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Kultur
Samstag, 18. August 2018 31° 3

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Mit Gitarre und Wiener Schmäh

Harri Stojka hat Anekdoten aus seinem Musikerleben aufgeschrieben. Kostproben gibt es beim Jazzweekend.
Von Katharina Kellner

Für die Anekdoten aus seinem Buch hat Harri Stojka viele „leiwande Comments“ bekommen. Er sagt dazu: „Der Wiener Schmäh ist einfach irre lustig, des hob’ ich holt alles aufgschriem, ich könnt’ mich selber totlachen.“ Foto: Bayerisches Jazzinstitut, Christian Wurm
Für die Anekdoten aus seinem Buch hat Harri Stojka viele „leiwande Comments“ bekommen. Er sagt dazu: „Der Wiener Schmäh ist einfach irre lustig, des hob’ ich holt alles aufgschriem, ich könnt’ mich selber totlachen.“ Foto: Bayerisches Jazzinstitut, Christian Wurm

Wien.„Es war nie meine Intention, Bücher zu schreiben“, sagt Harri Stojka lapidar am Telefon, wenn man ihn nach seinem neuen Werk fragt: einer Sammlung von Anekdoten, die er aus seinem über 40 Jahre langen Musikerleben destilliert hat.

Dass er entgegen aller Absicht das zweite Buch veröffentlicht hat, erklärt Stojka so: Jeder Mensch brauche eben Ausgleich. „Andere gehen Enten füttern. Mein Hobby ist im Wiener Dialekt dichten und zeichnen. Das ist aber nicht ernst zu nehmen.“

Irgendwann postete er einige dieser Gedichte auf Facebook – „nur um mal zu schaun, wie die Leute reagieren“. Er bekam „leiwande Comments“ – und die Chefin der Edition Keiper meldete sich. Mittlerweile ist in dem Grazer Verlag nach den Mundartgedichten („A guada tog, oder, a zprackta braucht kaan karakta“) auch „Kaum zu glauben. Musiker und andere G’schichtln“ erschienen – noch dazu eigenhändig von Stojka illustriert. Bei der musikalischen Lesung, die es in diesem Jahr zum zweiten Mal beim Jazzweekend gibt, liest Stojka Kostproben daraus – und spielt natürlich Gitarre: „Musikalisch geht’s von Rock über Gypsy Swing bis Modern Jazz. Es wird ein bisschen rockiger, ich gehe wieder zurück zu meinen Wurzeln“, kündigt er an.

„Schpüüns, Herr Schtoika!“

Quelle der Inspiration für seine Bücher ist der Wiener Schmäh. Der kommt nicht nur aus Stojkas eigenem Mundwerk, seit der 1957 geborene Sohn einer Wiener Roma-Familie zu sprechen begann. Der Wiener Dialekt ist auch beim Heurigen zu hören, in der Trafik, beim „Greißler“, der kleinen Lebensmittelhandlung, im Tonstudio, auf oder hinter der Bühne. Die skurrilen Typen, denen Stojkas Buch manche Pointe verdankt, muss der Gitarrist nicht lange suchen – ein Freund sagte zu ihm: „Harree, Du bist wia a Magnet fia dee Gehianamputiatn!“

Am Wienerischen gefällt Stojka die Bedeutungsvielfalt – wie zum Beispiel beim Begriff „zprackta“: „Das ist ein Toter oder jemand, der Prügel bezogen hat, oder einer, dem die Frauen böse mitgespielt haben.“

Bei Stojka lernt der Leser Redensarten, die im feinen ersten Bezirk nicht goutiert werden: So rät er unbedingt davon ab, in einem besseren Restaurant einen „oogschdiaztn Gummioodla mit Geeläändekääks“ zu bestellen – diese Umschreibung für „Hendl mit Pommes“, gehöre zu den „ärgsten“ Wiener Ausdrücken.

Dass Gelassenheit wohl zur Wiener Seele gehört, illustriert Stojka durch Episoden wie der vom Privatkonzert in der Wohnung eines Freundes: „Plötzlich stehen zwei Polizisten – von wegen Ruhestörung – im Zimmer! Wir hören natürlich sofort auf, da sagt einer der beiden: ,Herr Schtoika, bevuas aufhean, schpüüns bidde noo a liad!‘“

Mit 13 das erste Konzert

Herrlich selbstironisch ist Stojka auch – so gibt er einen Dialog wieder, den er zufällig auf dem „Heisl“ belauscht hat: „Daa Schtoika? Dea iis doo schoo siebzg!“, sagt ein Typ. „Darauf sein Freund: ,Mindaastns!‘“ Tatsächlich war Stojka 35 Jahre alt.

Harri Stojka

  • Gitarrist:

    Stojka erschuf einen unverwechselbaren Gitarrenstil. Er konzertierte weltweit und spielte mit internationalen Musikern zusammen – wie in seinem Bandprojekt „India Express“.

  • Jazzweekend:

    Stojka liest und spielt am Samstag, 21. und Sonntag, 22. Juli, jeweils um 15 Uhr, im Degginger mit Bassist Peter Strutzenberger, den er einst in Regensburg kennenlernte. (kk)

Dass er so jung schon als Urgestein der Wiener Musikwelt galt, erklärt sich vielleicht damit, dass Stojka mit 13 Jahren sein erstes Konzert gab. Damals sah der Chef eines Musikclubs ihn und seinen Cousin Jano bei einer Jam-Session und beschloss: „Die Jungs gehören auf eine große Bühne.“ Plötzlich fanden sich Harri und Jano vor 1500 Zuhörern. An diesem Abend habe er zum ersten Mal eine geraucht, erzählt Stojka. „Du zitterst wie ein Kluppensackl“ (ein Sack Wäscheklammern), habe sein Vater gesagt – und ihm eine Zigarette gegeben.

Geschichten wie diese hätte Stojka noch unzählige auf Lager. Was er aufgeschrieben habe, sei „ja nicht einmal die Spitze des Eisbergs“, sagt er: „Es passiern ja jeden Tog so viele Sachen.“

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