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Mit Alexandra Klobouk durch ihre Lieblingsstadt

Die Kulturillustratorin stammt aus Regensburg und lebte in Lissabon. Jetzt legt sie ein charmantes Portugal-Buch vor.
Von Michael Scheiner, MZ

Alexandra Klobouk stammt aus Regensburg, lebte erst in Istanbul und jetzt in Lissabon. Ihr neuer Kulturreiseführer stellt ihre Wahlheimat vor.
Alexandra Klobouk stammt aus Regensburg, lebte erst in Istanbul und jetzt in Lissabon. Ihr neuer Kulturreiseführer stellt ihre Wahlheimat vor. Foto: Michael Scheiner / MZ-Archiv

Regensburg.Sie misst Europa in Riesenschritten aus. Von Ost nach West tauchte Alexandra Klobouk erst ins quirlige Istanbul ein, zuletzt lebte sie eineinhalb Jahre im eher beschaulichen Lissabon. Davon erzählt ihr neuer wundervoll bebilderter Kultur-Reiseführer für Portugal, ein Land am Rand des Kontinents. MZ-Autor Michael Scheiner sprach mit ihr.

Erst Istanbul, jetzt Portugal ganz im Westen Europas. Steckt da ein Plan, vielleicht ein europäisches Projekt dahinter?

Nein, das ist eher Zufall oder Glück. Eine Begegnung zur richtigen Zeit und plötzlich entwickelt sich etwas, das so erst einmal gar nicht vorgesehen war. Ich interessiere mich einfach für Menschen und damit auch für Gesellschaft und Politik. Nach Istanbul bin ich gegangen, weil mich meine eigenen Vorurteile erschreckt und geärgert haben. Von Lissabon hat mir eine Freundin erzählt, das sei die schönste Stadt der Welt. Als sich unerwartet die Möglichkeit ergab, etwas über Portugal zu machen, habe ich mit meinem Freund eine Stunde überlegt – und bin losgefahren.

Du bezeichnest dich als Kulturillustratorin. Kunst oder Handwerk – wo ordnest du dich selbst ein?

Lissabon – im Land am Rand

  • Das Buch

    Der zweisprachige Kultur-Reiseführer „Lissabon – im Land am Rand. Lisboa – no Limite e na Orla“ ist im Juni erschienen: Verlag Viel & Mehr, Berlin 2015, 120 Seiten, ISBN 978-3-945596-05-0, 16,95 Euro

  • Die Lesung

    Alex Klobouk stellt das Buch am Donnerstag, 9. Juli, 20 Uhr in der Buchhandlung Dombrowsky in Regensburg (Kassiansplatz) vor.

  • Die Autorin

    Alexandra Klobouk ist 1983 in Regensburg geboren und studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee als Meisterschülerin Illustration; ihre Abschlussarbeit, das bebilderte Buch „Polymeer“ wurde 2012 mit dem Preis der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet, weitere Infos: www.alexandraklobouk.com

  • Weitere Bücher

    Nach einem Zeit-Magazin, für das sie 2012 „Der Schatz von Lissabon“ gezeichnet hat, ist 2014 das opulente, ebenfalls gezeichnete Kulturkochbuch „Die portugiesische Küche – A Cozinha Portuguisa“ (Kunstmann Verlag) erschienen. Der Kultur-Reiseführer „Istanbul, mit scharfer Soße?“ erschien 2010.

Sowohl als auch. Ohne Handwerk gibt’s keine Kunst. Kürzlich hat der Illustrator Christoph Niemann, den ich sehr schätze, im BR ein Diagramm vorgestellt. 0,5 Prozent Talent, fünf Prozent Inspiration, der Rest ist harte Arbeit. Damit kann ich mich absolut identifizieren, auch wenn es sich jetzt sehr unglamourös anhört. Allerdings machen die fünf Prozent Inspiration total Spaß. Ideen kommen bei mir schnell. Bis dann ein gutes Ergebnis rauskommt, dauert es ganz, ganz lang. Bei meiner Berufsbezeichnung gibt es verschiedene Varianten. Am treffendsten finde das englische „culture & content illustration“, weil es Inhalt und Umfeld mit einbezieht. Es geht aber auch „visual storytelling“, also das Erzählen von Geschichten in Bildern.

Genießt die Illustration den Stellenwert, der ihr deiner Ansicht nach zukommt?

Ich habe das Gefühl, dass sie langsam wichtiger wird. Dass sie nicht nur textbegleitend, sondern auch mit eigenen Ideen eingesetzt wird. In den USA hat Illustration ein deutlich höheres Ansehen, gilt vielfach als eigenständiger redaktioneller Beitrag. Bei uns ist die Haltung sehr weit verbreitet, da machen wir jetzt noch etwas dazu, damit das Auge hängen bleibt. Für mich ist sie das Mittel zur Kommunikation. Ich kann mit dem was ich mache, als Alleinstellungsmerkmal gut leben (lacht)… ich bin guten Mutes!

Wie sieht deine Arbeit aus – passiert da viel am Rechner oder mehr mit der Hand?

Wenn ich könnte, würde ich am liebsten alles mit der Hand machen. Das ist viel sinnlicher. Aber ohne den Rechner wäre meine Arbeit unverhältnismäßig viel schwieriger. Ich verlier’ meinen Strich am Rechner, deshalb zeichne ich alles und scanne es ein. Am Rechner koloriere ich dann, vergrößere, verkleinere, schiebe Teile hin und her, bis daraus das wird, was es werden soll. Die Originale unterscheiden sich dann oft vom Ergebnis.

Bist du bei deiner Arbeit strukturiert oder eher intuitiv, spontan?

‚Das Buchcover von „Lissabon – im Land am Rand“ von Alexandra Klobouk, erschienen im Verlag „Viel & Mehr“
‚Das Buchcover von „Lissabon – im Land am Rand“ von Alexandra Klobouk, erschienen im Verlag „Viel & Mehr“

Beides: Es geht nicht ohne die Fünf-Tage-Woche und klare Zeiten. Sonst stehst du als Selbstständiger immer unter Druck. Ich muss auch das Gefühl haben, jetzt ist genug gearbeitet und Zeit für eine Pause. Im Studium habe ich manchmal wochenlang so viel gearbeitet, bis nichts mehr funktioniert hat. Bei den Ideen bin ich sehr spontan, assoziativ. Beim Ausarbeiten, auf den Punkt bringen, so dass andere die Ideen auch verstehen können, ist wieder diszipliniertes Arbeiten angesagt.

Auch dein neues Buch ist wieder zweisprachig und in einem Verlag erschienen, der das als Konzept verfolgt.

Der Verlag ist erst 2014 gegründet worden. Er wird von einem Verein getragen, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Vielfalt und Mehrsprachigkeit in illustrierten Büchern zu fördern. Damit soll auch deutlich gemacht werden, dass wir längst in einer gemischten, bunten und offenen Gesellschaft leben.

Glaubst du an Zufall oder Bestimmung?

Ich glaube an Glück. Als Kind habe ich immer an den Sonntagskind-Mythos geglaubt, ich bin an einem Sonntag geboren. Ich habe viel Glück gehabt – aber ich glaube auch, dass man hie und da Wagnisse eingehen muss, um dem Glück die Gelegenheit zu geben, einen zu erwischen.

Alexandra Klobouk stellt „Lissabon – im Land am Rand“ am Donnerstag, 9. Juli, 20 Uhr, in der Buchhandlung Dombrowsky (St. Kassians-Platz 6 in Regensburg) vor.

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