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MZ-Kantine

„Miss Verständnis“ auf Tuchfühlung

Constanze Lindner macht die MZ-Kantine zur „Miss Kantine“: In ihr Programm bezieht sie immer wieder das Publikum ein.
von Alois C. Braun

Constanze Lindner kam als Miss Regensburg auf die Bühne. Foto: Alois Braun
Constanze Lindner kam als Miss Regensburg auf die Bühne. Foto: Alois Braun

Regensburg.Regensburg„Miss Verständnis" heißt mehrdeutig das Programm, das Constanze Lindner derzeit spielt. Einen Ausschnitt daraus präsentierte die Kabarettistin, die auch als „Vereinsheim“-Moderatorin bekannt ist, in der MZ-Kantine den Besitzern der MZ-Clubcard.

In einem Gespräch am Jahresanfang hatte Constanze Lindner über ihren Werdegang gesagt: „Den Hang zur Kunst habe ich mit der Muttermilch eingesogen. Meine Mutter war eine Redakteurin und mein Papa war Regisseur. Mein Weg war vorgezeichnet.“ Kein Wunder also, dass sie diverse künstlerische Talente hat und als Kabarettistin, Schauspielerin, Moderatorin und Synchronsprecherin diese auch hochwertig auslebt.

In der MZ-Kantine liefert sie den eindrücklichen Beweis dafür. Bereits vor Beginn ihres Auftritts setzt sie sich zu den Leuten, spricht mit ihnen, schafft Nähe. Um Punkt 19 Uhr, als sie offiziell von Newsdeskleiterin Claudia Bockholt angekündigt wird, steht sie neugierig um die Ecke lugend an der Tür, bedankt sich dann mit einer Umarmung für die Einleitung und kommt mit einer Schärpe auf die Bühne. Darauf steht „Miss Regensburg“ – passend zu ihrem aktuellen Programm, in dem sie immer wieder zu einer anderen Miss wird: etwa zur „Miss Gunst“ oder auch zur „Miss Glück“. Schon beim ersten Sketch hält es sie nicht auf der Bühne. Sie geht durch die Stuhlreihen, spricht die Leute direkt an und bezieht alle in ihr Programm ein. Dabei verteilt sie Umarmungen und sogar Busserln. Später erschnuppert sie auch noch einen Leberwurstfleck am Hemd eines Besuchers.

Betonbrocken zum Rumkuscheln

Ein Wollknäuel wird geworfen. Christine im Publikum fängt es auf. Deshalb muss, nein, sollte man sagen, darf sie Fragen beantworten, die ihr die Akteurin stellt. Etwa, wo sie sich in elf Jahren sehe. „Unter de Radieserl“, antwortet sie spontan, aber wohl nicht ganz ernst gemeint. Auch wenn Constanze Lindner an diesem Tag nur ein verkürztes Programm spielt, so ist es doch stimmig aufgebaut. Die Kabarettistin merkt sich die Namen der von ihr angesprochenen Besucher und baut sie während des Abends immer wieder in das Programm mit ein. Auch Christine wird am Ende des Auftritts noch einmal Teil davon.

Noch beeindruckender aber ist der Auftritt von Constanze Lindner, wenn sie in fremde Rollen schlüpft. Als Cordula Brödke oder Oma Gerlinde offenbart sie ihr schauspielerisches Talent und es ist schier unglaublich, wie sehr sie, gerade als Oma, auch ihre Stimme glaubhaft und überzeugend verstellen kann.

Erneut in der Region

  • Die Künstlerin:

    Constanze Lindner wurde 1046 in München geboren und hat verschiedene künstlerische Talente: Kabarettistin, Schauspielerin, Moderatorin, Sängerin und Synchronsprecherin. Im Jahr 2016 wurde sie mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet.

  • Vorschau:

    Am 14. Dezember kommt Constanze Lindner mit „Miss Verständnis“ in die Alte Mälzerei in Regensburg und am 11. Januar 2020 tritt sie im VAZ Burglengenfeld auf.

  • Webseite:

    www.constanze-lindner.de

Natürlich kommen die üblichen Verdächtigen im Programm zumindest kurz ihr Fett ab: Donald Trump, der Berliner Flughafen, die AfD, Annegret Kramp-Karrenbauer und auch Heidi Klum. Doch das eigentliche Thema ist das normale Leben, die Höhen und Tiefen, die Siege und die Niederlagen.

Da wird die Yoga Oase genauso aufs Korn genommen wie die durch Wischer nach links oder rechts getätigte Personenauswahl bei der Dating-App Tinder. Lindner erzählt, dass sie in Ibiza einst zur „Miss Wal“ gekürt wurde, und als echtes Stadtkind früher Urlaub auf dem Bauernhof machen musste: „Aus Heimweh habe ich Betonbrocken mit ins Bett genommen – zum Rumkuscheln." Lindner spielt mit Sprache, Ausdrücken und Floskeln –etwa wenn sie betont wichtigtuerisch erzählt: „Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden – aber nicht wieder hinein.“

Positive Einstellung zum Leben

Das gesamte Programm ist gespickt mit Spitzen und teilweise feinen Wortspielen. Der Ausdruck „zunehmendes Alter“ sei wohl ausschließlich im Bezug auf das Körpergewicht entstanden. Auch die Krimiflut im Fernsehen nimmt sie aufs Korn, erzählt über den „Schwedenkrimi vom Bodensee aus Münster“.

Die Attraktion aber ist die Künstlerin selbst. Lindner agiert mit unglaublicher Energie und Gestik. Kein Zweifel, hier steht in absolut positiv eingestellter Mensch vor den Zuschauern. Nicht umsonst sagte sie vor ein paar Wochen im MZ-Interview: „Bei mir sind die Gläser immer halb voll und diese Einstellung trägt mich durchs Leben.“

Gegen Ende des Abends gibt sie auch noch eine Kostprobe als Sängerin und zeigt, dass ihr Programm nicht nur lustig, sondern auch abwechslungsreich ist. Und Constanze Lindner geht wieder auf Tuchfühlung mit den Zuschauern, schreibt lachend Autogramme, macht Selfies. Sehr treffend sagt jemand zu seiner Begleitung: „Solch eine Künstlerin in diesem kleinen Rahmen zu sehen, das ist schon ein Erlebnis.“

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