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Literatur

Mördchen fürs Örtchen und eine Tote im Regen

Mitglieder des Schriftstellerverbandes stellten Kostproben ihrer aktuellen Werke vor.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Regensburg. . Barbara Krohn hatte Glück. Die Regensburger Autorin hatte für die Anthologie „Mördchen fürs Örtchen“ ohnehin einen „Kurzkrimi für Geschäftige“ geschrieben und lag damit mit der auf etwa fünf Minuten geschätzten Zeit für eine Sitzung an eben jenem Ort genau im Rahmen. Denn jeweils fünf Minuten hatten die zwölf Autoren der Jahreslesung des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS), Regionalgruppe Ostbayern, um im Kunst- und Gewerbeverein aus ihren jüngsten Werken zu lesen und den darauffolgenden Autor vorzustellen. Trotz der eigentlich passenden Kürze der Geschichte „Kein Wässerchen trüben“, in der eine in mehrfacher Hinsicht Betrogene im neuseeländischen Outback auf einer Hundertwasser-Toilette den Betrüger Rache nehmend runterspülen will, blieb Krohn das Ende an der spannendsten Stelle schuldig. Was einige Zuhörer ohne Umweg Rolf Stemmle zutrieb, der nicht nur aus seinem Buch „Rigoletto – La Traviata – Aida“ las, sondern auch den Verkaufsstand betreute.

Vorgestellt wurde an diesem Abend die Fülle der Bücher, die die Mitglieder seit September 2010 veröffentlicht haben, erklärte Regionalgruppen-Vorsitzende Marita A. Panzer, die ihre Biografie „Lena Christ – Keine Überflüssige“ präsentierte. „Es geht auch darum, die Vielfalt zu zeigen.“ Dass der Literaturbegriff nicht eng ausgelegt wird, zeigte sich daran, dass auch Markusine Guthjahr ihr Kochbuch vorstellte und nicht Lese-, sondern leckere Kostproben daraus unter die Zuhörer brachte.

Ansonsten gab es Texte unterschiedlichster Genres. Hildegunde Artmeier las aus ihrem Krimi „Die Tote im Regen“, Ulrich Effenhauser aus seinen Erzählungen „Autos, Estern, Lampengeister“, Karin Holz aus ihren eben erschienenen Gedanken zur ZEN-Meditation „Mohnschein“, Volkmar Steininger aus seinem historischen Heimatroman „Die Bayerische Elsässerin“, der nächstes Jahr verfilmt wird, und Carola Kupfer aus ihrem eben noch nicht erschienenen historischen Roman „Johanna und der Medici-Schatz. Neue Intrigen am Kurpfälzer Hof“, einer Geschichte, die in Amberg ihren Anfang nimmt.

Einmal mehr als wunderbarer Lyriker erwies sich Siegfried Schüller, der zwei Gedichte rezitierte, darunter mit „(M)ein Stein“ einen Text, der an die deutsche Schuld an griechischen Kriegsopfern gemahnte: „Es gibt ein Land, das hat so viele Schulden angehäuft, dass es das nicht zurückzahlen kann. Und es gibt ein zweites Land, das hat so viel Schuld angehäuft, dass es diese auch nicht zurückzahlen kann.“

Elfi Hartensteins Buch „Jüdische Frauen im New Yorker Exil“ aus dem Jahr 1999 ist im vergangenen Jahr in einer Neuauflage erschienen. Hartenstein las ein Stück aus der Begegnung mit der Pianistin Erna Jonas, die sich 1939 nur vor den Nazis von Wien nach New York retten konnte, weil ihr vier wildfremde Namensvettern, die sie aus dem New Yorker Telefonbuch herausgesucht und um Hilfe gebeten hatten, ein „Affidavit“ geschickt hatten, mit dem sie die Musikerin in die USA einluden und für sie bürgten.

Sehr fröhlich gelagert waren die „Fanny-Fuchs-Geschichten“ von Ingrid Kellner, Betthupferl auf Bairisch, die die Schriftstellerin für den Bayerischen Rundfunk geschrieben hatte und von denen sie eine nun genüsslich und lautmalerisch vortrug. Damit sich die unterschiedlichen Texte auch vertrugen, sorgte Fagottist Benedikt Dreher mit Eigenkompositionen, Improvisationen und Stücken von Stemmle für gelungene Überleitungen in dieser sehr kurzweiligen und sympathischen Veranstaltung.

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