vorzugsweise in Europa – vielleicht viele der Probleme Amerikas lösen könnten.

Ernste Themen vergnüglich aufbereitet

Ein Film von Michael Moore ist natürlich auch immer ein Film mit Michael Moore im Zentrum des Geschehens. Seine Kleidung ist wie gehabt ein wenig nachlässig, sein Gang ein wenig schlurfender geworden, seine Neugierde aber ist bei seinen Treffen mit Präsidenten und Geschäftsleuten, Müttern und Lehrern ungebrochen groß.

Und so erfährt Moore ganz Erstaunliches auf seinem Europa-Trip (mit einem Abstecher nach Tunesien) – was von ihm in weiten Strecken ganz vergnüglich und geradezu heiter aufbereitet worden ist. Die Themen aber sind ernst und gewichtig: Es geht um das Schulsystem, Arbeitermitbestimmung, Gefängnisse, Drogenpolitik, Ernährung, Gleichberechtigung oder Bildung.

Sehen Sie den Trailer zum Film.

Große Augen macht Moore, als er in das finnische Schulsystem hineinschnuppert. In dem skandinavischen Land müssen die Kinder tatsächlich keine Hausaufgaben machen. Und das funktioniert: Die finnischen Schüler gehören zu den besten in der Welt.

Das ist der Moment, in dem Michael Moore die US-Flagge hervorkramt und sie in den Boden rammt, um dieses Bildungssystem für Amerika als eine Art Ein-Mann-Armee ohne kriegerischen Potenzial zu „stehlen“. In Italien ist er dem Geheimnis des Glücks auf der Spur, in Frankreich geht es um das Essen und in Slowenien um die Universitäten. Auch Deutschland stattet Michael Moore einen Besuch ab und ist von dem Umgang des Landes mit seiner Nazi-Vergangenheit beeindruckt, was ihn – mit einem Verweis auf die Sklaverei – zum Umgang mit der eigenen Geschichte führt.

Michael Moore: In seinem neuen Film ist er weniger wütend als gewohnt.
Michael Moore: In seinem neuen Film ist er weniger wütend als gewohnt. Foto: dpa

Zug um Zug legt Moore so die Defizite Amerikas offen, aber er ist dabei nicht mehr so wütend. Die Wut, die vielfach Motor seiner früheren Filme („Bowling For Columbine“, „Fahrenheit 9/11“) war, ist in „Where To Invade Next“ einem „verrückten Optimismus“, wie es der Filmemacher ausdrückt, gewichen. Weniger zynisch und weniger polemisch ist es dennoch ein typischer Moore-Film geworden, in dem vor allem die immer wieder eingestreuten Sequenzen von Polizei-Willkür in den USA für schockhafte Momente sorgen.

„Ich habe diesen Film für die Jugend gemacht.“

Michael Moore

Und gerade diese Szenen, die überall in den Nachrichten zu sehen waren, haben dem Film in den USA absurderweise ein „R“-Rating eingebracht. Jugendliche unter 17 Jahren dürfen den Film wegen extremer Gewaltdarstellung nur in Begleitung von Erwachsenen sehen. Und das hat Michael Moore besonders in Rage gebracht, denn: „Ich habe diesen Film für die Jugend gemacht“.

Und diese fordert er auf, am Status quo zu rütteln und laut zu werden, wie er auf seiner Facebook-Seite schreibt. Ganz so wütend mag Moore nicht mehr sein, kämpferisch ist er gleichwohl geblieben.

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