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Orchester

Mit Schwung in die Vollen

Die Geigerin Nicola Benedetti und das Royal Scottish National Orchestra begeistern beim Odeon-Konzert im Audimax.
Von Gerhard Dietel

Eine der führenden jungen Geigerinnen: Nicola Benedetti, Tochter eines Italieners und einer Schottin Foto: Simon Fowler
Eine der führenden jungen Geigerinnen: Nicola Benedetti, Tochter eines Italieners und einer Schottin Foto: Simon Fowler

Regensburg.Was 1891 als „Scottish Orchestra“ gegründet wurde, darf sich heute stolz, unter königlich britischer Schirmherrschaft stehend, als „Royal Scottish National Orchestra“ bezeichnen. Wenn ein solcher Klangkörper im Ausland auftritt, darf man erwarten, dass er seine heimische Visitenkarte abgibt. In der Tat: Beim Odeon-Konzert im Regensburger Audimax, das vom „Royal Scottish National Orchestra“ gestaltet wird, spielt Folklore wenigstens bei den Zugaben eine Rolle.

Die Vorreiter-Rolle übernimmt die Solistin des Abends, die schottisch-italienische Geigerin Nicola Benedetti, die auf ihrer Gariel-Stradivari täuschend echt Dudelsack-Klänge imitiert. Und auch das Orchester lässt sich unter Stabführung seines Music Directors Thomas Sondergard nicht lange um Extras bitten. Nach einer zwischen Schwermut und Walzerschwung fein austarierten „Valse triste“ von Jean Sibelius geht es in die Vollen der schottischen Tanzmusik. Beim „Eightsome Reel“ erschallen „Hey“-Rufe aus den Kehlen der Orchestermusiker und das Publikum lässt sich nicht lange bitten, rhythmisch mitzuklatschen, als säße es beim Neujahrskonzert.

Musik für große Bühnen

So aufgeräumt und ausgelassen endet ein Odeon-Konzert-Abend, der feierlich begonnen hatte: mit Ralph Vaughan Williams‘ „Fantasie über ein Thema von Thomas Tallis“, die altertümlich modale Harmoniefolgen in ein üppig romantisches Streichergewand hüllt. Dass dies Raumklang-Musik ist, ursprünglich für ein weites Kirchenschiff bestimmt, lässt sich auch im Audimax ahnen, wenn der Tutti-Gruppe der Streicher oft schattenhaft ein im Hintergrund postiertes Kammerensemble antwortet und zusätzlich noch ein Streichquartett aus dem Kollektiv heraustritt.

Die Besetzung

  • Orchester:

    Seit mehr als 100 Jahren spielt das „Royal Scottish National Orchestra“ eine zentrale Rolle im schottischen Musikleben. Der dänische Dirigent Thomas Sondergard wurde Anfang 2020 zu seinem Musikdirektor ernannt.

  • Solistin:

    Nicola Benedetti gehört zu den führenden jungen Geigerinnen. In Regensburg wird sie am 27. März nochmals beim „Musikverein“ in einem Klaviertrio-Abend zu hören sein.

Im Zentrum des Abends steht der Solo-Auftritt Nicola Benedettis in Bruchs g-Moll-Violinkonzert. Ein leiser Paukenwirbel, ein kurzes Einleitungsmotiv der Holzbläser, dann darf die Geigerin sofort das Heft in die Hand nehmen und mit ihren Künsten brillieren: verhalten anfangs noch, und doch bereits mit viel Schmelz und Expressivität im Ton, die sich noch steigern, wenn die Solostimme hoch über dem Orchester schwebt. Atemberaubend ist Nicola Benedettis Spiel, wenn es dann gilt, Doppelgriffpassagen und weiträumige Akkordarpeggien zu meistern. Doch auch ganz schlicht kann ihr Instrument dazwischen ertönen, im traumverloren zart beginnenden Mittelsatz, bevor ein Schuss Zigeunerblut ihr Spiel im überschäumend temperamentvollen Finale befeuert.

Dirigent führt souverän durch das Konzert

Klug weiß Thomas Sondergard immer wieder das Tonvolumen des Orchesters zu dämpfen, wenn es gilt, der Solistin Raum zu geben, und gleichermaßen klug steuert er abschließend die Musiker durch die Partitur von Dvoraks achter Sinfonie, mit auch bei dynamischen Steigerungen elegant bleibenden Bewegungen des Dirigentenstabs, ergänzt durch kleine Winke der linken Hand und mimische Signale. Eine klare Interpretationsvorstellung hat Sondergard und vermag diese auch mitzuteilen, was bei den permanenten Stimmungswechseln und unerwarteten Wendungen von Dvoraks Achter unerlässlich ist.

Was im Kopfsatz und im folgenden Adagio im alten Balladenton als ferne Erinnerung beginnt, schlägt bald um in dramatische Vergegenwärtigung. Sinnend gibt sich Dvoraks Musik oft, doch dann wieder lebensbejahend vorwärtsstürmend, zumal im Variations-Finale, wo kurz vor dem Ende das „Royal Scottish National Orchestra“ nochmals ganz verhalten musiziert, bevor es sich im fröhlichen Galopp in die überschäumenden Schlusstakte stürzt.

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