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Bühne

Mit Humor und Persönlichkeit

Andreas Kümmert und Stefan Kahne überzeugen an den Gitarren. Ihre Songs und ihr Spaß stecken das Publikum an.
Von Alois C. Braun

Sänger mit Hingabe und Ausdruck: Andreas Kümmert kann improvisieren. Foto: Alois C. Braun
Sänger mit Hingabe und Ausdruck: Andreas Kümmert kann improvisieren. Foto: Alois C. Braun

Regensburg.Volles Haus beim ersten von zwei Andreas-Kümmert-Konzerten in der Arber Wirtschaft in Regensburg. Heimelig, nur mit Stefan Kahne an der E-Gitarre, liefert der Würzburger großartige Songs in reduzierten Arrangements, wobei sich reduziert nicht auf die Qualität des Auftritts bezieht. Im Gegenteil, eine stimmungsvoll beleuchtete Bühne, zwei Gitarren und ein ungekünsteltes Auftreten reichen den Musikern, um das Publikum mit intensiver Musik knapp 100 Minuten in den Bann zu ziehen.

Doch der Reihe nach. Zum Einstieg gibt es „Simple Man“ – und danach gleich eine Kostprobe des Kümmertschen Humors. Er witzelt, dass man zu 95 Prozent Schlager spielen werde und sich „Brunner + Klaus“ nenne, also nach einem Namens-Mix zweier bekannter Schlager-Duos. Als zweiter Titel kommt dann ein langer Blues, nicht der einzige an diesem Abend. Ja, es sind die typischen Schemen, die abgenudelten Akkordfolgen, die erklingen. Aber, die beiden zeigen, was man daraus machen kann und warum diese Musikrichtung niemals alt wird. Kümmert singt variationsreich und Kahne zelebriert ein ausuferndes Solo, während sich die Dynamik des Songs immer weiter steigert.

Selbst einen Wackler gemeistert

Dass im Akustikteil an Kümmerts Gitarre eine Saite reißt, nimmt dieser gelassen. Er zieht eine neue auf, während Kahne eine Melodie startet, die zunächst an „Albatross“ von Fleetwood Mac erinnert und dann zu „I’d rather go blind“ wird. Kümmert steigt ein, und wohl noch nie hat man jemanden so hingebungsvoll singen hören, während zeitgleich die Hände Arbeiten an einer Gitarre durchführen. Auch einen Wackler in der Gitarrentechnik zu Beginn des zweiten Sets meistert er ohne großes Aufhebens.

Man merkt, dass die beiden Musiker nicht nur bei „Zwischenfällen“ sehr gerne improvisieren. Das bringt zusätzliches Leben und Dynamik in die Performance, kleine Fehler und der lockere Umgang damit, zeigen zwei souveräne Akteure, die Spaß an der Musik haben. So kommen immer wieder ganz kurze Sprengsel anderer Lieder zum Einsatz. Etwa das „Harry Lime Theme“ aus dem Film „Der Dritte Mann“ im Intro zu „If Trouble was Money“.

Kahne hat das richtige Gefühl für die Songs, spielt da, wo es Sinn hat und bereichert die Titel. Und wenn er, etwa bei „Easy“, punktuell eine zweite Stimme singt, sorgt er für Gänsehautmomente.

„Rocket Man“ überzeugte die „The Voice“-Jury

Andreas Kümmert versteht es nicht nur mit seiner Stimme, sondern auch mit seinen Ansagen zu fesseln. Aber man muss schon gut zuhören. Vieles steckt zwischen den Zeilen, etwa wenn er den Drogensong „Gimme your Sympathy“ als „Weihnachtslied über den fachgerechten Umgang mit Puderzucker und den Konsequenzen eines falschen Umgangs damit“ ankündigt, oder witzelt, er könne kein Englisch, und die Sprache, die er singe, deshalb „Phonetik“ heiße.

Natürlich sind auch seine bekanntesten Songs zu hören. Mit dem ruhig fließenden und souligen „Something in my Heart“ gewann er den Vorentscheid zum ESC 2015 – und mit „Rocket Man“ von Elton John überzeugte er 2013 die Jury bei „The Voice of Germany“. Gerade Letzteres zeigt eine der herausragenden Stärken von Andreas Kümmert.

Kümmert singt die Songs nicht nur, er lebt sie auch körperlich und interpretiert auf seine Weise – ohne Wenn und Aber. So gelingt ihm das, was nicht viele Künstler können: Er macht fremde Kompositionen zu seinen ureigenen Liedern. „Little Wing“ von Jimi Hendrix ist ein weiteres Beispiel dafür.

Milli Vanilli auf rockig getrimmt

Am Beginn der Zugabe flunkert Kümmert, dass er mit Kahne hinter der Bühne erst auf Spotify gesucht hätte, was sie noch spielen könnten, und erklärt dieses Musikportal zum Tod der Musikindustrie. In seiner typischen Art fügt er augenzwinkernd hinzu: „Ich selbst habe auch einen Premium-Account.“

Nach einer kurzen Reminiszenz an Milli Vanillis „Girl you know it’s true“, die zeigt, dass er mit seiner Persönlichkeit selbst aus diesem Lied einen gefühlvollen Rocksong machen kann, folgt „Keep my Heart burning“. Der Titel aus dem immer noch aktuellen Album „Lost and found“ ist der Abschluss eines kurzweiligen Konzertabends mit unerwartet vielen Blueswurzeln. Die reduzierten Arrangements zeigten, dass die Songs auch ohne großes Brimborium funktionieren.

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